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Der neue Wirtschaftsminister Harald Mahrer: Gründerland-Prediger zwischen Latein und HipHop

Harald Mahrer beim Forum Alpbach. © Maria Noisternig
Harald Mahrer beim Forum Alpbach. © Maria Noisternig

Mit dem „No sleep ‚till Gründerland No1“-Schriftzug am T-Shirt hat man ihn in letzter Zeit weniger oft gesehen, dafür regelmäßig mit gepflegtem Hipster-Bart: Harald Mahrer (44) ist bis zur Wahl am 15. Oktober der neue Wirtschafts- und Wissenschaftsminister der ÖVP, sein voriger Posten als Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft wird eingespart. Mahrer, der vor seiner politischen Karriere als Unternehmensberater (cumclave) und im PR-Business (Pleon Publico Public Relations) tätig war, wurde oft und gerne als „Mr. Startup“ der Bundesregierung bezeichnet – bis das Thema so heiß wurde, dass sich Bundeskanzler Christian Kern und der neue ÖVP-Chef Sebastian Kurz vermehrt darauf stürzten (etwa auf der Runtastic-Büroeröffnung) und es nicht mehr Mahrers alleiniges Gebiet war.

Dass Mahrer nun zum Wirtschaftsminister aufrückt, war einigen Beobachtern schon länger klar. Er gilt als Vertrauter von Kurz und wurde von diesem dem Vernehmen nach bei der Listenerstellung im Nationalratswahlkampf 2013 unterstützt, außerdem ist Mahrer Kurz` Stellvertreter in der Politischen Akademie der ÖVP. Der gebürtige Wiener studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, war Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft und Forschungsassistent an selbiger Uni und fungierte, bevor er sich selbstständig machte, als Sprecher und Projektmanager der Initiative „GO-ON Österreich ans Internet“. Danach war er viele Jahre geschäftsführender Gesellschafter in verschiedenen Firmen – einer also, der im Unterschied zu vielen anderen Politikern selbst lange unternehmerisch tätig war.

VP-Freundschaften: Mahrer mit Köstinger, Kurz und Blümel. © E. Köstinger/Facebook

GIN und Gründer

In seiner Funktion als Staatssekretär hat Mahrer das ambitionierte Ziel ausgerufen, Österreich zum Gründerland Nummer 1 in Europa machen zu wollen. Die von ihm mitgetragene Gründerlandstrategie mit 40 Punkten brachte unter anderem das Crowdfunding-Gesetz (mehr dazu hier) auf den Weg, außerdem initiierte er das GIN-Programm. Dieses soll dafür sorgen, dass Startups einfach in die vier Partnerregionen Israel, Japan, Singapur und Hongkong gehen können, um dort Business zu machen – und dass aus diesen Ländern bzw. Städten Jungfirmen einfach nach Österreich kommen können. Als Wirtschaftsminister will Mahrer am Ziel festhalten, in die Gruppe der Innovation-Leader zu führen, sagte er bei seiner heutigen Antrittsrede im Nationalrat.

Trotz des Vorantreibens des Startup-Themas war Mahrer in Interviews (u.a. mit Trending Topics) auch durchaus kritisch mit der Szene. „Man muss aufpassen, dass das kein Hype wird so wie im Jahr 2000“ sagte er genauso wie „wir machen keine Start-up-Strategie, wir machen eine Gründerland-Strategie. Die Start-up-Szene im Kern, so wie sich die Szene selber versteht, ist ja nur ein kleiner Teil.“ Sein einziges Thema war Gründertum ohnehin nicht: Mahrer war auch maßgeblich an der Bildungsreform beteiligt, die im Oktober 2016 beschlossen wurde. Dass der ehemalige Unternehmer nun als Wirtschaftsminister eingesetzt wurde, brachte ihm aus der Gründerszene jedenfalls viele Likes auf Facebook ein.

Ein pinker Schwarzer?

Politisch gilt Mahrer als sehr wirtschaftsliberal (Zeit.de bezeichnete ihn einmal als „pinken Schwarzen“) und einer, der die traditionsbewusste Partei modernisieren möchte – dazu passt das jugendliche Image, dass er gerne pflegt. Im Umgang mit Journalisten und der Gründerszene zeigte sich Mahrer meist amikal und von tiefem Verständnis für die Materie, im Umgang mit seinem Team, wo es im letzten Jahr einige Wechsel gab, soll er manchmal lauter werden. Auch wenn er oft Innovation predigt, den alten Werten schwört der deswegen aber nicht ab. Zwar ist er etwa für mehr Coding-Unterricht an Schulen, sagt aber auch: „In einer westlichen Demokratie, die auf humanistischen Prinzipien aufbaut, sollte man Latein nicht abschaffen.“

Privat, so berichtet die APA, hört Mahrer gerne Hip-Hop („No Sleep Till Brooklyn“ von den Beastie Boys inspirierte zum Gründerland-Spruch), geht auf die Jagd und schwimmt gerne – unter anderem im Millstätter See bei Spittal. In der Nähe des Sees ist nicht nur seine Gattin Andrea Samonigg-Mahrer beruflich tätig (sie ist Chefin des Allgemein öffentlichen Krankenhauses in Spittal an der Drau), dort soll er auch des öfteren auf privat Bundeskanzler Christian Kern treffen, der dort ein Haus besitzt. Mit Kern teilt sich Mahrer jedenfalls eine Affinität für die Themen Digitalisierung, Innovation und Startups. Sollte Mahrer nach der Wahl im Herbst in einem Regierungsteam sitzen, so ist jedenfalls klar, dass das Startup-Thema dann weiter auf höchster Ebene Relevanz hat.

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