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Inside Back Market: Reparieren, aufpolieren, wiederverkaufen – ein Milliardenmarkt

© backmarket
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Der Zyklus, in dem neue Smartphones, Tablets und Laptops erscheinen, ist kurz. Das befeuert die Jagd der Konsumenten nach dem immer neuesten Gerät, lässt aber auch einen nachhaltigen Markt boomen: Mit wiederaufbereiteten Elektronikgeräten, sogenannten „refurbished devices“, werden in den kommenden Jahren Milliardenumsätze gemacht, schätzen Experten. Ein Anbieter, der den Trend sehr früh erkannt hat, ist das französische Startup Back Market, das mit mehr als zwei Millionen Kunden zum größten Refurbished-Marktplatz Europas gewachsen ist.

Angefangen hat alles 2014. Thibaud Hug de Larauze digitalisierte damals Kataloge von Händlern und brachte die Produkte auf große Marktplätze im Internet. Eines Tages war ein Refurbisher dabei, der seine generalüberholten Geräte auf eBay und Amazon anbieten wollte. „Daraus entwickelte sich eine große Idee: einen One-Stop-Shop zu bauen, der sich ausschließlich der wiederaufbereiteten Elektronik widmet, das Beste davon kuratiert und das Know-how und den Sinn, der diese Produkte von anderen unterscheidet und auszeichnet, zur Schau stellt“, teilte das Jungunternehmen Trending Topics mit. Gemeinsam mit zwei Freunden, Quentin Le Brouster und Vianney Vaute, gründete De Larauze noch 2014 Back Market.

Ein zweites Leben für ausrangierte Geräte

Mehr als 1.000 Refurbisher bieten ihre Geräte mittlerweile auf Back Market an. Im Online-Shop kann man wählen, in welchem Zustand ein Gerät sein soll. Die billigsten Devices haben vielleicht kleinere, sichtbare Dellen und feine Display-Kratzer, die man nicht mehr sieht, wenn der Bildschirm eingeschaltet ist. Bevor die Laptops, Smartphones und Tablets bei Back Market landen, wurden sie vielleicht vermietet, von Kunden zurückgegeben oder sie dienten auf Messen und Geschäften als Ausstellungsstücke oder sie wurden vielleicht einfach nur beim Transport beschädigt. Technisch sind die Geräte nach der Behandlung bei Partnerbetrieben laut Back Market alle einwandfrei – die Plattform gewährt daher auch 36 Monate Garantie.

Vor 2014 sei die Gerätekategorie noch eine wenig beachtete Nische gewesen und auch Garantie wurde keine angeboten. De Larauze hatte eine Produktionsstätte besucht: „Er war überrascht, dass er eine geheime Schatzkammer mit einzigartigen Geräten vorfand, die alle von Menschen mit enormem Know-how und Sachverstand überarbeitet und wieder neu gemacht wurden. Er fand es schade, dass die meisten Kunden nur wenig von diesen Produkten wissen, die auf dem Markt einfach als Gebrauchtgeräte eingestuft werden.“

Ein Stück vom Milliardenmarkt

Das hat sich heute geändert. Der Markt alleine für generalüberholte Smartphones soll laut IDC bis 2023 auf 67 Milliarden Dollar anschwellen. Schon jetzt werden jährlich weltweit hunderttausende gebrauchte und aufpolierte Smartphones verkauft. Und Back Market mischt weit vorne mit.

1,8 Millionen Kunden haben sich hier in den ersten vier Jahren nach dem Start 2014 ein gebrauchtes Gerät gekauft. 2018 hat das Geschäftsvolumen laut Libaud 230 Millionen Euro ausgemacht. Das Unternehmen behält sich von jedem verkauften Gerät eine Provision ein. Für Back Market sind die USA, Frankreich und Deutschland die wichtigsten Märkte – verkauft wird derzeit außerdem in Spanien, Italien und Belgien. Im März folgte der Start in Großbritannien und die Expansion in Europa soll rasch voranschreiten – auch nach Österreich. Für die Eroberung neuer Märkte hatte sich das Startup 2018 41 Millionen Euro von Investoren geholt.

Billig und nachhaltig – eine seltene Kombination

Der Trend zum Gebraucht-Gerät hat verschiedene Gründe. Einerseits sind die Geräte wesentlich günstiger als neue Smartphones, Tablets, Laptops oder etwa Staubsauger. Und es gibt dank kurzer Produktzyklen auch relativ neue Modelle. Ein Beispiel: Das iPhone XS kostet je nach Händler neu zwischen 700 Euro und 1.000 Euro. Bei Back Market ist es ab rund 490 Euro erhältlich – wenn man mit leichten Gebrauchsspuren leben kann. „Wie neu“ gibt es Angebote ab 570 Euro.

Der günstigere Preis ist aber nicht die einzige Motivation der wachsenden Käuferschar: Es ist auch der Trend zu nachhaltigerem Konsum. „Der Ansatz ist ökologisch, da die Aufarbeitung einem Produkt ein zweites Leben verleiht, ohne die Herstellungsphase, die Hauptquelle der CO2-Emissionen, zu durchlaufen“, so das Startup. Dank Back Market seien seit dem Start fast 1.800 Tonnen Elektronikschrott vermieden worden, 72 Megatonnen an Rohstoffen gespart und 100.000 Bäume gepflanzt worden.

„Die Kombination aus günstigem Preis und Nachhaltigkeit ist extrem selten. Alleine, wenn man an faire Kleidung denkt, oder Fair-Trade-Kaffee oder E-Autos – die meisten Dinge, die nachhaltig sind, sind teurer“, sagte Peter Windischhofer in einem Interview mit Tech & Nature. Windischhofer ist Mitbegründer des österreichischen Startups Refurbed. Das Jungunternehmen betreibt seit 2017 einen Marktplatz für Refurbished Devices und hat sich erst kürzlich ein Investment über 15,6 Millionen Euro für die weitere Expansion gesichert. 150.000 Kunden zählt die Plattform in ganz Europa.

Hersteller reparieren ihre eigenen Geräte

Es gibt einige Unternehmen, die von dem Milliardenkuchen des Refurbished-Marktes ein Stück haben wollen. Der weltweit größte Fisch im Teich ist Amazon selbst. Seit 2016 bietet der Online-Handels-Riese Geräte von Refurbishern mit Amazon-Zertifizierung unter dem Titel „Amazon Renewed“ an.

Immer mehr Hersteller springen ebenfalls auf den Zug auf. Manche haben schon lange eigene Refurbished-Programme, wie etwa Apple. Andere verkaufen von ihnen selbst wieder aufbereitete Geräte über Plattformen wie Amazon oder Back Market. „Sie erkennen, dass sie das zweite Leben der von ihnen hergestellten neuen Produkte nicht mehr ignorieren können“, erklärt das Jungunternehmen. „Tatsächlich schließen sich uns immer mehr von ihnen an, und sie verkaufen die von ihnen selbst neu verpackten Produkte auf Back Market weiter. Das ist bereits bei Dyson, Apple, Devialet und sogar Marshall der Fall“.

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