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Industrie-Wärmepumpen sind dank Klimawandel ein Crowdinvesting-Hit in Österreich

Das Team von Ecop Technologies © Ecop
Das Team von Ecop Technologies © Ecop

Trocknen, Destillieren, Eindampfen, Pasteurisieren, Backen, Reinigen oder Schmelzen: In Österreich wird ein großer Teil der in Industriebetrieben eingesetzten Energie für Wärmeanwendungen verwendet. Dabei entstehen große Mengen an Abwärme, die oft nicht weiterverwendet werden. Hier schlummert ein enormes Potenzial zur Einsparung von Energie- und Treibhausgasen. Mit Abwärme könnte man Gebäude heizen, Warmwasser aufbereiten oder Strom erzeugen. Der Schlüssel dazu sind Wärmepumpen.

Mit Wärmepumpen gibt es aber Probleme: Die derzeitige Technologie funktioniert nur bis zu Temperaturen von etwa 100 Grad Celsius. In der Industrie werden nicht selten noch höhere Temperaturen benötigt. Herkömmliche Wärmepumpen setzten außerdem auf Kältemittel, die ein hohes Treibhausgaspotenzial haben und nur für eine bestimmte Temperatur geeignet sind. Für jede Anwendung mit unterschiedlichem Temperaturniveau ist also ein anderes Kältemittel notwendig.

„Irgendwann entweicht Kältemittel“

„Die Wärmepumpe gilt als eine der Schlüsseltechnologien für die Energiewende“, erklärt Bernhard Adler, der mit seinem oberösterreichischen Unternehmen Ecop Technologies innovative Wärmepumpen produziert. „Ich stecke wenig Energie hinein und bekomme mehr Wärme heraus. Üblicherweise in einem Verhältnis 1:4. Damit lässt sich also sehr gut Energie einsparen“.  Aber: „Nichts ist dicht auf dieser Welt. Irgendwann entweicht Kältemittel, die Frage ist nur, wie lange es braucht“.

Umweltfreundlicher und flexibler

Adlers Wärmepumpe funktioniert anders. Ecop hat eine „Rotation Heat Pump“ entwickelt, die statt des herkömmlichen Zwei-Phasen-Prozesses auf den sogenannten Joule-Prozess setzt. „Der Prozess ist rein gasförmig. Wir setzen Gase ein, die aus der Luft gewonnen werden – wenn die entweichen, gehen sie also dorthin, wo sie gewonnen wurden. Sie haben kein Treibhausgaspotenzial und sind nicht giftig“, erklärt der Unternehmer.

Der Joule-Prozess ist nicht neu, bisher scheiterte der Einsatz aber am Verdichtungsprozess. „Wir lassen wirklich den gesamten Prozess rotieren, inklusive der Wärmetauscher. Dadurch können wir mit relativ niedrigen Relativgeschwindigkeiten im System strömen, wobei sehr geringe Verluste auftreten. Wir haben also die bisher nicht mögliche Effizienz in diesem Prozess möglich gemacht“. Die „Rotation Heat Pump“ ist auch flexibler als bisherige Lösungen. „Ich kann mit ein und derselben Maschine im Temperaturbereich zwischen -20 und +150 Grad Celsius arbeiten. Das war vorher undenkbar“.

Die Liebe zur Thermodynamik

Adler brennt für seine Idee. „Man muss seinen Pitch noch beim hundertsten Mal mit dem notwendigen Enthusiasmus herüberbringen“, weiß der Jungunternehmer und man hat keinen Moment den Eindruck, dass ihm das schwer fallen würde. Schon als Teenager hat er sich mit Thermodynamik auseinandergesetzt. Damals hat er als HTL-Schüler und später als Maschinenbau-Student nebenbei bei der Firma Linde in der Forschung und Entwicklung gearbeitet. Es ging um Wasserstoffverdichter und Adler saß vor aufwändigen Excel-Tabellen, um numerische Simulationen durchzuführen.

In dieser Zeit entstanden auch einige neue Ideen und zehn davon konnte Linde als Patent anmelden. „Wenn man da einmal Blut geleckt hat, kann man das nicht mehr stoppen“, sagt Adler. 2006 hatte er erstmals die Idee zu einer innovativen Wärmepumpe, ein Jahr später hat er gegründet und hat mit Fördergeldern und Hilfe der TU Wien an der Technologie geforscht. Fast zehn Jahre später war sie fertig, die 15 Tonnen schwere 700-KW-Rotations-Wärmepumpe, die ungefähr 100 bis 150 Einfamilienhäuser heizen könnte.

Erfolg bei Crowdinvestoren

Das Interesse aus der Industrie sei groß, sagt Adler. 20 bis 25 ganz konkrete Projekte habe Ecop bereits in Aussicht und die erste Pumpe, die Anfang des Jahres die Serienproduktion verlassen hat, ist bereits bei einem Kunden installiert. Derzeit liegt die Kapazität der Produktion bei etwa 30 Pumpen pro Jahr. Leider sei der Beschaffungsprozess bei Kunden ein sehr langer, der manchmal bis zu zwei Jahre dauere. Deshalb hat sich Ecop Kapital besorgt, um in die Serienproduktion gehen zu können und zwar auf einem nach wie vor bei KMU wenig verbreiteten Weg. Seit mehr als sechs Wochen läuft eine Finanzierungskampagne auf der Crowdinvesting-Plattform Green Rocket.

Der Wärmepumpenhersteller hat das eigene Ziel bereits um ein Vielfaches übertroffen und mehr als 600.000 Euro eingesammelt. Damit ist Ecop auch das einzige Nicht-Immobilien-Projekt in den Top 15 der Crowdinvesting-Kampagnen in Österreich. „Das große Thema Klimawandel kommt uns sicher zu gute. Für Wärme in der Industrie gibt es auch noch keine wirkliche Lösung. Es wird erst derzeit daran geforscht, das mit klassischen Wärmepumpen bereit zu stellen, wir können es aber jetzt schon“, erklärt sich Adler den Erfolg.

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