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Huawei MatePad Pro: Günstige iPad Pro-Alternative fürs Business?

Das Huawei MatePad Pro. © Trending Topics / Oliver Janko
Das Huawei MatePad Pro. © Trending Topics / Oliver Janko

Huawei hat heute Vormittag den sofortigen Marktstart für das MatePad Pro bekanntgegeben. Das Tablet soll dem iPad Pro Konkurrenz machen, was sich schon nach dem ersten Blick kaum mehr abstreiten lässt. Für einen UVP von 549 Euro bekommen Käufer bis Ende Juni zusätzlich Tastatur und Stift dazu. Mit Kampfpreisen also aus der Krise? Wir haben das Huawei MatePad Pro bereits vorab ausführlich testen können.

Huawei MatePad Pro vs. Apple iPad Pro

Der Markt für leichte, dünne Geräte für Beruf und Studium wächst – und mit dem iPad Pro hat Apple vor nicht allzu langer Zeit ein sehr gutes Tablet für genau diese Zwecke präsentiert. Absehbar, dass die Konkurrenz da nachzieht – und sich zumindest optisch inspirieren lässt. So auch beim Huawei MatePad Pro erkenntlich: Das Display misst 10,8 Zoll, großartige Ränder gibt es nicht. In das Display eingelassen ist die Frontkamera, die rückseitige Single-Linse ragt leicht aus dem Gehäuse. Das ist mit angeschlossener Tastatur egal, das Tablet an sich liegt aber nicht ganz plan auf.  Das iPad Pro gibt es in zwei Bildschirmgrößen, 11 und 12,9 Zoll – es ist also geringfügig größer, optisch aber auch fast ein Zwilling.

Externes Keyboard und Stylus für Kreative

An den seitlichen Rändern lässt sich der „M Pencil“ getaufte Stylus per Magnet am MatePad Pro befestigen, gleiches gilt für das „Smart Magnetic Keyboard“. Beide Komponenten sind hochwertig verarbeitet und lassen sich unkompliziert anschließen. Unterschiede gibt es vor allem bei der Ausstattung: Huawei hat (noch) kein „Magic Keyboard“ im Portfolio, die mitgelieferte Tastatur ähnelt eher dem „Smart Keyboard“ von Apple. Ein Mauspad gibt es dementsprechend nicht, anders als beim (deutlich) teureren Apple-Keyboard. Der Druckpunkt der Tastatur ist gut, allerdings ist sie – bauartbedingt  – etwas klein ausgefallen. Wer eine herkömmliche Tastatur gewohnt ist, braucht wohl ein wenig Zeit für den Umstieg.

Das MatePad Pro mit angeschlossener Tastatur. Das Huawei MatePad Pro. © Trending Topics / Oliver Janko
Das MatePad Pro mit angeschlossener Tastatur. Das Huawei MatePad Pro. © Trending Topics / Oliver Janko

Der Stift ist ein eigenes Thema. Zwar funktioniert der M Pencil hervorragend, uns fehlten im rund zweiwöchigen Test allerdings die Einsatzszenarien. Klar, beim Scrollen auf der Couch ist der Stylus mitunter ganz praktisch und auch die eine oder andere Notiz lässt sich damit formschön aufs Tablet bringen, insgesamt dürfte der M Pencil aber eher eine Nischengruppe ansprechen. Grafiker, Künstler oder auch Studenten werden mit dem Stift sicher etwas anzufangen wissen.

MatePad Pro: Die Hardware

Zur Leistung nur einige wenige Worte, weil sämtliche Benchmarks sich ohnehin allesamt im obersten Bereich ansiedeln. Auch grafikintensive Programme machten dem MatePad Pro keine Schwierigkeiten, der Kirin 990 aus eigener Fertigung und die 6 GB RAM (DDR4) machen sich hier positiv bemerkbar. Der Akku bringt das Gerät recht entspannt über den Tag, wobei das letztlich stark abhängig von der Nutzung ist. So oder so: Hardware-seitig gibt es nichts zu beanstanden, vor allem auch angesichts des Preises.

Der M Pencil hält magnetisch am Rahmen des Tablet. Das MatePad Pro mit angeschlossener Tastatur. Das Huawei MatePad Pro. © Trending Topics / Oliver Janko
Der M Pencil hält magnetisch am Rahmen des Tablet. Das MatePad Pro mit angeschlossener Tastatur. © Trending Topics / Oliver Janko

Notebook, Tablet – oder beides?

Spannender als der zigste Leistungstest sind aber ohnehin die Anwendungsszenarien für das MatePad Pro. Apple versucht den vielzitierten Spagat zwischen Tablet und Notebook, was mit dem iPad Pro auch gelungen umgesetzt wurde. Die Zielgruppe sind fraglos junge, arbeitende Menschen, Kreative, Künstler, aber auch Journalisten oder Studierende. Das iPad positioniert sich als treuer Begleiter vor allem im beruflichen Alltag – und dahin will auch Huawei.

