Interview

„Influencer Marketing und Product Placement sind bei Instagram wichtiger als klassische Werbung“

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Immer mit dabei im Restaurant: Instagram. © Pixabay
Immer mit dabei im Restaurant: Instagram. © Pixabay

Virtual Reality, Social Media Marketing, Messaging, Mobile Advertising – das sind die Themen, mit denen sich Gregor Almássy, Senior Director Corporate Marketing & Customer Service bei Samsung Österreich, tagtäglich beschäftigt. Im Interview spricht er über die führende Rolle von Facebook bei VR, den Messmethoden von Samsung in dem Social Network und welche Werbung bei Instagram am sinnvollsten ist.

Warum setzt Samsung so stark auf das Thema Virtual Reality, welches Marktpotenzial vermutet man da?

Gregor Almássy: Bei Oculus Rift von Facebook braucht man einen starken Computer für die Rechenleistung, an dem die Brille hängt. Unser Ansatz ist mobil, man kann einfach das Smartphone in die Brille als Display einsetzen. Das ist ein sehr einfacher Zugang und ein Boost für die gesamte VR-Branche, weil wir ein Gerät, das schon jeder Konsument hat, zu einem VR-Gerät machen können. Bei 3D etwa war das Problem, dass man sich extra einen teuren 3D-TV kaufen musste, unsere Brille hingegen ist leistbar und somit Mainstream-tauglich.

Der große Treiber von Virtual Reality im Hintergrund ist allerdings Facebook, ohne deren Technologie würde die Samsung-Brille nicht funktionieren.

Google hat auf YouTube seine 360-Grad-Videos, aber man muss zwischen 360-Grad-Videos und Virtual Reality unterwscheiden. Facebook ist am Anfang belächelt worden, so viel Geld für die Oculus-Brille auszugeben, aber die waren sehr gescheit mit diesem Investment.

Laut Mark Zuckerberg ist Virtual Reality das nächste Medienformat nach Text, Bild und Video. Glaubt Samsung auch an diese Evolution?

Ja, Virtual Realtiy ist die nächste Evolutionstufe in der Content-Generierung. Wir kennen ja alle das Holodeck aus Star Trek und haben uns immer gewünscht, dass es Realität wird. Wir sind jetzt am Anfang von VR, aber das wird alles kommen. Es ist eine neue Form des Medienkonsums. 2D ist pures Konsumieren, Games sind schon mehr Interaktion, aber mit Virtual Reality ist noch viel mehr möglich.

Zur Produktion von VR-Videos braucht es Kameras. Kommt von Samsung eine?

Ich darf über neue Produkte nicht sprechen, nur so viel: Wir sind seit Jahren in der Fotoindustrie, und wir produzieren eine VR-Brille.

In welchen Bereichen wird sich VR als Erstes durchsetzen?

Für Hollywood ist das natürlich ein spannendes Thema. Mit VR kann man einen Film nicht nur aus der neutralen Beobachterrolle ansehen, sondern auch aus der Perspektive des Bösewichts oder aus der Perspektive des Helden. Im Rahmen der Promotion von “Jurassic World” haben wir schon mal testweise angefangen, um zu sehen wie so etwas funktionieren kann. Und natürlich beim Gaming. Jeder, der schon einmal einen Shooter gespielt hat, weiß, was VR für diese Industrie bedeuten wird.

Gregor Almássy. © Samsung Österreich
Gregor Almássy. © Samsung Österreich

Was bedeutet die VR-Brille für die Distribution von Content? Ins Kino wird dann keiner mehr gehen, um sich dort mit einer VR-Brille von der Umwelt abzukapseln.

Ich glaube nicht, dass das klassische Kino durch Virtual Reality ersetzt wird, ins Kino geht man aus anderen, vor allem sozialen Gründen. Aber Leute, die sich jetzt Filme am Tablet oder Smartphone ansehen, werden sich diese künftig per VR-Brille reinziehen.

