Hans Arsenovic von den Grünen: „Um Kreativität bei Startups zu fördern, ist finanzielle Sicherheit notwendig“

Hans Arsenovic von den Grünen im Gespräch mit Jakob Steinschaden von Trending Topics. © Trending Topics
Hans Arsenovic von den Grünen im Gespräch mit Jakob Steinschaden von Trending Topics. © Trending Topics

Stephanie Cox von der Liste Pilz, Oliver Stauber von der SPÖ – und jetzt Hans Arsenovic von den Grünen. Im Zuge des Wahlkampfs führen wir Interviews mit Vertretern aller Parteien, die zur Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 antreten. Arsenovic ist Landessprecher von der Grünen Wirtschaft Wien, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien und selbst mehrfacher Firmengründer – aktuell ist er auch Geschäftsführer der Solarien-Kette Sun Company.

Im Gespräch mit Trending Topics erörtert er die Positionen der Grünen in Sachen Startups, seine Sicht auf die von den Grünen geforderte 35-Stunden-Woche, das Bedingungslose Grundeinkommen und den Ausbau von Elektroladestationen in Wien. Das volle Interview gibt es hier zu sehen, unten findet ihr die wichtigsten Aussagen:

Trending Talk: Die Startup-Politik der Grünen

Trending Talk: Jakob Steinschaden von TrendingTopics.at diskutiert heute mit Hans Arsenovic, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien und Landessprecher der Grüne Wirtschaft Wien, über die Startup-Politik der Grünen:

Posted by TrendingTopics.at on Donnerstag, 7. September 2017

Was ist die grundlegende Position der Grünen in Bezug auf Startups?

Arsenovic: Wir haben uns schon vor zehn Jahren das Themen Neugründer, KMU und EPU auf die Fahnen geschrieben. Wir sollten den Startup-Begriff weiter fassen. Das erste Bild, dass man hat, sind die coolen WU-Absolventen, die eine App programmieren und das Ziel haben, im Silicon Valley zu landen. Für mich sind Startups aber genauso die Bäcker, die Schneider, die Steuerberater, die Buchhalter, also viele viele Menschen, die sich trauen, sich selbstständig zu machen. Und da geht´s einfach darum, diese Menschen, die diesen Mut haben, bestmöglich zu unterstützen.

Welche konkreten Forderungen, die Startups betreffen, haben die Grünen für die nächste Legislaturperiode?

Arsenovic: Es geht auf jeden Fall in die Richtung One-Stop-Shop. In kurzer Zeit soll es eine Entscheidung über Gründung und Förderung geben, mit möglichst wenig Hürden. Da sind wir vor allem in Wien durch die Wirtschaftsagentur auf einem sehr guten Weg, wobei man sagen muss, dass es immer zu langsam geht. Wir haben einige Reformen hinter uns, die mir zu wenig weit gehen, da spreche ich etwa die Gewerbereform an. Da hätte ich mir mehr gewünscht, man hat bei der Gewerbeordnung immer noch das Gefühl, es ist ein Zunftwesen aus dem 18. Jahrhundert. Wir Grünen wollen eine noch bessere Willkommenskultur für all diese mutigen Menschen, die jetzt gründen.

Ist die von den Grünen geforderte 35-Stunden-Woche nicht kontraproduktiv für Startups?

Arsenovic: Natürlich gibt es diese Diskussion auch innerhalb von Parteien. Ich als Vertreter der Grünen Wirtschaft sehe vielleicht manche Dinge anders als unser Kandidat Markus Koza, der aus der Arbeiterkammer kommt. Ich persönlich würde eine Arbeitszeitverkürzung nur dann unterstützen, wenn es viele andere begleitende Maßnahmen gibt.

Eine populäre Idee in der Startup-Szene ist das Bedingungslose Grundeinkommen. Wie stehen die Grünen dazu?

Arsenovic: Bei solchen Vorschlägen ist es oft so, dass sie sofort ideologisch aufgeladen werden, obwohl das in dem Fall gar nicht notwendig wäre. Die Diskussion haben wir, eindeutig. Es gibt natürlich Menschen, die sagen, Bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet, den Staat und die Sozialleistungen zurückzudrängen. Ich sehe das ganz pragmatisch. Um Kreativität gerade bei Startups und Jungunternehmern zu fördern, ist finanzielle Sicherheit notwendig. Derzeit haben wir das Problem, solange der Gewerbeschein noch da ist, eine Mindestsicherung zu bekommen. Aber wir brauchen eine Grundsicherung, egal wie die heißt, und das unterstütze ich zu 100 Prozent.

Werden die Grünen das Thema Elektromobilität vorantreiben?

Arsenovic: In Wien ist das im nächsten Jahr eines unserer Hauptthemen. Es passiert gerade sehr viel, auch wenn das noch nicht sichtbar ist. Sehr stark sichtbar werden in den nächsten ein zwei Jahren die Ladestationen im öffentlichen Raum. Ein zweites wichtiges Thema ist die Logistik: Wie kommen in Zukunft Güter in die Stadt? Wo werden Waren auf kleine Elektro-LKW umgeladen? Welche Rolle spielen Elektro-Lastenfahrräder auf der letzten Meile eine Rolle? Da gibt es tolle Projekte, die jetzt gerade in der Umsetzung sind.

Sie haben Ihre erste Firma mit 19 gegründet. Welche Tipps haben Sie für angehende Gründer?

Arsenovic: Der wichtigste Tipp ist, keine Angst zu haben. wenn man schon bei der Gründung ans mögliche Scheitern denkt, dann ist es vielleicht nicht der richtige Weg, den man einschlägt. Der Mut, eine Idee umsetzen zu wollen und sich selbstständig zu machen, sollte noch weiter forciert werden, dass passiert noch zu wenig. Wir sind immer noch kein Land von Gründern. Nicht nur auf den Unis, auch an den Berufsschulen sollte man das als zusätzliche Option vermittelt bekommen.

Mein zweiter Tipp: Mit Menschen sprechen und sich von jenen das Wissen holen, die schon mehr Erfahrung haben als man selbst. Wir haben so viele Menschen, die über 50 sind, ihren Job verloren haben, aber selber schon gegründet haben und dieses Wissen gerne weitergeben würden. Dieses Wissen sollte man annehmen.

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