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Mobility

Erfahrungsbericht

Ich bin 1.000 Kilometer mit dem Elektroroller gefahren. Das sind meine Learnings.

Am E-Roller. © Jakob Steinschaden
Am E-Roller. © Jakob Steinschaden

Ja, ich hab mich anstecken lassen vom Elektro-Hype. Vergangenes Jahr habe ich mir einen Elektroroller zugelegt – nein, nicht die E-Scooter zum Leihen, sondern ein Moped mit Elektromotor. Diese Woche ist der Kilometerstand auf 1.000 gesprungen – ein guter Anlass, um die letzten Monate, in denen ich auch bei Schnee und Regen auf den E-Roller gestiegen bin, Revue passieren zu lassen und meine Erfahrungen damit zu teilen.

1. Elektromobilität fasziniert die Menschen

Nach dem Einparken, kurz vor dem Ausparken – mich haben schon zahlreiche fremde Menschen auf der Straße auf mein Elektrogefährt (man erkennt es spätestens am grün-weißen Nummerntaferl) angesprochen. Bist du zufrieden? Wie weit schaffst du es mit einem vollen Akku? Wie viel kostet das Teil? Wo lädt man auf? Wie lange dauert der Ladevorgang?

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich für Elektromobilität interessieren, aber noch ein wenig an der Alltagstauglichkeit zweifeln. Die meisten, denen ich meine Erfahrungen teile, scheinen sehr positiv eingestellt. Die meisten zweifeln aber auch daran, dass ein solches Teil etwas für sie wäre. Elektromobilität fasziniert, ist aber noch nicht massentauglich.

2. Die Reichweitenangst ist real

50 Kilometer sagt der Hersteller, tatsächlich sind es eher 40 Kilometer, die man mit einer Akku-Ladung schafft. Bedeutet in der Praxis: Jede zweite bis dritte Nacht muss man die Batterie des Rollers an die Steckdose hängen. Das verlangt anders als bei Benzinern einige Vorausplanung. Ständig schielt man auf die Akku-Anzeige und fragt sich: Wie weit komme ich heute noch? Wann ist das nächste Zeitfenster, um die Batterie mehrere Stunden an den Strom zu hängen? Schaffe ich es mit dem halben Akku heute zu drei Terminen? Der Akku-Stand, er ist immer in deinem Hinterkopf. So wie beim Smartphone.

3. Die Ladeinfrastruktur ist noch bescheiden

Wer sich einen Elektroroller anschaffen will, dem rate ich: Achte unbedingt darauf, dass man den Akku herausnehmen kann. Viele Menschen, gerade in Städten, sind nach wie vor darauf angewiesen, dass sie die Batterie an einer Steckdose zu Hause oder im Büro aufladen können, weil es in Garagen nur selten, auf öffentlichen Parkplätzen so gut wie nie Steckdosen zum Laden gibt. Ladestationen in der Stadt sind derweil für Elektroautos ausgelegt und außerdem sowieso fast immer besetzt.

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Was man da auch wissen sollte: Akkus in Elektrorollern bieten wenig Reichweite (siehe oben) und sind gleichzeitig sperrig und schwer. Das Schleppen der 10-Kilo-Batterie macht keinen Spaß – aber Schleppen muss man sie oft, wenn man täglich mehrere Strecken fährt.

4. Ökostrom als Muss

Glaub ja nicht, dass du öko unterwegs bist, nur weil du mit Strom fährst. Die Herstellung der Batterien und ihre Entsorgung, aber auch der Strommix selbst entscheidet darüber, wie viel CO2 man mit dem E-Roller produziert. Deswegen ist es unbedingt ratsam, möglichst oft mit Ökostrom zu laden. “Nach dem ersten Jahr bist du sauberer als mit einem Benzin-Roller unterwegs, wenn du mit Ökostrom lädst“, sagte mir etwa diese Woche Pascal Blum, Mitgründer des Elektroroller-Startups unu aus Berlin.

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Die Verwendung von Ökostrom ist in Österreich ohnehin ein Muss, um sich die Förderung für E-Mobilität, die es auch für E-Mopeds gibt, zu holen. Denn man muss das Fahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energieträgern betreiben. Da im Strom-Mix in Österreich auch Energie aus Kohlekraftwerken stecken kann, muss man eben nachweisen, dass man seinen E-Roller mit dem richtigen Strom auflädt.

5. Wer leiser unterwegs ist, hört mehr

Eine sehr interessante Beobachtung, die ich am Elektroroller gemacht habe: Weil das Ding beim Warten an der Ampel nicht vor sich hintuckert, hört man deutlich mehr von der eigenen Umgebung (auch wenn der Kopf im Helm steckt). Ich glaube, dass viele Autofahrer gar nicht wissen, wie laut man ihre Freisprecheinrichtungen durch Fenster und Blech ihrer Fahrzeuge durchhört. Da bekommt man an der Ampel plötzlich Gespräche mit, die jene Personen, die sie gerade führen, wohl anders gestalten würden, wenn sie wissen würden, wer sie sonst noch so (unfreiwillig) mitbekommt.

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