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Uniqa Ventures: Wie eine 200 Jahre alte Versicherung das Geschäft mit Startups angeht

Sechs Investments, ein Exit und viele weitere Millionen Euro, die künftig in Startups fließen sollen: Österreichs zweitgrößte Versicherung, die Uniqa mit knapp zehn Millionen Kunden in Zentral- und Osteuropa, zeigt große Ambitionen in Sachen Investments in Jungunternehmen. 25 Millionen Euro hat die Tochter Uniqa Ventures seit kurzem zur Verfügung, um sie in aufstrebende Startups im InsurTech, FinTech oder Health-Bereich zu stecken. Zudem hat die Versicherung, die zum Teil der Raiffeisen gehört, Wiens größtem Startup-Hub weXelerate mit dem Design-Tower am Wiener Donaukanal als Vermieter eine Heimat gegeben und unterstützt auch andere Programme und Projekte wie den Impact Hub oder Female Founders.

Wir haben uns mit Andreas Nemeth, dem Chef von Uniqa Ventures getroffen und über seine Investment-Strategie, das Geschäft mit Startups in Osteuropa und den Mitbewerb in der österreichischen Gründerszene zu sprechen.

Trending Topics: Uniqa Ventures ist ein neuer großer Player in der österreichischen Startup-Szene, 25 Millionen Euro sollen in Startups investiert werden. Welche Strategie verfolgt ihr dabei?

Andreas Nemeth: Uniqa ist seit vielen Jahren im Startup-Bereich tätig. Wir sind seit 2003 zum Beispiel mit dem SMS Unwetterservice gemeinsam mit der Firma Ubimet in einer Kooperation, in der wir die aktive Zusammenarbeit mit Startups seit vielen Jahren leben. Wir haben im Pay-as-you-Drive-Bereich Telemetrie-Lösungen gemeinsam mit einem Startup seit zehn Jahren Erfahrungen gesammelt. Uniqa ist ein 200 Jahre altes Versicherungsunternehmen, das immer bewusst neue Wege gehen will, Innovationsführer im Versicherungsbereich sein möchte.

Vor zwei Jahren sind die ersten Überlegungen entstanden, im Rahmen der Innovations- und Investment-Strategie gezielt in Startups zu investieren. Wir machen das schon seit fast zwei Jahren und haben aus diesen ersten Erfahrungen – wir haben mittlerweile in sechs Startups ungefähr fünf Millionen Euro investiert – gelernt und gesagt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, einen weiteren Schritt zu setzen und Uniqa Ventures und das Team, das daran arbeitet, in eine eigene Gesellschaft auszulagern. Wir haben den Vorstand der Uniqa Insurance Group davon überzeugen können, als unser Single LP weitere 25 Millionen Euro in diese Gesellschaft zu investieren und damit den erfolgreichen Weg konsequent weiter zu gehen.

Wie schwer ist es, in einem 200 Jahre alten Corporate die Leute davon zu überzeugen, in Startups und möglicherweise in etwas zu investieren, das das eigene alte Geschäftsmodell disruptiert?

Uniqa ist nicht nur ein 200 Jahre altes Unternehmen, sondern auch ein erfolgreiches Unternehmen. Aber wir müssen auch in die Zukunft schauen, welche Bedürfnisse unsere Kunden im Jahr 2030 haben werden und welche Rolle Uniqa dann für diese bis dahin voraussichtlich weit mehr als zehn Millionen Kunden spielen möchte. Aus dieser Diskussion heraus ist im Unternehmen das Verständnis entstanden, dass wir hier bewusst in neue, disruptive und nicht immer traditionelle Versicherungskonzepte investieren. Wir wollen schrittweise innerhalb des Unternehmens aber auch durchaus radikaler denken, wenn es um Investitionen in Startups geht, um das Unternehmen vom reinen Anbieter von Versicherungsprodukten hin zum umfassenden Serviceprovider weiter entwickeln. Wir sind Dienstleister und müssen mit dem Kunden gehen. Die Kunden verändern sich, und wir müssen daran anschließen.

