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Wirkstoffe und Impfungen: Die wichtigsten Projekte im Rennen gegen das Coronavirus

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Mitte Jänner haben chinesische Wissenschaftler das Genom des Coronavirus SARS-CoV-2 entschlüsselt und die Informationen veröffentlicht. Seither läuft weltweit ein Rennen um Medikamente gegen die Viruserkrankung Covid-19: Wirkstoffe, um bereits Erkrankte zu behandeln und Impfstoffe, um Neuerkrankungen zu verhindern. Trending Topics bietet einen Überblick über die wichtigsten Forschungsprojekte und klinischen Studien. 

Auf der Suche nach Wirkstoffen gegen Covid-19

Innophore simuliert Millionen Wirkstoff-Tests

Grazer Forscher haben eine Art Wirkstoff-Suchmaschine für das Coronavirus mitentwickelt. Die Basis des Verfahrens stammt von der Harvard University, die nun gemeinsam mit der Uni Graz, dem Forschungszentrum acib und dem Grazer Biotech-Startup Innophore ein Forschungsprojekt gestartet hat. Das Ziel: Millionen zugelassener Wirkstoffe auf ihre Wirksamkeit gegen die vom Virus SARS-CoV-2 verursachte Krankheit Covid-19 zu testen. Dieser Test passiert rein virtuell über eine Simulation, für die Supercomputer und unlimitierte Rechenleistung aus der Google-Cloud zum Einsatz kommt. Ein ähnliches Projekt läuft auch an der Universität Basel. 

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Josef Penningers Apeiron testet in China

Der bekannte Genetiker Josef Penninger hat mit seinem Wiener Biotech-Unternehmen einen vielversprechenden Wirkstoff entwickelt, der gerade in einer Studie getestet wird. 24 Patienten werden im Rahmen der Studie in China mit dem Wirkstoff APN01 behandelt – an dem Projekt sind neben Apeiron Forschungsteams aus Österreich, China und Kanada beteiligt. APN01 setzt auf das Enzym rhACE2, das bereits 2005 als Rezeptor bei SARS-Infektionen identifiziert wurde. Das Medikament soll die Schädigung der Lunge im Zuge der Infektion eindämmen und so ein Organversagen verhindern. 

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Europa und die WHO: Discovery und Solidarity

Es gibt auch internationale Großprojekte zur Suche nach Wirkstoffen zur Behandlung von Coronavirus-Patienten. In Europa läuft unter dem Titel “Discovery” gerade eine Testreihe mit jenen Wirkstoffen, die Forscher international als am vielversprechendsten betrachten: Remdesivir, Lopinavir und Ritonavir alleine oder in Kombination mit den Wirkstoffen Interferon Beta und Hydroxychloroquin. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe die üblicherweise entweder bei Viruserkrankungen wie Ebola oder zur Behandlung von HIV-Patienten eingesetzt werden. Das Discovery-Projekt testet diese Mittel unter der Leitung von Frankreich an rund 3.200 Patienten in Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien. 

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein internationales Projekt gestartet. Unter dem Titel Solidarity sollen dieselben Medikamente an mehreren tausend Patienten weltweit getestet werden. Dem “Solidarity Trial” schließen sich immer mehr Länder an – zu Beginn waren es die Schweiz, Frankreich, Norwegen, Kanada, Argentinien, Bahrain, Iran, Südafrika und Thailand. 

Pakt der Pharmakonzerne

Eine Gruppe von internationalen Pharma- und Gesundheitsunternehmen haben sich im Kampf gegen das Coronavirus zusammengeschlossen. Sie teilen untereinander Informationen, die bei der Suche nach Wirkstoffen für Coronavirus-Patienten helfen können. Begründet wurde die Gemeinschaft von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis, angeschlossen haben sich unter anderem BD, bioMérieux, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Eisai, Eli Lilly, Gilead, GSK, Johnson & Johnson, Merck, Pfizer und Sanofi. In einem ersten Schritt werden Datenbanken zu Molekülverbindungen geteilt. Die Informationen werden auch einem Accelerator für Covid-19-Wirkstoff-Projekte der Gates Foundation des Microsoft-Gründers Bill Gates und seiner Frau Melinda zur Verfügung gestellt. 

Regeneron und Sanofi testen in den USA

Natürlich legen sich auch einzelne Pharmakonzerne beim Rennen um Wirkstoffe und Impfstoffe gegen das Coronavirus in Zeug. In den USA testen Sanofi und Regeneron das zugelassene Medikament Sarilumab auf seine Wirksamkeit gegen das die Infektion Covid-19. Die Unternehmen versprechen sich eine Linderung der Entzündungsreaktion und damit eine geringere Belastung der Lunge. In den USA wird eine klinische Studie an rund 400 Patienten durchgeführt. Sanofi testet außerdem das Malaria-Medikament Plaquenil.  

