KSV1870

In den ersten Krisenwochen gibt es viel weniger (!) Firmenpleiten als sonst

© Photo by Ussama Azam on Unsplash
© Photo by Ussama Azam on Unsplash

Es ist doch etwas paradox: Während die Arbeitslosenzahlen wie berichtet explodiert sind und auf Rekordniveau seit 1946 liegen, ist die Zahl der Firmeninsolvenzen in den vergangenen Wochen nicht etwa nach oben geschossen, sondern sogar dramatisch gesunken. Das zeigen Zahlen des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV1870). Das Unternehmen erfasst regelmäßig die Zahlen zu Konkursen von Unternehmen in Österreich.

„Im Vergleich zu 2019, als hierzulande im Schnitt bei den Gerichten noch knapp 100 neue Unternehmensinsolvenzen pro Woche zu verzeichnen waren, sind es im Moment rund 50 Fälle pro Woche“, heißt es seitens Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. „Aktuell sehen wir bei der Zahl der Insolvenzanträge eine Delle. Zwar ist es auch jetzt möglich, Insolvenzanträge einzubringen, doch die Unternehmen halten sich momentan zurück und evaluieren, welche Möglichkeiten der Rettungsschirm für sie parat hat.“

Bündel an Gründen

Diese unerwartete Entwicklung hat mehrere Gründe. Denn Unternehmen überprüfen derzeit intensiv, ob und welche Möglichkeiten ihnen im Zuge des Corona-Hilfsfonds für finanzielle Unterstützung seitens des Staates geboten wird. Der Fonds ist mit 15 Milliarden Euro dotiert und sieht Garantien für Betriebsmittelkredite sowie Betriebskostenzuschüsse vor (Trending Topics berichtete). Außerdem gibt es weitere Faktoren, die zu der vorläufigen Entwicklung beitragen.

Die Österreichische Gesundheitskasse, die gemeinsam mit dem Finanzamt der größte Insolvenzantragsteller des Landes ist, wird in nächster Zeit keine Insolvenzanträge einbringen. Außerdem sind auch die Gerichte auf Notbetrieb herunter gefahren und können so derzeit gar keine Insolvenzverfahren behandeln.

Schließlich gibt es noch einen weiteren Grund. Normalerweise sind Unternehmen verpflichtet, innerhalb von 60 Tagen eine Insolvenz zu beantragen, wenn Insolvenzvoraussetzungen wie etwa Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegen und zudem eine positive Zukunftsprognose nicht möglich ist. Derzeit ist es aber überhaupt nicht möglich, eine positive Fortbestandsprognose zu machen – niemand weiß derzeit, wie sich die Lage in einem Monat oder darüber hinaus gestalten wird.

Am Freitag wurde im Parlament beschlossen, dass die Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung für Kapitalgesellschaften (also v.a. die GmbH) bis zum 30. Juni ausgesetzt wurde. „Dank dieser Maßnahme bleibt den gefährdeten Firmen in jedem Fall mehr Luft zum Atmen und mehr Zeit, um zu klären, ob eine Insolvenz aktuell tatsächlich der einzige Ausweg ist“, so Vybiral.

Deutlicher Zuwachs im Frühsommer erwartet

Das dicke Ende wird aber noch kommen, davon kann man ausgehen. Nur weil jetzt die Zahl der Insolvenzen stark sinkt, heißt das nicht, dass das so bleiben wird. „Zweifellos wird es aber ab dem Frühsommer zu einem deutlichen Zuwachs bei den Firmenpleiten kommen. Wie hoch dieser ausfallen wird, hängt auch stark davon ab, wann und wie rasch der heimische Wirtschaftsstandort wieder auf Normalbetrieb umstellen kann“, sagt Vybiral.

Um ein wenig Orientierung zu haben: Wegen der Finanzkrise im Jahr 2009 sind damals etwa 7.000 Unternehmen (plus 10 Prozent gegenüber 2008) in die Pleite gerutscht. Derzeit sind aber so gut wie alle Unternehmen, vor allem KMU, von der Krise betroffen. „Unternehmen müssen jetzt deutlich proaktiver agieren als noch vor wenigen Wochen. Dabei spielt die Transparenz gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und den eigenen Mitarbeitern eine zentrale Rolle“, so Vybiral.

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise