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Inflation wird zum großen Verkaufsargument für Kryptowährungen

© Sajad Nori on Unsplash
© Sajad Nori on Unsplash

Fünf Prozent in den USA, Richtung zwei Prozent im Euroraum, in Ländern wie Deutschland und Österreich deutlich über zwei Prozent, steigende Erzeugerpreise in China: Die Angst vor einer stark steigenden Inflation und damit Entwertung des Geldes greift wieder um sich. Während die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Zeitbombe (kurz „Fed“) noch nicht mit dem gängigen Gegenmittel, der Anhebung der Leitzinsen, reagieren wollen, warnen Ökonomen bereits vor einer „Zeitbombe„.

Ob die erhöhte Inflation nur zeitweilig ist und wieder zurückgeht oder gegen Ende des Jahres noch stärker steigen wird, bleibt abzuwarten – und hängt auch stark von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, der Bekämpfung der Pandemie-Folgen und der Geldpolitik in den großen Wirtschaftsräumen ab. Derweil ist aber bereits wahrzunehmen, dass die Inflation von Unternehmen bereits als Verkaufsargument für Kryptowährungen und Aktien verwendet wird.

„Absicherung gegen die Inflation der Fiat-Währungen“

Nachdem die Preise von Bitcoin und Ethereum rund um den Börsengang von Coinbase im April ihren bisherigen Zenith erreichten, starte in Folge auch die Aktie des führenden US-Kryptohänders sehr stark – und verlor dann bis heute nahezu ein Drittel seines Werts. Um gegenzusteuern, hat Coinbase einen eigenen Blog gestartet, in dem man die Nutzer von der eigenen Sicht auf die Dinge überzeugen möchte (Trending Topics berichtete).

Und dort geht es, nachdem vergangene Woche vermehrt die Inflation zum Thema in den Medien wurde, nun auch um – die Inflation. Coinbase bezeichnet Bitcoin darin „zu einer immer beliebter werdenden Absicherung gegen die Inflation der Fiat-Währungen“. Das börsennotierte Unternehmen folgt damit MicroStrategy-CEO Michael Saylor (a.k.a. der Oberprediger der Bitcoin-Community) in der Argumentationslinie, dass Bitcoin-Investments vor dem Wertverfall von Fiatgeld schützen würde.

„Da die meisten Ökonomen der Meinung sind, dass ein gewisses Inflationsniveau gut für die Wirtschaft ist, hat die US-Regierung beispielsweise jahrzehntelang mehr Geld gedruckt, als die Konsumenten brauchen. Das ist der Grund dafür, dass eine Coca Cola vor einem halben Jahrhundert fünf Cent kostete und heute mehrere Dollar. 

Im Gegensatz dazu ist der Bitcoin-Wert viel schneller gestiegen, als der US-Dollar an Wert verloren hat – Bitcoin ist von völlig wertlos im Jahr 2010 auf mehr als 20.000 USD im Jahr 2020 gestiegen. (Da der Markt sehr volatil ist, hat Bitcoin auch dramatische Aufwärts- und Abwärtsbewegungen erlebt, doch die Trendlinie war im Laufe der Zeit immer nach oben gerichtet.) Dies hat Bitcoin zu einer immer beliebter werdenden Absicherung gegen die Inflation der Fiat-Währungen gemacht.“

Was Coinbase auslässt, sind die harten Preisschwankungen, denen Kryptowährungen seit jeher unterliegen, und gerade kurzfristigen Investoren und Day-Tradern viel Geld gekostet haben – Inflation hin oder her. „Wäre Bitcoin eine reale Währung, müssten die Menschen in diesem Währungsraum mit einer unberechenbaren Abfolge von Hyperinflation und Hyperdeflation leben. Das wäre der Tod jeder Wirtschaftsaktivität“, sagte etwa der Krypto-Experte Beat Weber von der Österreichischen Nationalbank kürzlich zu Trending Topics.

