Coop-Story

DropDeck, Waves und Co.: Initiativen versuchen, gegen Betrug bei ICOs vorzugehen

In der Europäischen Union kündigt sich im April 2018 der nächste große Schritt an. Im Zuge einer Gesetzesnovelle zur Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung erwarten Experten einige regulatorische Schritte für die neue und auch umstrittene Finanzierungsform der ICOs (Initial Coin Offerings). Denn die Anlageform boomt trotz der rechtlichen Grauzonen (Trending Topics berichtete) wie kaum ein anderes Segment. Blockchain-Startups haben allein 2017 laut CoinDesk über 3,7 Milliarden Dollar über die ICOs eingenommen. Die größten Erfolge: Der ICO von Tezos holte sich 232 Millionen Dollar, Filecoin nahm 257 Millionen Dollar ein.

„Es schien, als konnte nahezu jeder mit einem Whitepaper, einer Landingpage und etwas Schnickschnack zweistellige Millionensummen für seine scheinbar innovativen Blockchain-Projekte einsammeln. Ein simples ‚Dies und Das auf der Blockchain‘ reichte dazu meist aus“, sagt Michael Kirchmair, ICO-Spezialist bei startup300.

Aktuell existieren auf den Tauschbörsen 1324 gelistete Kryptowährungen (https://coinmarketcap.com). Doch es gibt laut etherscan.io/tokens 17.518 ERC20-Tokens, die einen Smart Contract auf Ethereum gelistet haben. Die Ethereum-Blockchain bildet so mehr Transaktionen ab als alle anderen Kryptowährungen zusammen. „Alleine durch die schiere Menge an ERC20-Tokens kann man bereits erahnen, dass es sich dabei nicht ausschließlich um disruptive Geschäftsideen handelt“, so Kirchmair weiter. Unter den ICOs befänden sich massenhaft Scams.

Der Fall „Coinfido“

In Zukunft wird deshalb bei privaten und staatlichen Vorstößen vor allem der Anlegerschutz im Mittelpunkt stehen. Denn immer häufiger geistern die Meldungen über das Raubrittertum einiger Unternehmen durch das Internet. Vor einigen Tagen wurde der Fall von Coinfido bekannt. Kurz nach dem ICO, der 375.000 Dollar in Form von Ether in die Kassen des Unternehmens spülte, verschwanden die Gründer spurlos. Die Website, Social-Media-Accounts, Medium-Artikel (bis auf einen) und alle anderen Anknüpfungspunkte im Internet des angeblichen Smart-Contract-Anbieters für Payment-Lösungen wurden gelöscht.

Mit den Gründern verschwanden selbstverständlich auch die Einlagen. Die Plattform TokenLot, die den ICO verwaltete, wird nun das FBI einschalten, um das Coinfido-Team um Joost van Doorn ausfindig zu machen.

Gutgläubige Anleger durch einen ICO auszunutzen ist kinderleicht. Unternehmen brauchen nicht mehr als eine aussagekräftige Homepage, ein (oftmals nur leicht adaptiertes) Whitepaper, ein paar kluge Köpfe in der Team-Section und künstlich aufgehübschte Accounts auf Reddit und Bitcointalk, um falsche Erwartungen zu schüren und möglichst viel Ether einzusammeln.

Staatlicher Rahmen möglich

„Exit-Scams“ wie jener von Coinfido, Ether-Phishing durch kongruent kopierte Websites und die Verbreitung der Bounty-Programme, die Anleger dazu ermutigen, positive Inhalte über das Unternehmen in den sozialen Medien zu verbreiten, sind die Hauptursachen, die ICOs in ein schlechtes Licht rücken. Einige Staaten versuchen Rechtsgrundlagen für die Unternehmensfinanzierung zu schaffen.

Abu Dhabi beispielsweise wagte einen ersten Vorstoß und kategorisierte die ICOs nahe an den zumindest namentlich verwandten IPOs. ICOs werden als Securities behandelt. Ausgebende Unternehmen unterliegen einer Prospektpflicht und müssen den ICO bei den Behörden melden. Das Finanzministerium sprach auch eine dezidierte Warnung an die Anleger aus und empfahl sich in diesem Marktsegment „nur mit höchster Vorsicht“ zu bewegen.

Blockchain-Initiativen: Waves, DropDeck, Coinvest300

Auch innerhalb der Community gibt es Initiativen, die sich für eine höhere Qualität der ICOs einsetzen und Anleger vor Betrugsfällen schützen möchte. Am längsten am Markt ist die Plattform Waves. Eine aktive internationale Community prüft und bewertet die Whitepaper und die Business Cases künftiger ICOs. Die Bewertungen stützen sich auch auf die direkte Kommunikation mit den Gründern auf bitcointalk.org und fließen in das Ranking der ICOs auf ICObench ein.

ICObench bietet einen Überblick über die anstehenden Inital Coin Offerings an. Allerdings bleibt oft im Schatten, wie die Bewertungen genau zustande kommen.

DropDeck: IBM Watson hilft bei Screening

DropDeck bietet einen zusätzlichen Ansatz. Mittels künstlicher Intelligenz wird neben der Community ein weiterer Aspekt geschaffen, der die Performance der Blockchain-Startups bewertet. DropDeck arbeitet mit der A.I. XPRIZE von IBM Watson und ist das erste Blockchain-Startup, das künstliche Intelligenz einsetzt, um Screening und Ranking von ICOs zu verbessern. Mittels eigener Kryptowährung werden Unterstützer der Initiative zusätzlich motiviert, selbst bei der Fakten-Recherche, Due Dilligence und Bewertung der Startups aktiv zu werden. Durch die Community wird der ICO auf Herz und Nieren geprüft.

Dropdeck selbst startet aktuell den Crowd-Sale der eigenen Tokens (Whitepaper und Whitelist). Das Ziel ist ein One-Stop-Shop für Finanzierungen. Der Pre-Sale brachte über 5.000 Ether ein.

So funktioniert DropDeck

Coinvest300 startet Workshop

Auch in Österreich – genauer in Linz – formiert sich aktuell ein Zusammenschluss, der ICOs aus den Kinderschuhen helfen will. Die Initiative coinvest300 (Trending Topics berichtete) unter Federführung von startup300, Catalysts, Brandl & Talos Rechtsanwälte GmbH, KPMG, Conda und The Minted will mit rechtlicher, steuerlicher und technischer Unterstützung potenziellen ICO-Kandidaten das nötige Rüstzeug mit auf den Weg geben.  Auch hier soll ein One-Stop-Shop entstehen.

Die coinvest300-Partner wollen sicherstellen, dass Startups, die einen ICO planen, auf allen Ebenen bestens gerüstet sind. Zu diesem Zweck findet noch im Dezember ein erster Workshop mit allen Partnern statt, bei denen Startups ihren ICO präsentieren können. Bei dem Workshop wird das Projekt dann kritisch durchleuchtet und Chancen und Risiken des geplanten ICOs identifiziert. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Hinweis: Dieser Artikel entstand in Kooperation mit DropDeck.

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