Höre ich da heraus, dass ihr nicht nur in InsurTech-Startups investieren werdet? Welchen Fokus bei den Investments gibt es?

Absolut. Uniqa ist ein führender Gesundheitsanbieter, wir sind in Österreich der größte Krankenversicherer mit über 46 Prozent Marktanteil und betreiben auch eigene Spitäler. Das Thema Gesundheit ist für uns ganz wichtig, und wir sehen große Veränderungen auf das Gesundheitswesen zukommen. Um von dieser Transformation profitieren zu können, muss man verstehen, wie Gesundheit in der Zukunft aussieht.

Das zweite Feld neben Gesundheit ist das Thema Mobilität. Auch hier gibt es große Veränderungen. Wir sind ein großer Kfz-Versicherer, betreuen Kunden in Österreich und Zentral- und Osteuropa. Die Kunden sind vorwiegend Privatpersonen, die ihre Privat-PKW versichern, aber auch Firmen, die ihren Fuhrpark versichern. Wir wissen auch, dass sich bis ins Jahr 2030 der Umgang mit dem Auto verändern wird: Kunden ihre PKW nicht mehr besitzen sondern benutzen, mieten, sharen wollen. Aus der Veränderung im Kundenverhalten, ergibt sich für uns die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen.

Im Rahmen der Pioneers-Konferenz wurde eine Kooperation von Uniqa Ventures mit Speedinvest und Elevator Ventures unter dem Namen Speedinvest f angekündigt – ein nicht ganz einfach zu verstehendes Konstrukt. Kannst du uns erklären, wie funktioniert es?

Neben den Direktbeteiligungen, die Uniqa Ventures tätigt, investieren wir auch in Fonds und sind gemeinsam mit der Raiffeisen Bank International, einem langjähriger Partner von uns, übereingekommen, im FinTech Bereich einen gemeinsamen Weg zu gehen. Mit Speedinvest haben wir einen sehr erfahrenen Venture-Capital-Partner gefunden, mit dem wir alle gemeinsam 50 Millionen Euro investieren wollen. Wir glauben, dass hier Partner zusammenkommen und jeder seine individuellen Stärken einbringen kann. Zum Beispiel können unsere Häuser den Startups, im sehr regulierten Finanzdienstleistungsbereich unser Branchen-Know-how und den Zugang zu Millionen Kunden in CEE bieten.

Wie funktioniert die angesprochene Kooperation mit Elevator Ventures der RBI? Man könnte auch meinen, dass es eine Konkurrenzsituation gibt, da beide in FinTechs investieren wollen.

Mit Raiffeisen gibt es eine langjährige, sehr erfolgreiche Zusammenarbeit, die sich in den letzten Jahren auch im Startup-Bereich gezeigt hat. Unser CEO Andreas Brandstetter ist einer der Mentoren des Elevator Labs und wir glauben, dass der RBI damit ein besonders gutes Accelerator-Programm im Finanzdienstleistungsbereich gelungen ist, das nicht nur in Österreich, sondern mit den Netzwerkbanken in Zentral- und Osteuropa dieselbe geografische Ausrichtung hat wie Uniqa. Wir sind zum Schluss gekommen, dass man – um internationales Niveau anbieten zu können – besser zusammen arbeitet und gemeinsam besser vorankommt. Weswegen wollen wir die gute Zusammenarbeit mit RBI und Speedinvest noch einmal weiter intensivieren.

Die Konkurrenz eures Investment-Vehikels ist vielleicht nicht im Inland, aber im Ausland zu suchen. Es geht offenbar darum, viel in Mittel- und Osteuropa zu investieren. Wie kommt man von Wien heraus an die Startups heran?

Zentral- und Osteuropa ist absolut unser Fokus. Wir als Uniqa sind von der Slowakei bis Russland in der Region in 15 Ländern flächendeckend vertreten. Wir sind aber nicht nur auf diese Region eingeschränkt, wir sind auch bereit zu investieren, in Deutschland und anderen europäischen Ländern bis hin nach Israel. Ganz klar, das Startup-Ökosystem in Wien und in Osteuropa entwickelt sich dynamisch. Die Konkurrenz um diese Startups ist nicht zu unterschätzen. Auch US-amerikanische VCs sind dort unterwegs, scouten Talente, Founder, Startups, investieren in der Region und nehmen diese dann sehr rasch ins Valley mit. Wir stehen im direkten Wettbewerb mit ihnen.

