Channel

Startups

Investment

Interactive Paper: 180.000 Euro für das Startup mit den magischen Flyern

Raphael Besnier and Tobias Macke, die Gründer von Interactive Paper. © Interactive Paper
Raphael Besnier and Tobias Macke, die Gründer von Interactive Paper. © Interactive Paper

Man lege ein Smartphone auf einen Flyer und tippe dann auf am Papier aufgedruckte Buttons und Schaltflächen – und siehe da, am Smartphone-Display erscheinen passende Inhalte. Mit diesem Trick ist das niederösterreichische Startup Interactive Paper vor allem in der Werbebranche bekannt geworden. Denn die Technologie erlaubt es Werbern etwa, Konsumenten von einer papierenen Postwurfsendung auf eine mobile Webseite zu lotsen. Gestartet 2018, ist es den beiden Gründern Raphael Besnier and Tobias Macke gelungen, Kunden wie Samsung, Bawag oder Erste Bank zu gewinnen.

Nun kann Interactive Paper eine kleine Finanzierungsrunde bekannt geben. Insgesamt sind es 180.000 Euro, die das Startup in einer Seed-Runde aufstellen kann. Teile des Geldes kommen dabei von den Investoren, weitere Gelder stammen aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds, der Zuschüsse an in Not geratene, innovative Jungfirmen in Österreich während der Corona-Pandemie vergeben hat.

„International skalieren“

„Anfang hat sich 2020 klar herauskristallisiert, dass wir das international ausrollen können. Um international skalieren zu können, haben wir dann Investoren für eine Runde gesucht“, sagt Raphael Besnier im Gespräch mit Trending Topics. Die bestehenden Business Angels Werner Wutscher und Thomas Fiala haben gemeinsam mit Neuinvestor Johann Ettel zusammen etwa 100.000 Euro in das Unternehmen gesteckt, der Rest kommt aus dem Hilfsfonds der Regierung. Besnier: „Am Anfang der Corona-Phase hatten wir mit einem massiven Umsatzeinbruch zu kämpfen.“ Aufträge für Events und Shops seien weggebrochen. Deswegen wolle man sich künftig vor allem auf Direct Mailings fokussieren.

Nun ist das frische Kapital jedenfalls da und soll auch gleich in folgende Bereiche investiert werden. „Der Großteil des Kapitals geht in die Optimierung des Produktionsprozesses, um wirklich international liefern zu können“, sagt der Interactive Paper-Mitgründer. Ziel sei, tausende Anfragen gleichzeitig betreuen zu können. Außerdem wolle man neue Mitarbeiter für IT, Marketing und die Produktion gewinnen. Und: Derzeit wird die Patentierung des eigens entwickelten RFID-Chips und der leitenden Tinte vorangetrieben. Denn bisher wurde kein Mitbewerber gefunden, der etwas Ähnliches macht.

© Interactive Paper
© Interactive Paper

Zur Technologie: Die Steuerung des Smartphones funktioniert über den NFC-Chip. Im Papier wird entsprechende RFID-Tags integriert, die dann Signale an den NFC-Chip im Smartphone senden. Damit kann man das Öffnen einer mobilen Webseite auslösen. Interactive Paper funktioniert sowohl mit Android-Geräten als auch mit iPhones. Bei den Modellen iPhone XS, XR, 11, 11 Pro und SE funktioniert der Trick automatisch, bei älteren Apple-Smartphones muss eine eigene App installiert werden.

„Ansprechende Form von Werbung schaffen“

„Wir wollten ein Werbemedium schaffen, das für den Nutzer faszinierend ist“, sagt Besnier. „Insgesamt wollen wir eine ansprechende Form von Werbung schaffen, die respektvoll mit den Konsumenten umgeht.“ Mit Interactive Paper hätte man das geschafft. Interne Zahlen würden zeigen, dass die Verweildauer auf dem geöffneten Content im Schnitt bei drei bis vier Minuten liege. „Das liegt daran, dass sich die Leute mit dem Medium herumspielen und sich intensiv mit den Inhalten der Kunden.“ Und: In vielen Fällen sei man bei der Ansprache von Personen auch günstiger als vergleichbare Werbeformen in Social Media.

Gestaltet werden die Direct Mailings meist mit drei 3 Berührungspunkten am Papier. empfohlen wird, dass der erste ein Erklär-Video am Smartphone öffnet, der zweite Button Interaktivität über ein Quiz oder Umfrage schafft und der dritte dann im Sinne eines „Call to Action“ etwa zur Installation einer App oder zu einem Login führt.

Allerdings, so Besnier, sehe man sich nicht als Firma für neuartige Postwurfsendungen, sondern als Startup, dass generell an neuen Werbeformen arbeitet. Zukünftige Produkte befänden sich bereits in Planung, aber: „Papier ist kein zwingender Faktor.“

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise