Am Weg nach oben

Immer mehr Studenten sehen Start-ups als Alternative zur Konzernkarriere – und wollen entsprechende Ausbildung

Die meisten Start-ups entstehen an Unis. © Fotolia/rawpixel.com
Die meisten Start-ups entstehen an Unis. © Fotolia/rawpixel.com

Wie schnell sich die Innovationsspirale heute dreht, zeigt ein anschaulicher Vergleich: Im Jahr 1957 waren Unternehmen im wichtigen Aktienindex S&P 500, der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst, im Schnitt 75 Jahre alt. 55 Jahre später ist dieses Durchschnittsalter auf zehn Jahre gesunken. Diese explosionsartigen Aufsteige von Google, Facebook, Amazon und Co., die allesamt einmal als kleine Start-ups begannen, haben globale Auswirkungen – Gründer wie Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Elon Musk oder Larry Page gelten   heute Millionen jungen Menschen als Vorbilder, denen nachgeeifert werden will.

Kein Rädchen im System

“Wir beobachten, dass sowohl die Gründung des eigenen Unternehmens als auch die Mitarbeit in einem Start-up zunehmend eine attraktivere Karrierealternative für Studierende wird”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des Gründungszentrums der Wirtschaftsuniversität Wien. Gründe dafür gäbe es verschiedene: Die gestiegene Präsenz von Start-ups in der öffentlichen Wahrnehmung und Role Models, sei einer davon. Die Kosten, es einfach mal auszuprobieren, sind bei Gründungen in den Bereichen Web und Mobile relativ gering, und geringeres Risiko erhöht die Wahrscheinlichkeit, es tatsächlich auszuprobieren”, sagt Dömötör. Auch die Erwartungshaltungen der oft beschworenen Generation der Millenials habe etwas mit dem Drang zum Start-uppen zu tun. “Der Ausblick darauf, etwas Sinnvolles zu tun anstatt ein kleines Rädchen in einer großen Organisation zu sein, ist ein wichtiger Hebel ist. Viele Studierende wollen heute von Anfang an bei der Entstehung von etwas Neuem dabei sein, gegebenenfalls auch als Mitarbeiter”, so Dömötör.

“Ja, Studierende sehen eine Gründung als Alternative zur Konzernkarriere. Über die vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre konnte eine Entwicklung von der Konzernkarriere  über die Consulting-Karriere bis aktuell zu Selbständigkeit bzw. Gründerkarriere beobachtet werden”, sagt auch Birgit Reithofer, Leiterin des Informatics Innovation Center der TU Wien, das sich um Neugründungen kümmert. “Studierende streben ein Arbeitsmodell an, in dem sie sich finanzieren und einen gewissen Lebensstandard leisten können, aber die vorherrschende Motivation ist Selbstbestimmtheit und eine ausgewogene Work-Life-Balance.”

Gründer sind “Studierte”

Die große Mehrheit der österreichischen Gründer innovativer Jungfirmen hat einen universitären Hintergrund: Dem “Austrian Start-up Report” zufolge haben 81 Prozent der Gründer einen Uniabschluss, fast 50 Prozent der für den Report Befragten können dabei ein Wirtschaftsstudium vorweisen. Die Gründe für den hohen Akademikeranteil sind offensichtlich. “Unis sind Orte, wo Wissen und Ideen entstehen, wo zukünftige Co-Founder einander treffen und wo man sich einerseits Domain-Know-how, wie etwa Hochtechnologie, Informatik und Naturwissenschaften, und andererseits Umsetzungs-Know-how wie Unternehmertum oder Management aus den Betriebswirtschaften holen kann”, so Dömötör.

Insbesondere das Institut für Entrepreneurship & Innovation an der WU hätte sich zu einem Brutkasten für Start-ups entwickelt, rund 250 Neugründungen (u.a. Shpock, Pioneers, Quidenus, Codeship oder Hokify) sind seit der Einrichtung im Jahr 2001 daraus hervorgegangen. Außerdem böten an der WU verschiedene Start-up-Kurse sowie die Veranstaltungsreihe “Entrepreneurship Avenue” laut Dömötör die Chance, “innovative Gründungsprozesse in einem relativ geschützten Umfeld auszuprobieren.”

An der TU Wien wird ein Ergänzungsstudium für Intra- & Entrepreneurship zu allen Bachelor- und Masterstudien, das über drei Semester läuft und fürs Gründen wichtige Dinge wie Business-Modelle, Finanzplan, Marketing & Sales, Finanzierung, Risikokapital und rechtliche Angelegenheiten vermittelt. Außerdem gibt es eine StartAcademy, in der Studierende gemeinsam mit Mentoren aus der Wirtschaft Geschäftsmodelle entwickeln. Wer schließlich wirklich gründet, kann in den “TUW i²nkubator” aufgenommen werden, wo ein intensives Aufbauprogramm geboten wird, um das blutjunge Start-up auf die Beine zu stellen.

Ohne Feuer geht gar nichts

Eine wesentliche Komponente des Gründens, da helfe aber auch das beste Studium nichts, darf aber nicht vergessen werden: den Willen. “Dieser Wille kann sprichwörtlich Berge versetzen. Man stellt sich und meistert die Herausforderungen, die am Weg entstehen”, sagt Dömötör von der WU. “Wissen kann vermittelt werden, aber die nötige Leidenschaft und das Feuer muss im Gründer selbst vorhanden sein”, sagt auch Hofreiter von der TU. “Natürlich kann ein stimulierendes Umfeld positiv einwirken, aber der innere Antrieb kann nicht von Dritten vermittelt werden.”

Was angehende Gründer, die auf einen Erfolg über Nacht hoffen, ebenfalls wissen sollten: Start-uppen braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Es sind selten die Jungen, die Erfolg haben. Runtastic war bereits fünf Jahre alt, als es an Adidas verkauft wurde. Dem “European Startup Monitor” zufolge ist der durchschnittliche Start-up-Gründer in Österreich 30 Jahre alt, etwa 40 Prozent haben schon eine oder mehrere andere Firmen davor gegründet, die nicht immer erfolgreich waren.

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