Grundsätzlich ist das Vorhaben auch gelungen. Bei den derzeit verfügbaren Android-Tablets sticht das MatePad Pro durchaus hervor. Die Leistung passt, das Zubehör ist stimmig (wenn uns auch ein Keyboard mit Mauspad fehlt), die Verarbeitung gut. Wie so oft in den letzten Monaten bei Huawei darf aber ein Satz nicht fehlen: Das Unternehmen befindet sich nach wie vor im Handelsstreit mit den USA und darf demnach die offiziellen Google Services nicht nutzen. Das bedeutet in der Praxis, dass Käufer nicht nur mit den fehlenden „Play Services“ leben müssen, die sich allerdings um viele Teile der Synchronisation im Hintergrund kümmern. Auch Google Drive, Gmail oder Google Maps sind nativ nicht vorinstalliert.

Umweg(e) um den Play Store

Allerdings: Huawei hat mit der „MoreApps“-Anwendung eine gelungene Lösung für dieses Problem gefunden. Über diese App lassen sich die APK-Dateien (also die Installationsdateien) zahlreicher Apps herunterladen. Netflix, WhatsApp oder Gmail lassen sich so recht einfach nachinstallieren – wenn auch über einen Umweg. Der Haken mit den Play Services bleibt aber bestehen. Wer also beruflich über Drive oder Google Chat arbeitet – oder gar die GSuite for Business verwendet -, wird nur bedingt glücklich. Hierzulande wichtige Apps von den diversen Banken, der ÖBB, dem ORF, aber auch Willhaben oder Shpock, stehen indes bereits in der „App Gallery“, dem offiziellen Huawei-Pendant zum Play Store, zur Verfügung. Auch einige internationale Anwendungen listet der Huawei-Store bereits – Tendenz steigend, wie Huawei heute nicht wenig stolz berichtete. Langfristig soll aus der App Gallery das dritte große App-Ökosystem wachsen.

Netflix beispielsweise lässt sich nur per APK über "MoreApp" installieren.
Netflix beispielsweise lässt sich nur per APK über „MoreApp“ installieren.

Davon abgesehen ist die Software auf Business-Zwecke ausgerichtet. Über die rechte Displayseite lassen sich „Dual Windows“ öffnen, also Fenster – ähnlich wie bei Windows. So können Nutzer zumindest zwei Anwendungen gleichzeitig öffnen. Zusätzlich gibt es den sogenannten „Desktop Modus“. Dieser erinnert deutlich mehr an vom PC bekannte Betriebssysteme, samt Startleiste und Multi-Windows-Nutzung. Über ein Typ-C-HDMI-Kabel lässt sich das Tablet auch einfach mit einem Monitor verbunden. Eine optionale Maus kann man per Bluetooth koppeln. Office-Apps von Microsoft gibt es nicht, dafür aber eine Memo-Funktion und WPS Office, eine Freeware mit den wichtigsten Basics.

Huawei MatePad Pro: Technische Daten

Display 27,4 cm (10,8“) – IPS Display, 2560 × 1600 px (WQXGA ), PPI: 280
Betriebssystem Android 10, EMUI 10.0.1
Speicher Intern: 6GB RAM, 128GB ROM

Extern: NM-Karte bis zu 256GB

Akku 7.250 mAh, Wireless Charging, Reverse Wireless Charging
Prozessor Kirin 990 Octa-Core
2x 2.86 GHz, 2 x 2.09 GHz und 4 1.86 GHzDual NPU
Konnektivität WiFi IEEE 802.11a/b/g/n/ac@2.4 GHz&5 GHz

Bluetooth: 5.1
USB Typ C

Gewicht 460 Gramm
Kameras Hauptkamera: 13 MP, Autofokus, 4K-Videos
Frontkamera: 8 MP
Zubehör M Pencil (89 Euro), Smart Magic Keyboard (129 Euro)

Fazit und Preise

Ob das Huawei MatePad Pro dem iPad Pro Konkurrenz machen kann, bleibt fraglich. Das muss es aber auch gar nicht, immerhin bedient es eine komplett andere Käuferschicht als das Apple-Tablet. Der Preis von 549 Euro ist fair, im bis Ende Juni geltenden Angebot mit M Pencil (alleine 89 Euro) und Smart Magic Keyboard (alleine 129 Euro) sogar sehr gut. Insofern stellt sich eher die Frage nach der persönlichen Abhängigkeit von den Google Play Services. Wer darauf verzichten kann oder will, bekommt ein ausgezeichnetes Tablet mit Zugang zu (fast) allen relevanten Anwendungen – wenn auch als Stückwerk, aber immerhin. Wer die Google-Synchronisation samt Backup, Geräte-übergreifendes Arbeiten und den Play Store – kurz: den Komfort des Ökosystems – schätzt, bleibt eher bei Apple oder Samsung.

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