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Heather Mills: „Die Millennials werden die Welt verbessern“

© Heather Mills
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Man kann Heather Mills als Aktivistin bezeichnen, die sich seit Jahrzehnten für die Rechte der Tiere stark macht und eine vegane Lebenskultur fordert. Man kann Heather Mills – sie war mit Paul McCartney verheiratet – aber auch als erfolgreiche Geschäftsfrau sehen, die ihre Popularität als ehemaliges Model und Weltrekord-Inhaberin im Speed-Ski mit einer Beinprothese (sie stellte den Rekord vor drei Jahren mit 166,84 km/h auf) dazu nutzt, die Welt zu verbessern und nachhaltig zu ändern. Wie man die Welt besser machen könnte, glaubt Mills, die beim diesjährigen 4Gamechangers Festival in Wien zu Gast ist, genau zu wissen: Vegan essen, den Milchkonsum und Zucker vermeiden, Recycling in allen Lebensbereichen forcieren, Bewusstseinsbildung betreiben und Kinder von dieser Lebensweise zu überzeugen.

Heather Mills, der 1993 bei einem Unfall den Unterschenkel amputiert werden musste, raste im April 2015 mit 166,84 km/h die Hochgeschwindigkeitspiste im französischen Vars hinunter – Weltrekord. ©Mills

Weg vom Junk-Food

„Die Millennials werden die Welt verbessern“, meint Mills im TrendingTopics-Interview. „Ich glaube ganz fest an diese Generation, dass sie viele Probleme lösen wird.“ Ein Riesenpotential sieht Mills in den Kindern, die man von gesundem Essen überzeugen müsse, „die sind ohnehin so smart, dass sie sich leicht überzeugen lassen“, sagt Mills. Im Jahr 2009 eröffnete sie in zuerst ein VBites-Restaurant in Hove Lagoon in Großbritannien und später in der Bronx in New York, in dem Kinder kostenlos gute, vegetarische Mahlzeiten bekamen. „Ich wollte und will die Kinder vom Junk-Food weg bekommen, dem in den USA so billigen McDonalds-Essen“, schildert Mills. Der Versuch gelang. Die Kinder wurden nicht nur gesünder – die Zuckerwerte sanken, die Asthma-Erkrankungen gingen zurück – auch die Schulnoten wurden besser, da die Gehirnleistung stieg. Schließlich wurde auf dem Dach einer Schule ein Gemüsegarten errichtet, um die Kinder für das Gärtnern zu begeistern. Und als sie jene Pflanzen und jenes Gemüse essen konnten, das sie selbst angebaut hatten, waren sie begeistert. „Ich veranstaltete Kochkurse und dann lernten Kinder erstmals, das zuzubereiten, das sie angebaut hatten“, erzählt Mills. „Kinder wissen meist gar nicht, wie gutes Essen schmeckt.“ Schlechte Nahrungsmittel seien oft billig und daher ernähren sich arme Menschen ungesund. „Für Menschen, die nicht so viel Geld haben, darf Essen nicht krank machen.“

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Die erfolgreiche Geschäftsfrau

Mit ihrem Unternehmen Vbites, das sich selbst als Pionier bei der Herstellung von Lebensmittel aus Pflanzen sieht, ist Mills höchst erfolgreich – mit mehr als 200 Mitarbeitern in 24 Ländern will die 50-Jährige die Menschen zu einem Umdenken in ihrer Ernährung animieren und sie überzeugen, dass es gesünder ist, sich vegan zu ernähren. Bereits im Vorjahr wurden VBites-Produkte testweise in Österreich verkauft, so etwa die „vegane Ente“ – das erfolgreichste VBite-Produkt. Hofer hatte die vegane Ente im Portfolio und sie war rasch ausverkauft. Demnächst soll ein ähnlicher Testlauf mit einer veganen Pizza starten.

