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Business Angel Herbert Gartner: „Die B2B-Szene ist einfach ein bisschen leiser“

Business Angel Herbert Gartner. © Alexander Danner
Business Angel Herbert Gartner. © Alexander Danner

Zweimal – einmal von der aws und einmal von der Austrian Angel Investors Association – wurde der Grazer Herbert Gartner zum Business Angel des Jahres gewählt. Er ist ziemlich öffentlichkeitsscheu, arbeitet hinter den Kulissen aber so viel, dass er zur aaia-Preisverleihung nicht persönlich kommen konnte. Seine größten Deals des Jahres waren das 12-Millionen-Euro-Investment in die Laufsprecher-Firma USound (Trending Topics berichtete) und der Exit der Firma NxtControl an die französische Schneider Electric (Trending Topics berichtete).

Teile des Geldes, das Gartner als Mitgründer von SensorDynamics bei deren Verkauf 2011 um 164 Millionen Dollar an Maxim Integrated aus Kalifornien machte, lässt er jetzt über die Beteiligungsgesellschaft eQventure zurück in die Startup und IT-Branche Österreichs fließen. Sein Herz schlägt aber nicht nur für Technologie, sondern auch für die Natur. So engagiert sich Gartner für das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal, der letzte Urwald in Mitteleuropa.

Im Interview mit Trending Topics spricht Gartner über das B2B-Geschäft, das oft hinter den Kulissen stattfindet, einen Startup-Hub für Graz und erklärt, warum er derzeit nicht in Blockchain-Projekte investiert.

Sie sind dieses Jahr sowohl von der Austrian Angel Investors Association (aaia) als auch von Austria Wirtschafts Service zum “Business Angel des Jahres” ausgezeichnet worden. Warum haben Sie die Preise bekommen?

Herbert Gartner: Die Preise zeigen, dass sich auch im B2B-Bereich und im DeepTech-Bereich in Österreich ganz tolle Dinge abspielen. Diese Deals sind viel weniger sichtbar. Mit diesen Preisen bekommen sie nun mehr Aufmerksamkeit.

Was bedeuten solche Preise für Sie?

Ich freue mich über diese Anerkennung. Es ist wichtig, dass bekannt wird, dass erfolgreiche Gründer ihr Know-how und Kapital in die Szene zurückfließen lassen. Diese Vorbildwirkung ist das Wichtige daran.

Es gibt immer mehr Unternehmer oder ehemalige Unternehmer in Österreich, die in Startups und Tech-Unternehmen investieren wollen. Was raten Sie denen, bevor sie ihre ersten Beteiligungen machen?

Auf jeden Fall sollten sie sich mit erfahrenen Tech-Investoren zusammen tun. Man sollte auch nur das machen, was man zu 100 Prozent versteht. Und man sollte sich immer syndizieren, etwa, indem man sich professionellen Business-Angel-Clubs anschließt oder einen eigenen gründet.

Neben Ihrer eQventure gibt es mit startup300, Speedinvest, Apex Ventures, i4g, Hermann Hauser u.a. verschiedene Player in Österreich. Wie unterscheidet sich eQventure von den anderen?

Wir sind sehr stark auf DeepTech fokussiert, und wir sind auf Ostösterreich spezialisiert. Wir wollen in maximal zwei, drei Stunden bei unseren Unternehmen vorort sein können.

Gestern wurde via Trending Topics bekannt, dass Google in die Wiener Firma Stream Unlimited investiert hat. Gibt es solche Deals im B2B-Bereich oft, von denen die Öffentlichkeit nichts mitbekommt?

Viele der B2B-Deals sind nicht an die große Glocke gehängt worden. Etwa unser Verkauf von SensorDynamics um 164 Millionen Dollar an Maxim Integrated oder im gleichen Jahr der Exit von Dynatrace aus Linz um 254 Mio. Dollar. Die B2B-Szene ist einfach ein bisschen leiser.

Warum werden solche Erfolge nicht kommuniziert?

B2C-Firmen benötigen Öffentlichkeit, weil das gleichzeitig Werbung für sie ist. Aber für B2B-Unternehmen ist das egal. Unser Interview hier oder viele andere Medienberichte haben wenig bis gar keinen Einfluss darauf, wie und warum zum Beispiel Apple und andere sich für unsere Firmen entscheiden. Das liegt also in der Natur der Sache.

In Wien hat kürzlich mit weXelerate ein großer Startup-Hub eröffnet, in Linz tut sich sehr viel in der Tabakfabrik und rund um die factory300. Sollte Graz auch so einen Hub für Startups bekommen?

Ja, das wäre sicher positiv, dass es so einen Hub gibt. Wir als eQventure sind primär im Industrie-nahen Bereich unterwegs, da spielen solche Hubs eher eine untergeordnete Rolle. Aber solche Hubs sind sicher wichtig für jüngere Gründer, sie sind eine wichtige Komponente für das Ökosystem. Wichtiger aber wäre es, Spezialisten aus der Industrie davon zu überzeugen, dass sie eigene Firmen gründen.

Wie schafft man das?

Man muss Beispiele anführen. Unsere Investments sind großteils Spin-offs von Industrieunternehmen, und die muss man mehr vor den Vorhang holen. Nur wenn Talente Vorbilder haben, werden sie sich dafür entscheiden, selbst zu gründen.

Welche Tech-Sparten sind für eQventure für Investments spannend? Blockchain, Sprachsteuerung, Artificial Intelligence sind derzeit in aller Munde.

Wir sind stark im Bereich Semiconductor, B2B-Software, Industrie 4.0, AI und Machine Learning unterwegs, auch Material Science interessiert uns. Blockchain zählt derzeit noch nicht dazu.

Warum keine Investments in Blockchain?

In unserer Gruppe haben wir keinen Experten dazu, deswegen investieren wir nicht in dem Bereich. Wenn wir das Know-how nicht haben und das Projekt ist trotzdem spannend, dann holen wir uns jemanden aus dem Bereich dazu. Bei Blockchain ist das bis dato noch nicht passiert.

Welchen Ausblick auf die nächsten Monate können Sie uns geben?

Wir von eQventure reden nicht gerne über ungelegte Eier. Aber wir werden weiterhin sehr aktiv sein, was Exits und Finanzierungen angeht.

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