Lokalisierung

Hier-Box ortet Autounfälle: „Terroristen würden wir nicht empfehlen, sie zu verwenden“

Dieses kleine Ding wird in den OBD-Anschluss des Autos gesteckt.

Ein kleines Kästchen soll künftig für schnellere Hilfe bei Autounfällen und anderen Notfällen auf der Straße sorgen: Das 2001 gegründete Wiener Unternehmen Dolphin Technologies hat die so genannte Hier-Box (49 Euro plus 3 Euro/Monat Servicegebühr, TÜV-geprüft) vorgestellt, die per GPS-Ortung unter mobilem Internet im Falle eines Autounfalls schnell Rettungskräfte zur Unfallstelle lotsen soll. Einmal am Diagnose-Stecker (OBD-Stecker) des Autos installiert sowie mit der zugehörigen Hier-App (für iPhone und Android) und dem Smartphone (per Bluetooth LE) verknüpft, kann sie im Wesentlichen drei Dinge tun: Ein Crash-Sensor erkennt einen schweren Unfall, meldet in über die Smartphone-Verbindung an die Server von Dolphin Technologies, die wiederum die Einsatzzentrale des ÖAMTC alarmieren. Über eine automatisch aufgebaute Sprachverbindung fragt ein ÖAMTC-Mitarbeiter, ob Hilfe benötigt wird und leitet dementsprechend Einsätze ein. Wenn sich der oder die Insassen gar nicht melden, dann geht das System von einem schweren Unfall aus und schickt sofort Hilfe.

Außerdem können Nutzer der Hier-Box diese auch dazu nutzen, um im Notfall (wenn man etwa an einen Unfallort kommt) für andere Opfer Hilfe zu holen. Zu guter Letzt soll das kleine Kästchen auch im Alltag praktisch sein, weil man so den Abstellort seines Wagens in der App abrufen kann.

GPS-Position wird kontinuierlich erfasst

Nutzer registrieren sich in der App per Name, E-Mail-Adresse und Kennzeichennummer. Das Hier-Box-System ist so konzipiert, dass der GPS-Standort kontinuierlich an die Server von Dolphin Technologies gesendet wird und nicht etwa nur im Moment des Unfall – so will man etwa auch auf Situationen wie in Tunneln reagieren können, wenn die Box keinen GPS-Empfang hat. Das bedeutet auch, dass Behörden mit einem richterlichen Beschluss diese Positionsdaten von Dolphin Technologies herausfordern können, um etwa im Zuge einer Fahndung einen Flüchtigen zu lokalisieren. „Terroristen würden wir nicht empfehlen, die Hier-Box zu verwenden“, so Harald Trautsch, Gründer und CEO von Dolphin Technologies.

Dieses kleine Ding wird in den OBD-Anschluss des Autos gesteckt. © Timo Niemeier
Dieses kleine Ding wird in den OBD-Anschluss des Autos gesteckt. © Timo Niemeier

Mit dem neuen Produkt will er all jenen Autofahrern ein neues Sicherheits-Tool anbieten, die nicht auf das ab 2018 von der EU für Neuwägen vorgeschriebenes E-Call-System warten wollen bzw. ihr altes Auto mit einem Notfall-System aufrüsten wollen. Im Ausland funktioniert die Hir-Box übrigens nur dann, wenn man am Smartphone Roaming erlaubt, weil nur dann eine Datenverbindung zu den Servern aufgebaut werden kann. EinProblem sei das aber nicht, weil pro Tag nur etwa 80 Kilobyte an Daten anfallen würden. Was Nutzer auch wissen sollten: Im Falle eines Diebstahls kann man das Auto nicht orten, weil ja das Smartphone dann im Regelfall nicht im Auto ist und so die Position nicht an die App bzw. die Dolphin-Server schicken kann.

Eine Version der Hier-Box mit integrierter SIM-Karte hat Trautsch zwar bereits als Prototypen vorliegen, sich dann aber dagegen entschieden. Zum einen wäre das Kästchen dann zu groß für den reibungslosen Einbau geworden, zum anderen um 30 bis 40 Euro teurer – und für den Datentarif müssten Kunden auch noch extra zahlen. Deswegen wird die mobile Internetverbindung eben über das Smartphone des Nutzers abgewickelt.

Bald an der Tankstelle zu kaufen

Erhältlich ist die Hier-Box derzeit im Online-Shop, geplant sind aber Offline-Vertriebsstellen wie Tankstellen, Elektrohändler oder Geschäfte für Autozubehör. Außerdem sind für den Herbst neue Funktionen geplant, die Trautsch dann extra verkünden will. Die Hier-Box lässt sich jedenfalls in nahezu alle Autos einbauen.

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