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Huawei vs. USA: Der Kampf um Software und Chips hat eine neue Dimension erreicht

© Huawei
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Der Handelskrieg zwischen den USA und China mit dem Smartphone- und 5G-Netzwerk-Hersteller Huawei hat eine neue Dimension erreicht. Es geht nicht mehr nur darum, wo und ob die chinesische Firma künftig Netzwerke wegen Angst vor Spionage für den neuen 5G-Mobilfunk bauen darf (Trending Topics berichtete), sondern auch darum, wie Smartphones künftig funktionieren werden. Denn der Bann trifft den zweitgrößten Handy-Hersteller nach Samsung und vor Apple.

Denn Huawei steht auf Anordnung von US-Präsident Trump auf einer schwarzen Liste, die den Verkauf sowohl von Bauteilen als auch von Software von US-Unternehmen an die chinesische Firma untersagt. So muss Google den Zugang von Huawei zum mobilen Betriebssystem Android (auf dem laufen alle Smartphones der Chinesen) einschränken. Zwar werden Google-Dienste (z.B. Maps, YouTube, Gmail, Play Store, Google Drive) auf bestehenden Huawei-Smartphones wie gewohnt weiter funktionieren, doch alle künftigen Modelle werden mit Einschränkungen ausgeliefert werden müssen.

Ungewisse Android-Zukunft

So muss Google, um der Order des Präsidenten nachzukommen, künftige Huawei- und Honor-Smartphones (letztere ist die jugendliche Submarke des chinesischen Unternehmens) von seiner proprietären Software aussperren – also neben Apps wie Gmail oder YouTube auch vom wichtigen Play Store, über den Nutzer viele andere Anwendungen beziehen. Doch es ist nicht davon auszugehen, dass die Smartphones auch neue Android-Versionen bekommen werden. Wenn, dann wohl nicht zeitgerecht.

Denn Huawei hat zwar noch Zugriff auf die Open-Source-Software von Google (Android Open Source Project, kurz AOSP). Doch vor den Releases der Public Beta werden die Chinesen neue Android-Versionen nicht testen und für ihre Modelle adaptieren können – das könnte die Entwicklung neuer Smartphones um Monate verzögern.

Von Chip-Herstellern abgeschnitten

Auch Intel, Qualcomm, Broadcom und Xilinx haben bestätigt, dass sie Huawei keine Chips und keine Software mehr liefern werden. Huawei produziert zwar eigene Chips für Smartphones, ist aber auch auf Lieferungen von US-Firme angewiesen und hat in weiser Voraussicht bereits eine ordentliche Menge an Prozessoren eingekauft, um über die nächsten Monate zu kommen.

Auch Microsoft wird aller Voraussicht nach reagieren müssen und keine Software (Windows) mehr an die Chinesen mehr liefern. Huawei hat auch eine Reihe von Windows-Notebooks im Programm.

Zwar hat Huawei bereits in der Vergangenheit angekündigt, ein eigenes mobiles Betriebssystem zu entwickeln. Doch die Attraktivität von Android liegt auch darin, dass weltweit hunderttausende App-Entwickler Software für Android schreiben und diese Apps im Play Store Nutzern zur Verfügung stellen. Ein solche Ökosystem kann Huawei nicht von heute auf morgen aufbauen. Demnach ist die Zukunft des Unternehmens, das in Österreich etwa einen Marktanteil von rund 30 Prozent erreicht, sehr ungewiss.

Wie wird es Apple in China gehen?

Auch Apple, das viele seiner iPhones in China produzieren lässt und China als wichtigen Absatzmarkt aufgebaut hat, könnte in dem Machtkampf noch eine Rolle spielen. Im Reich der Mitte gibt es bereits eine wachsende „Boycott Apple“-Bewegung, die zum Verzicht von iPhone und Co. aufruft. Chinesische Konsumenten stärken in lokalen Social-Media-Netzwerken währenddessen Huawei den Rücken (BuzzFeed berichtete).

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