Angst vor Inflation: Big Money kauft den Bitcoin-Markt leer

Das Inflationsargument hat über die Krypto-Welt hinaus Einzug in die Fintech-Branche gehalten. Überall dort, wo es um Investments geht, wird es als Grund angeführt, warum man sein Geld anlegen sollte. Egal ob Scalable Capital, Trade Republic oder BUX – allerortens hört man, dass es besser sei, sein Geld in Aktien, ETFs oder Kryptowährungen zu investieren, als es am Sparbuch zu belassen.

Was aus 1.000 Euro werden kann

Inflationsraten klingen mit 1,2 oder 3 Prozent meistens sehr niedrig, haben aufs Jahr gesehen aber dann doch ordentliche Auswirkungen auf den Wert von Geld so mindert sich der Wert von 1.000 Euro innerhalb eines Jahres:

  • Inflationsrate von 1,5 Prozent: Aus 1.000 Euro werden 985,22 Euro
  • Inflationsrate von 2 Prozent: Aus 1.000 Euro werden 980,39 Euro
  • Inflationsrate von 4 Prozent: Aus 1.000 Euro werden 961,54 Euro
  • Inflationsrate von 5 Prozent: Aus 1.000 Euro werden 952,38 Euro

Dem gegenüber stehen die starken Zuwachsraten von Bitcoin oder Ethereum. BTC ist innerhalb eines Jahres um 315 Prozent (von 9.500 auf etwa 39.000 Dollar) gewachsen, ETH sogar um 965 Prozent (von 235 auf etwa 2.500 Dollar). Auch wenn Krypto-Assets natürlich hochvolatil sind, zeigt sich bisher, dass sie über Zeit sehr viel stärker wachsen als alle anderen Assets. Auch wenn es Crashs gibt, je länger man dabei ist, desto mehr Zuwächse gab es bisher für Anleger. Um zu profitieren, braucht man aber auch eine starken Magen und muss sein investiertes Kapital lange binden („hodeln“).

Wer Anfang des Jahres 1.000 Euro in verschiedene Krypto-Assets investiert hat, der hat so viel daraus gemacht – vorausgesetzt, er realisiert den Gewinn und wechselt zurück in Fiat. Wer weiter Krypto hält, fährt natürlich die Kurs-Achterbahn weiter mit. Jedenfalls:

  • 1.000 Euro in BTC werden 1.350 Euro (Stand 14. Juni)
  • 1.000 Euro in ETH werden 3.420 Euro (Stand 14. Juni)
  • 1.000 Euro in DOGE werden 57.910 Euro (Stand 14. Juni)

Wer wiederum in Aktien investiert hat, der ist natürlich von der jeweiligen Performance des Titels abhängig. Hier vier Beispiele, die 2021 besonders populär waren und sind – und die zeigen, wie unkontrolliert steil es nach oben oder unten gehen kann.

  • Tesla: ca. -14 Prozent seit Jahresbeginn
  • Volkswagen: ca. +74 Prozent seit Jahresbeginn
  • Coinbase: ca. -32 Prozent seit Handelsstart im April
  • GameStop: ca. +1.139 Prozent seit Jahresbeginn

Kurz zum persönlichen Gegencheck: Passt das zum Ruf der jeweiligen Aktie bzw. des jeweiligen Unternehmens? Möglicherweise nicht. Dementsprechend riskant ist auch das so genannte Stock Picking, also das Investieren in Einzelaktien. Viele Experten raten deswegen, lieber in ETFs zu investieren, in denen die Aktien vieler verschiedener Unternehmen (z.B. nach Industrie, Region) gebündelt sind und so das Risiko gestreut wird.

Unterm Strich gilt also wie immer: Investiert werden sollte nur, was man auch bereit ist zu verlieren. Auch wenn Bitcoin und Trading-Apps gerne und immer öfter als die neuen Sparbücher dargestellt werden, sind gerade sie mit großen Risiken verbunden und unterliegen größeren Preisschwankungen als die meisten Fiatwährungen. Dementsprechend gilt vor dem Investieren wo auch immer: Do your own research!

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