Facebook ist für Samsung nicht nur bei VR wichtig, sondern auch im Online-Marketing. Sehen Sie Samsung, was die Social-Media-Reichweite angeht, in Abhängigkeit zu Facebook, wo man sich Reichweite zunehmend mit Ads kaufen muss?

Facebook auf Werbung zu verkürzen, wäre aus Sicht einer Brand falsch. In den Wild-West-Zeiten von Facebook konnte man eine enorme Reichweite ohne viel Budget schaffen, doch heute ist Facebook ein Medienunternehmen wie jedes andere. Es gibt, genauso wie für den Werbespot im TV, Mediapreise, Punkt. Für uns ist Facebook als Feedback-Kanal wichtiger, und das ist nach wie vor gratis. Facebook verlangt ja keine Gebühr, wenn sich Konsumenten auf unserer Seite aufregen oder uns loben. Wenn man auf Facebook einen ernsthaften Dialog führt, dann kann das keine Werbekampagne der Welt ersetzen.

Aber so erreicht man nur Bestandskunden und keine Neukunden.

Nein. Wenn man sich die Gründe von heutigen Kaufentscheidungen ansieht, dann gehen sie zu etwa 40 Prozent auf Empfehlungen durch Freunde zurück. Wenn man auf Facebook sieht, dass ein Freund eine hilfreiche Antwort von einer Brand bekommt, dann beeinflusst man damit eine künftige Kaufentscheidung mit.

Kann Samsung das messen? Liefert Facebook messbare Effekte in punkto Weiterempfehlung?

Wir messen den Net Promoting Score (NPS), also wie stark man von einem Produkt überzeugt ist und es deswegen weiterempfiehlt, und wir messen den “Proud to own”-Faktor, also ob der Konsument stolz ist, ein Produkt zu besitzen. Auf globaler Basis misst Samsung den “Return of Engagement”. Also wir sehen tatsächlich, dass die Weiterempfehlung funktioniert.

Stichwort B2C-Kommunikation bei Facebook. Der Messenger von Facebook soll Unternehmen mit den Usern chatten lassen – ein Fall für Samsung?

Wir haben uns das angeschaut, und chatten kann man mit Kunden über viele Kanäle. aber wenn es um Customer Service geht, braucht man ein Ticketing-System. Dieser Messenger kann nur funktionieren, wenn er an diese Ticketing-Systeme angeschlossen ist, das müssen sie noch anbieten.

Punkto Mobile Marketing war der Vermarktungsstart von Instagram das Highlight des Jahres in Österreich. Wie nutzt Samsung diese Werbemöglichkeit?

Wir waren eine der ersten Brands, die eine eigene Instagram-präsenz aufgemacht hat. Aber es ist schwierig. Man kann klassisch werben wie überall anders auch, aber schwierig ist die Content-Produktion. Wenn man sich ansieht, wer auf Instagram viele Follower hat, dann sind das selten Brands. Da sind die Themen Influencer Marketing und Product Placement wichtiger als klassische Werbung.

Beim Thema Influencer Marketing ist man schnell bei Schleichwerbung. Wie geht man als große Brand damit um?

Wenn Werbung bei Instagram erkannt wird, ist sie so schlecht, dass sie nicht mehr relevant ist, weil die Follower dann abspringen. Wenn der Influencer aber Content produziert, der spannend ist und nicht als Werbung wahrgenommen wird, obwohl ein Produkt vorkommt, dann hat sowohl die Brand als auch der Influencer etwas erreicht. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite regen sich die Leute über Schleichwerbung auf, auf der anderen Seite muss man anerkennen, dass diese Art der Werbung gut gemacht ist.

Aus rechtlicher Sicht ist man aber zur deutlichen Kennzeichnung verpflichtet. Reicht der Hashtag #Ad da?

Wie so oft hinkt das Recht den neuen Medien hinterher. Es ist immer ein Rennen, es gibt immer die, die den rechtlichen Rahmen ausloten. Irgendwann wird es mal heißen, bis hier hin und nicht weiter, eine Adaptierung des Gesetzes kommen, und dann wird das Rennen von vorne losgehen.

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