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Huawei will sich mit Harmony OS von Android lossagen. Doch dafür fehlt es an einem: Apps.

Huawei Developer Conference 2019. © Huawei
Huawei Developer Conference 2019. © Huawei

76 Prozent Android, 22 Prozent iOS – so sehen die Marktanteile bei mobilen Betriebssystemen derzeit aus. Das Apple-Google-Duopol aufbrechen und unabhängiger von Android werden – das ist das große Ziel des chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei, nach Samsung die Nummer 2. Nachdem die USA den Chinesen mit einem Platz auf der Schwarzen Liste die künftige Nutzung von Android erschweren oder gar verunmöglichen wollten (Trending Topics berichtete), kommt das Unternehmen aus Shenzhen mit einem eigenen mobilen Betriebssystem daher: Harmony OS.

„HarmonyOS ist völlig anders als Android und iOS“, sagte Richard Yu, CEO der Huawei Consumer Business Group, im Rahmen der heute stattfindenden Huawei Developer Conference (HDC)  im chinesischen Dongguan. „Es ist ein mikrokernbasiertes Betriebssystem, das ein reibungsloses Erlebnis über alle Szenarien hinweg bietet. Es verfügt über eine vertrauenswürdige und sichere Architektur und unterstützt die reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Geräten. Eine einmalig entwickelte Anwendung kann dann flexibel auf verschiedenen Geräten zum Einsatz kommen.“

Vorerst nicht auf Smartphones

Das Zauberwort „Smartphone“ traut man sich bei Huawei vorerst in Zusammenhang mit Harmony OS nicht in den Mund nehmen. Ab 2019 in China, ab 2020 weltweit, soll das Betriebssystem zunächst bei Wearables, Smart Screens, intelligente Auto-Systemen und Smart Speaker zum Einsatz kommen. Denn eines ist klar: Bevor die Chinesen die unter dem Code-Namen „Hongmeng“ bekannt gewordene Software auf Handys bringen kann, brauchen sie dort vor allem eines: Apps.

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Und da hat Huawei einfach einen enormen Rückstand auf Apple und Google. Im App Store für iOS gibt es fast zwei Millionen Apps, bei Googles Play Store fast 2,5 Millionen. Niemand würde sich ein noch so gutes Smartphone kaufen, wenn er sich dort nicht WhatsApp, Instagram und Co installieren kann.

Noch fehlen die Apps

Deswegen macht Huawei gegenüber der Entwickler-Community ein freundliches Gesicht. „Der Erfolg von HarmonyOS wird von einem dynamischen Ökosystem aus Apps und Entwicklern abhängen“, heißt es seitens Huawei. „Um eine breitere Akzeptanz zu fördern, wird Huawei HarmonyOS als Open-Source-Plattform weltweit veröffentlicht. Huawei plant auch eine Open-Source-Stiftung und eine Open-Source-Community zu gründen, um eine tiefergehende Zusammenarbeit mit Entwicklern zu unterstützen.“

Bis man das App-Ökosystem aufgebaut hat, will Huawei weiterhin auf Android setzen. „Wir werden Android für Smartphones priorisieren, aber wenn wir Android nicht verwenden können, können wir HarmonyOS schnell installieren“, so Manager Yu. Denn im Handelskrieg zwischen den USA und China ist Huawei einer der großen Leidtragenden. Die Firma rechnet dieses Jahr mit satten 30 Milliarden Dollar weniger, nachdem es von den USA der Spionage für die chinesische Regierung beschuldigt wurde, die Tochter des Gründers Ren Zhengfei und CFO der Firma, Meng Wanzhou, in Kanada fest genommen wurde.

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