Wir haben in Prag etwa in Twisto investiert, das Klarna von Tschechien. Der Founder hat gesagt: “Uniqa muss ich wenigstens nicht erklären, wo Prag liegt.” Internationale Investoren konzentrieren sich sehr stark auf Deutschland, UK und Westeuropa. Wir glauben, dass in Zentral- und Osteuropa wahnsinnig viel Talent zu finden ist und dass das Potenzial nur in der Region bleibt, wenn in der Region investiert wird. Mit den 50 Millionen, die wir gemeinsam mit Speedinvest f für Founder in Europa anbieten, wollen wir unseren Beitrag dazu leisten.

Ein großer Vorteil in Osteuropa gegenüber Westeuropa oder den USA ist, dass die Bewertungen von Startups nicht so hoch sind. Kann man dort günstiger investieren als anderswo?

Das ist sicher für VCs allgemein sehr spannend, vor allem wenn sie diese Teams dann von Osteuropa nach Westeuropa oder in die USA bringen. Wir stehen hier im globalen Wettbewerb, sehen US-amerikanische VCs, die nach Osteuropa kommen und versuchen, sich günstige Einstiegsmöglichkeiten zu sichern. Es ist derzeit viel Kapital auf Investitionssuche und es werden sehr hohe Preise gezahlt. Auch wir hatten bereits die Situation, dass wir Angebote gelegt haben und dann nicht zum Zug gekommen sind, weil höhere Bewertungen gezahlt wurden. Da ist es dann ganz wichtig, diszipliniert zu bleiben und nur nach wirtschaftlichen Kriterien vorangehen. Wir werden ja auch selbst an sehr harten finanziellen KPIs gemessen.

Kommen wir auf Österreich zurück. Hier hört man immer wieder, dass es nicht genug Startups gebe, in die man viel Geld stecken kann. Findet ihr genug österreichische Startups, die das Geld verdienen, das ihr ausgeben wollt?

Wir sind sehr froh über die Startup-Szene, die sich in den letzten Jahren hier in Wien sehr dynamisch entwickelt hat. Uns geht es einfach darum: Wir suchen gute Teams, spannende neue Geschäftsmodelle und dynamische Unternehmenspersönlichkeiten. Wir haben etwa bei Finabro die Situation, dass ein Däne nach Österreich gezogen ist und hier eine Firma gegründet hat. Dieser Mix ist sehr wichtig, auch für die Wiener Szene. Es ist uns wichtig, dass es eine lebendige Szene gibt und Gründer aus dem Ausland hierherkommen.

Wir wünschen uns viel mehr Female Founders. Eine unserer ersten Investitionen, ein estnisches Startup, hatte einen weiblichen CEO. Aber das ist trotzdem immer noch sehr selten, von Frauen geführte Unternehmen zu finden. Wir unterstützen auch Female Founders, eine Initiative, die im weXelerate angesiedelt ist.

Wie nimmst du die Wiener Szene wahr? Manche sehen eine Konkurrenzsituation zwischen verschiedenen Coworking-Spaces und Startup Hubs entstehen.

Man hört immer wieder diese Diskussionen. Ich freue mich, dass es in Wien mehrere Projekte gibt. Wir als Uniqa sind – was die Hubs und Coworking-Spaces betrifft – agnostisch und sind sehr froh darüber, dass es verschiedene Initiativen gibt. Wir sind bei weXelerate von Anfang an ein Corporate-Partner und haben als Vermieter weXelerate eine Heimat gegeben. Daneben sind wir auch sehr zufrieden mit unserer Zusammenarbeit mit INiTS, dem Inkubator der Stadt Wien und der Wiener Universitäten, wir unterstützen den Impact Hub und wir sind in gutem Austausch und in enger Zusammenarbeit mit Pioneers, die in einem neuen Projekt einziehen werden.

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