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Innophore: Grazer BioTech-Startup sucht für China nach Wirkstoff gegen den Coronavirus

"Bioinformatische Prozesse" am Screen. © Andreas Schlesinger
"Bioinformatische Prozesse" am Screen. © Andreas Schlesinger

Das Coronavirus hält die Gesundheitsorganisationen in Atem. Der neuartige Virus, von der WHO mit dem Kürzel „2019-nCoV“ bezeichnet, hat nach Infektionen weltweit für mehr als 100 Todesfälle gesorgt. Ausgehend von der Region Wuhan in China hat es Infektionsfälle auch in anderen Ländern wie Frankreich, Deutschland oder den USA gegeben, Verdachtsfälle gibt es mittlerweile auch in Österreich. Am Flughafen Wien Schwechat gilt eine erhöhte Aufmerksamkeit. Auch wenn viele Experten darauf hinweisen, dass der neuartige Virus, ein Verwandter des MERS- und des SARS-Coronavirus, weniger gefährlich ist als die Grippe, findet derzeit eine fieberhafte Suche nach einem Gegenmittel statt.

Suchmaschine für Wirkstoffe

In diese Suche hat sich nun auch das Grazer Biotech-Unternehmen Innophore eingeschaltet. Wie es seitens der Jungfirma heißt, forscht es für das „Chinese Center for Disease Control and Prevention“ an Molekülen, die Teile des Virus binden und es unschädlich machen sollen. Man hätte in kurzer Zeit bereits „für andere Viren bewilligte Wirkstoffe“ ausfindig gemacht, die das Coronavirus theoretisch bekämpfen könnten. Die Forschung an einem Wirkstoff findet dabei am Computer statt, und zwar mit der so genannten Catalaphore-Plattform. Dabei handelt es sich um eine Art Suchmaschine, bei der mittels Algorithmen und Big Data Enzyme und Wirkstoffe schnell und kostengünstig gefunden werden können. Das soll viel schneller gehen als im Labor.

Innophore-Geschäftsführer Christian Gruber. © Regine Schoettl
Innophore-Geschäftsführer Christian Gruber. © Regine Schoettl

Bei Innophore haben sich die Ereignisse in den letzten Tagen überschlagen. „Aus Eigeninitiative heraus haben wir im wenige Stunden zuvor veröffentlichten Genom des Coronavirus 2019-nCoV nach einem der Schlüsselenzyme dieser Virenklasse gesucht und sind fündig geworden“, so Christian Gruber, Geschäftsführer des 11-köpfigen Jungunternehmens. „Basierend darauf machten wir mit unserer Technologie bekannte und für andere Viren bewilligte Wirkstoffe ausfindig, die das Coronavirus theoretisch bekämpfen könnten. In Forschungskreisen nennt sich das ‚Drug Repurposing‘ oder ‚Drug Repositioning‘ – das Finden von bereits bewilligten Arzneimitteln für neue pharmazeutische Zwecke. Nachdem wir diese Forschungsergebnisse veröffentlichten, haben sie sich innerhalb kürzester Zeit verselbstständigt und ich wurde von einer Führungsperson eines großen Pharmakonzerns in Peking kontaktiert.“

Spin-off der Uni Graz

Nun geht es laut Gruber darum, ob der theoretisch gefundene Wirkstoff auch in der Praxis funktioniert. Dazu arbeite man mit Bioinformatikern eines pharmazeutischen Unternehmens in Peking und dem „Chinese Center for Disease Control and Prevention“ zusammen. Ob der von Innophore ermittelte und empfohlene Wirkstoff tatsächlich die gewünschte Wirkung gegen das Virus erzielt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Gelingt es tatsächlich, wäre das ein ziemlich großer Erfolg für das Spin-off der Karl-Franzens-Universität und des Austrian Centre of Industrial Biotechnoloy (ACIB).

Gegründet wurde Innophore 2017 von den Doktoren Christian Gruber und Georg Steinkeller sowie von Universitätsprofessor Karl Gruber. Mittlerweile gehören rund 60 Prozent des jungen Unternehmens dem strategischen Investor EOSS Industries. EOSS investiert eigenen angaben zufolge  Startup-Projekte und Spin-Offs und verfolgt dabei eine „strikt unternehmerische Investment-Strategie“. „In unseren Joint Ventures mit Ideengebern, Unternehmern und Managern treten wir nicht als Financiers auf, sondern als Co-Unternehmer und bieten ein höchst effektives Ökosystem. Reale Kundenprojekte und kontinuierliche Innovations-Prozesse bilden die Basis für nachhaltige Entwicklung“, heißt es seitens dem Mehrheitseigentümer.

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