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Teuerungswelle

Inflation in USA und Europa steigt auf höchsten Wert seit 13 Jahren

© Imelda on Unsplash
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Diese zehn Euro da, wie viel werden die in ein paar Monaten noch wert sein? Angesichts der weiter steigenden Inflation im Euro-Raum und den USA kann man sagen: auf jeden Fall weniger als zehn Euro. So ist heute bekannt geworden, dass die Inflation in den Vereinigten Staaten im September auf 5,4 Prozent geklettert ist – das ist der höchste Wert seit 13 Jahren. Das bedeutet auch, dass die Inflation höher ist als vor der Finanzkrise.

Auch in Europa sieht es kaum besser aus. Das Statistische Bundesamt in Deutschland meldete am Mittwoch einen Monatsanstieg um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das ist damit der höchste Wert seit nunmehr 28 Jahren. In Österreich lag die Inflationsrate im September auf 3,2 Prozent, im Euro-Raum beträgt sie im Schnitt 3,4 Prozent und liegt damit auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren. Klar tragen Effekte wie ein sehr niedriger Rohölpreis im Krisenjahr 2020 eine eine dadurch umso höhere Steigerung im Jahresvergleich zu diesen Werten bei – klar ist aber auch: Die Inflation ist hartnäckiger also so manche Beobachter und Experten das voraussagten.

Für Konsumenten droht eine weitere Teuerung von Mieten, Energiepreisen, Waren- und Dienstleistungspreisen. Die hohe Inflationsrate ist auch hinsichtlich der Steuerreform in Österreich wichtig. So spricht die Regierung zwar von der „größten Steuerentlastung der 2. Republik“, jedoch ist die kalte Progression ein entscheidender Faktor. „Im Rennen gegen die Inflation haben die Steuerzahler keine Chance, solange die kalte Progression ihr Unwesen treibt. Sie entsteht, weil der Staat die Beträge, ab denen die jeweiligen Steuersätze greifen, nicht an die Inflation anpasst. Dasselbe gilt für die Absetzbeträge. Auf diese Art und Weise besteuert der Staat die Inflation“, heißt es seitens Agenda Austria, einem liberalen Think-Tank.

„Markanter Anstieg der Rohölpreise“

„Der Inflationsanstieg im bisherigen Jahresverlauf 2021 ist größtenteils auf den markanten Anstieg der Rohölpreise und damit auf die Energiekomponente im HVPI (Harmonisierter Verbraucher Preis Index, Anm.) zurückzuführen“, heißt es in einer Analyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). „Seit Jahresbeginn stiegen jedoch nicht nur die Energiepreise, sondern auch die Preise vieler nichtenergetischer Rohstoffe deutlich. Dies spiegelte sich in den letzten Monaten auch zunehmend in den steigenden Endverbraucherpreisen nichtenergetischer Industriegüter wider. Zusätzlicher Preisdruck – insbesondere bei langlebigen Konsumgütern – ging zudem von Lieferengpässen sowie Unterbrechungen der Transportketten aus.“

Während in den USA bereits geldpolitisch auf die Bremse gestiegen wird, sieht man bei der Europäischen Zentralbank (EZB) offenbar noch keinen Handlungsbedarf. „Der Auslöser für geldpolitisches Handeln ist nicht vorhanden“, sagte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane vor kurzem. Währenddessen werden aber immer mehr Stimmen laut, die auf die 1970er Jahre verweisen und lautstark warnen.

Delta-Virus nährt eine drohende Stagflation

Krypto-Markt zieht nach dem Sommer wieder an

Am Krypto-Markt drückt sich die wiederkehrende Angst vor der Inflation – gemeinhin einer der Hauptgründe für Krypto-Investments – deutlich aus. Gab es im Sommer einen (verhältnismäßigen) Durchhänger, schrauben sich die Preise für Coins und Tokens seit Anfang Oktober wieder auf neue Höhen. Die Marktkapitalisierung von Krypto-Assets ist insgesamt bald wieder zurück bei zwei Billionen Euro. Zuletzt war das über eine längere Periode im Mai, bevor China und Musk Bitcoin und Co crashen ließen, der Fall.

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Stagflation = Inflation + Stagnation

Was die steigende Inflation besonders gefährlich macht, ist die Kombination mit einem schwachen bzw. stagnierenden Wirtschaftswachstum – gemeinhin unter dem Schlagwort „Stagflation“ bekannt. Zwar gibt es seit dem Abschwächen der COVID-Krise wieder starkes Wirtschaftswachstum (v.a. im Verhältnis zum Krisenjahr 2020), aber auch der britische Economist weist auf stark steigende Energiepreise und eine abschwächende Wirtschaftserholung hin.

Besonders hart trifft das ärmere Bevölkerungsschichten, natürlich auch und vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, die stark steigenden Energie- und Konsumpreisen natürlich besonders ausgesetzt sind, wenn Währungen durch Inflation verfallen. Auch in Österreich und Deutschland warnen vor allem Parteien aus dem linken Spektrum sowie Arbeitnehmervertreter vor der Inflation und den Energiepreisen. Währenddessen haben jene Online-Dienste und Trading-Apps, die alternative Investments in Aktien, ETFs, Kryptowährungen oder Gold anbieten, weiter regen Zulauf – zumindest bei jenen, die sich solche Investments leisten können.

Chefökonom Börsch: „Inflation ist auch sozial einigermaßen ungerecht“

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