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Weshalb Chinas ICO-Verbot ein gutes Signal für Bitcoin und Co. ist

Schanghai fungiert als Sandbox für Peking. © flickr.com_CC20_MathiasApitz
Schanghai fungiert als Sandbox für Peking. © flickr.com_CC20_MathiasApitz

Was bisher geschah Vor etwa zwei Wochen brandete das Thema flächendeckend auf: China verbietet ICOs (Trending Topics berichtete). Daraufhin flammten Gerüchte und Verschwörungstheorien durch die sozialen Netzwerke: Die Vorgehensweise könnte global Schule machen und Regierungen weltweit die vogelfreie Kapitalbeschaffung der Blockchain-Startups verbieten.

Die Faktenlage

Die Recherche zu den Entscheidungen gestalten sich aufwendig. Deshalb zusammengefasst die verifizierten Fakten: In China gibt es 43 ICO-Plattformen. Laut eines Reports des National Committee of Experts on the Internet Financial Security Technology wurden 2017 in 65 ICOs knapp 400 Millionen Dollar eingenommen. 23 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen finden dort statt. Auch die weltweit größten Mining-Anlagen stehen in der Volksrepublik.

Das Verbot beschränkt sich auf chinesische Startups. Die Chinesen selbst dürfen weiterhin an ICOs partizipieren. Einige der bereits abgehandelten ICOs müssen rückabgewickelt werden, andere ausstehende abgesagt werden. Zudem prüfen die Behörden die Lizenzen der rund 20 chinesischen ICO-Plattformen. Hi Bing, ein Forscher des staatlich geförderten Instituts für Finanzen und Banken, sagte in einem Interview, dass ICOs lediglich pausiert werden und die Regierung auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, die neuartige Kapitalbeschaffung zu vereinheitlichen und zu lizensieren.

ICOs: Kapitalmarktrecht muss eingehalten werden

„Aktuell wird noch alles über einen Kamm geschert. Aber die Behörden müssen die ICOs inhaltlich voneinander abgrenzen. Manche fallen unter das Kapitalmakrtrecht, andere nicht. Wenn ein Token etwa Ausschüttungen vorsieht oder Mitspracherechte verspricht, dann fällt er in einen regulierten Bereich und muss auch dementsprechend behandelt werden. Ein gutes Beispiel ist der DAO-Token“, sagt Oliver Völkel von der Wiener Rechtsanwaltskanzlei Stadler Völkel.

Generell geht Völkel von einer Segmentierung des gesamten Sektors aus. „Es herrscht ein Wildwuchs und die chinesischen Behörden haben dem einen Riegel vorgesetzt. Sie streben nach einer klaren Leitlinie für die ICOs. Der ganze Markt ist in so schwindelerregender Geschwindigkeit entstanden, dass darauf erst einmal eine Antwort gefunden werden musste.“

Die Gerüchteküche brodelt

Kaum erholten sich die Preise für Bitcoin und Co. wieder von dem Schock, verbreitete das News-Portal Caixin das Gerücht, dass die chinesische Regierung alle nationalen Tauschbörsen schließen lassen würde. Die Seite hatte sich auf einen Journalisten berufen, der im Umfeld der chinesischen Behörden das Verbot aufgeschnappt haben sollte. Tags darauf erklärten die drei größten Tauschbörsen des Landes OKCoin, BTC China und Huobi, dass sie keine Nachricht von der Behörden erhalten hätten. Die hochgradig volatilen Märkte gaben wieder nach. Bitcoin sank auf 4.100 Dollar, Ethereum unter 300 Dollar. Ein Grund für Panik? Mitnichten. China geht nur wie so oft seinen eigenen Weg.

China bald bargeldlos

Kontextuell muss der chinesische FinTech-Markt als der fortschrittlichste der Welt interpretiert werden. Das Reich der Mitte wird in einigen Jahren das erste Land der Welt sein, das kein Bargeld mehr brauchen wird. In China bezahlen die Menschen jetzt schon einen Großteil ihrer täglichen Ausgaben mit dem Smartphone.

Vor allem in den großen Städten können auch in den kleinsten Läden und Lokalen Waren mittels QR-Code bezahlt werden. Innerhalb von drei Jahren haben Dienste wie WeChatPay, UnionPay und AliPay das Bargeld im städtischen Raum obsolet gemacht. 300 Millionen Chinesen nutzen diese Services. 2016 wurden 2,9 Billionen (!!) Überweisungen über die großen Drei abgewickelt.

FinTech-Zentrum der Zukunft

Im November 2016 veröffentlichte Ernst & Young einen Bericht, der dem Land bestätigte, „zweifellos zum globalen Zentrum für FinTechs“ geworden zu sein. „Die Geschwindigkeit, Reife und Entwicklungsstufe der chinesischen FinTechs sei über dem Level von etablierten Märkten“ wie den USA oder Großbritannien. China wird kein Interesse daran haben, diese Vormachtstellung zu verlieren. Blockchain-Lösungen könnten diese weiter untermauern. Führende Venture-Capital- Firmen investieren jährlich Milliarden in die wachsenden FinTech-Startups – und in das Rückgrat der Kryptowährungen: die Blockchain-Technologie.

Was will die Volksrepublik?

China hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass es nach eigenständigen Lösungen für digitale Angebote strebt. Us-Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook wurde der Markteintritt untersagt. Eigene Plattformen wurden unter teilstaatlicher Ägide aufgebaut, um den eigenen nationalen Markt zu bedienen. Heruntergebrochen auf die Kryptowelt könnte das bedeuten, dass der Ethereum-Klon NEO zum Aushängeschild für nationale ICOs werden könnte. Alibaba-Chef Jack Ma gehört zu den frühesten Unterstützern.

Experimente in Schanghai und Hongkong

Während China selbst eine restriktive Strategie zu verfolgen scheint, wird in Hongkong ein anderer Weg propagiert. Die Metropole und Sonderverwaltungszone an der Südküste der Volksrepublik China verfolgt – geleitet von Peking – auch in punkto Kryptowährungen einen liberalen Weg. Hongkong fungiert in vielen wirtschaftlichen Bereichen als eine Art Sandbox für die Volksrepublik. Dort werden Strategien und ihre Auswirkungen auf die Märkte getestet.

Auch in Schanghai wird Blockchain sukzessive gefördert. Im September 2016 fand dort der Global Blockchain Summit statt. Laut Ernest & Young organisierte das chinesische Wirtschaftsministerium dort interdisziplinäre Arbeitsgruppen, die Pläne für die nationale Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie ausarbeiten sollten.

Eine Konsequenz des vorläufigen ICO-Verbots in China: ICOs werden auf andere Märkte ausweichen. Liberale Gesetzgeber könnten versuchen, von der entstandenen Lücke zu profitieren. Russland etwa kündigte eine Lizensierung der ICOs bis zum Ende des Jahres an. Jeder Schritt Richtung Legalisierung stärkt die junge Branche, auch wenn die ersten Einschnitte schmerzhaft sind.

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