Heidelberg Pharma und Red Hill Biopharma

Das israelische Pharmaunternehmen Red Hill Biopharma will in einer klinischen Studie herausfinden, ob zwei Wirkstoffe, die eigentlich für einen Einsatz bei Krebspatienten vorgesehen sind, gegen die Lungenkrankheit Covid-19 helfen. Opaganib ist in den USA bereits zur Behandlung von Gallengangskarzinomen zugelassen und der Wirkstoff RHB-107 wurde in klinischen Studien bereits an Patienten mit Bauspeicheldrüsenkrebs und Brustkrebs getestet. RHB-107 stammt von dem kleinen deutschen Pharma-Unternehmen Heidelberg Pharma, dessen Aktienkurs deshalb in den letzten Wochen eine Kurs-Ralley hinlegte.   

Das Rennen um einen Impfstoff

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO laufen derzeit weltweit mehr als 40 Projekte zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus.

Deutsches Primatenzentrum Göttingen

Deutsche Forscher suchen nach einer Möglichkeit, das Eindringen des Virus in Körperzellen zu verhindern. Dazu führen sie gerade Tests mit einem in Japan zugelassenem Medikament durch: Camostad Mesilate. Bisher konnten die Forscherteams des Primatenzentrums Göttingen, der Charité Berlin und der Ludwig-Maximilian-Universität München das allerdings nur im Labor an Zellkulturen nachweisen – eine klinische Studie ist noch ausständig.

CureVac aus Tübingen

Das deutsche Unternehmen CureVac hat in der Coronavirus-Krise international für Schlagzeilen gesorgt, weil ein Exklusivvertrag mit den USA oder gar eine Übernahme im Raum stand. Das hat die Firma allerdings zurückgewiesen, man wolle einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln. Im Unterschied zu vielen anderen Forschungsprojekten widmet sich CureVac also nicht der Behandlung von Virus-Erkrankten, sondern der Vorbeuge durch einen Impfstoff. Die EU stellt dem Unternehmen, das bisher Medikamente für Krebspatienten entwickelt hat, 80 Millionen Euro zur Verfügung, die nun in eine neue Produktionsanlage fließen sollen. Eine klinische Studie zu dem Impfstoff könnte noch heuer abgeschlossen sein. 

BioNTech aus Mainz

Mit BioNTech gibt es ein weiteres deutsches Biotech-Unternehmen, das auf der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 ist. Die Mainzer Firma machte bereits vergangenes Jahr Schlagzeilen, als die Gates Foundation mehr als 50 Millionen Dollar in BioNTech steckte, um dessen Forschung nach einer neuartigen Krebstherapie zu unterstützen. Mitte März hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass gemeinsam mit dem japanischen Pharmaunternehmen Fosun klinische Studien zu einer möglichen Coronavirus-Impfung mit dem Titel BNT162 durchgeführt werden sollen. Einen Zeithorizont für die Entwicklung haben die beiden Firmen bisher nicht bekannt gegeben. 

Inovio, Novavax und Moderna aus den USA

Mit Inovio, Novavax und Moderna sind auch drei US-Pharmafirmen im Rennen um einen Coronavirus-Impfstoff. Inovio hat dazu ebenfalls von der Bill & Melinda Gates Foundation 5 Millionen Dollar Unterstützung erhalten und entwickelt ein kleines Gerät, das die Impfung mit dem Medikament INO-4800 ermöglicht. INO-4800 soll in den USA in die klinische Studie der Phase 1 gehen. Ende des Jahres sollen Gerät und Impfstoff einsatzbereit sein. 

Im Mai oder Juni soll der Impfstoff von Novavax in die klinische Studie starten. In einem Interview gesteht der R&D-Chef von Novavax, Gregory Glenn, ein, dass die Entwicklungszeit von Impfstoffen üblicherweise bei acht bis zehn Jahren liege und im Fall von Ebola bei etwa vier Jahren lag. Dennoch ist er überzeugt, dass es auch schneller gehe, weil die Erfahrung, die man bisher gesammelt hat helfe, die Risiken besser einzuschätzen. 

Moderna Therapeutics testet seit vergangener Woche einen möglichen Impfstoff an 45 Studienteilnehmern. Um möglichst schnell reagieren zu können, wenn die ersten Tests positiv verlaufen, steht die Produktion des Impfstoffes bereits in den Startlöchern. Wenn die ersten Testpersonen keine dramatischen Nebenwirkungen zeigen, soll der Test auf hunderte weitere Menschen ausgeweitet werden. 

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