Umdenken bei den Bauern

Aber nicht nur die Konsumenten, auch die Erzeuger will sie bekehren. „Einem Milchbauern kostet die Erzeugung eines Liters Milch 30 Cent und er erhält 27 Cent dafür“, rechnet Mills vor. „Wenn er beispielsweise Erbsen anbauen würde, könnte er einen viel höheren Profit machen. Ich will Bauern davon überzeugen, dass sie auf Getreide und Gemüse umschwenken, denn damit können sie auch Geld verdienen.“

Für die Umwelt brächte dieser Schwenk viele Vorteile. „Um einen Hamburger machen zu können, braucht man 60 Gallonen Wasser (227 Liter, Anm.), für einen veganen Hamburger benötigt man nur eine Gallone (3,79 Liter, Anm.)“, sagt Mills. Das seien Fakten, die man nicht ignorieren könne. Von Startups wie etwa Modern Meadow, das Leder und auch Fleisch im Labor erzeugt und in absehbarer Zeit anbieten will, hält Mills nicht viel. „Auf diese Art und Weise Leder zu erzeugen, kann ich mir durchaus vorstellen, aber Essen aus dem Labor? Davon halte ich nichts, weil man ja nicht abschätzen kann, welche genetischen Auswirkungen dieses Fleisch auf den Menschen haben wird.“

Den gegenwärtigen Trend, der derzeit von Asien nach Europa überschwappt, nämlich Insekten in den Speiseplan aufzunehmen, sieht sie ebenfalls kritisch. „Ich will gar nichts essen, was lebt oder gelebt hat und dazu gehören auch Insekten“, so Mills. „Das einzige Insekt, das ich nicht mag, sind Moskitos, weil sie Krankheiten übertragen können.“

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Alternativen für Zucker und Milch

Besonders kritisch sieht Mills den Zucker- aber auch Milch-Konsum, zu viele Lebensmittel enthielten Zucker, und der mache krank. „Ich bin vor geraumer Zeit schon auf Diabetiker-Schokolade umgestiegen und musste damals feststellen – sie schmeckt“, schildert Mills. „Wir brauchen Alternativen zum ungesunden Zucker.“ Und der Milch-Konsum gehöre drastisch reduziert, da sie – das hätten Studien ergeben – doch nicht so gesund sei, wie uns seit Kindheitstagen vermittelt wird. Dass das Milch-Kalzium die Knochen stärke, sei eine Mär. Schweden – in vielen Lebensbereichen ein Vorbild – wird auch von Mills als Beispiel genannt, wie es in einem Land funktionieren kann: „Dort gibt es einerseits in den Schulen die Option einer veganen Mahlzeit und andererseits gibt es in den Cafes immer eine Alternative zur normalen Milch.“

Second Hand statt neuer Ware

Vegane Ernährung ist laut Mills nur ein Aspekt, wie man die Welt verbessern könne. Recycling liegt Mills ebenso am Herzen. Das beginne damit, dass man sich nicht immer neue Kleidung kaufen müsse. Portale, auf denen man Gebrauchtes kaufen könne, sieht sie als eine Möglichkeit an. Mills: „Es gibt bei uns in England bereits Geschäfte, bei denen man 15 Prozent Rabatt auf neues Gewand bekommt, wenn man die alte retour bringt. Auch das geht in die richtige Richtung.“

Die Politik ist gefordert

Ein Problem wird Mills aber auch nicht mit Vbites lösen können – etwa ein Drittel der weltweiten Produktion an Lebensmitteln – geschätzte 1,3 Milliarden Tonnen – landen im Müll. Während der Verlust in Entwicklungsländern eher in der Landwirtschaft und Produktion auftreten, werden Nahrungsmitteln in Industrieländern weggeworfen oder gar nicht erst geerntet, weil sie optisch nicht jener Form entsprechen, die von Konsumenten akzeptiert werden. „Nahrungsmittel sollten für gute Zwecke gespendet werden können“, so Mills. „Aber leider sind die Hygienevorschriften teilweise völlig überzogen.“ Mills sieht hier vor allem die Politiker gefordert, die dieses Problem „von oben“ lösen müssen.

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