Exklusiv-Bericht

Handvenen-Scanner: Start-up holt sich 150.000 Euro für seine Security-Technologie

Gründer Rainer Philippeit lässt seine Venen mit "ID-Palm" scannen. © Philippeit Biometric Secure Systems
Gründer Rainer Philippeit lässt seine Venen mit "ID-Palm" scannen. © Philippeit Biometric Secure Systems

Nein, diese Technologie ist nicht für den Hausarzt gedacht, sondern für die Haustür: Das niederösterreichische Unternehmen Philippeit Biometric Secure Systems ist eines jener Start-ups, die Sicherheitstechnologie auf die nächste Stufe heben wollen. Ihr Handvenen-Scanner (ID-Palm, man hält die Hand einfach über das Gerät, kein Kontakt notwendig) ist dafür gedacht, einen Menschen auf Basis seiner Venenstruktur in der Hand in Bruchteilen einer Sekunde erkennen und ihm dann Zugang zu einem Gebäude, einer Kasse oder einem Bankomaten geben zu können. Philippeit Biometric hat sein Produkt bereits an einem Bankomat der Raiffeisen Wien-Niederösterreich (statt den Code einzutippen, scannt man seine Hand), am Flughafen Wien (biometrische Kontrolle der Mitarbeiter) oder einer Apotheke in Hallein im Einsatz.

Hier kommt nun der Wiener Risikokapitalgeber Venionaire Capital ins Spiel: Wie TrendingTopics.at exklusiv erfuhr, hat Venionaire 150.000 Euro in die Firma von Gründer und Geschäftsführer Rainer Philippeit investiert. Und: „Wir sind jetzt dabei, weitere Co-Investoren für das Projekt zu suchen, die 300.000 bis 500.000 Euro finanzieren wollen“, sagt Venionaire-Chef Berthold Baurek-Karlic. Parallel läuft auf der österreichischen Crowdinvesting-Plattform Conda eine Kampagne, bei der Philippeit bis zu 150.000 Euro einnehmen könnte. Derzeit hält man bei etwa 14.000 Euro (die Kampagne läuft noch 35 Tage). Verläuft alles nach Plan, könnte das Security-Start-up am Ende mit bis zu 750.000 Euro ausgestattet sein. Für die Conda-Kampange hat Philippeit Keyvan Rastegar, Eigentümer der Anwaltskanzlei RPCK – Rastegar Panchal, als Experte für alternative Frühphasen-Beteiligungsmodelle engagiert.

Handfläche statt Schlüssel und Code

„Das Hauptanwendungsgebiet ist sicherlich der physische Zutritt, aber auch dort, wo es darum geht, Compliance zu unterstützen. Ein Geschäftstreibender etwa kann damit in jedem Bereich, wo eine Kasse verwendet wird, Diebstahl verhindern“, sagt Philippeit, der außerdem Exekutivbeamter im Innenministerium ist, im Gespräch mit TrendingTopics.at. Der Scan der Hand dauere einen Bruchteil einer Sekunde und sei deutlich sicherer als die Fingerprint-Technologie: Ein Fingerabdruck hätte im Schnitt 18 Identifikationsmerkmale, Handvenen etwa zwei Millionen. Zusätzlich biete die Technologie eine Lebend-Erkennung, d.h. es müsse tatsächlich Blut durch die Venen fließen, weil erst das Blut die Handvene für den Sensor sichtbar mache. Die Venenstruktur einer Hand wäre ab einem Alter ab sechs Jahren ein Leben lang “gültig”, weil sie sich danach (abgesehen bei schweren Unfällen) nicht mehr ändere.

Mit dem frischen Kapital will Philippeit in Forschung und Entwicklung investieren, Software als auch Hardware verbessern und eine Consumer-Variante für den Marktstart 2016 vorbereiten, die einen mittleren dreistelligen Betrag kosten soll. Konsumenten könnten sich den Venen-Scanner dann dazu installieren, um ihre Haustüre aufzusperren. Allein ist Philippeit mit seiner Technologie nicht: Große japanische Konzerne wie Fujitsu („Palm Secure“) oder Hitachi (in Kooperation mit der britischen Großbank Barclays) haben vergleichbare Lösungen schon länger am Markt. Philippeit jedenfalls strebt an, sich mit eigenen Patenten von der Konkurrenz abzuheben.

R. Philippeit (Mitte) mit Anwalt K. Rastegar (l.) und Neo-Investor B. Baurek-Karlic. © J. Steinschaden
R. Philippeit (Mitte) mit Anwalt K. Rastegar (l.) und Neo-Investor B. Baurek-Karlic. © J. Steinschaden

Politik an Technologie interessiert

Die Thematik hat auch eine politische Dimension. „Sogar in der Politik ist das Thema bereits angekommen, wo bereits diskutiert wird, dass Handvenen-Daten statt dem Foto zur eindeutigen Identifizierung verwendet werden sollen, um Sozialmissbrauch einzudämmen. Das wird von uns in jeder Hinsicht informativ unterstützt“, sagt Philippeit. Auch kursieren bereits Ideen in der Branche, die Außengrenzen der EU (Stichwort „Frontex“) mit der Technologie auszustatten – eine sensible politische Debatte. Technologisch wäre es jedenfalls machbar: Pro Hand fallen laut Philippeit etwa 600 Kilobyte an Daten an, sodass diese auch auf kleinen Chips (z.B. einer eCard) gespeichert werden können. Seine Tätigkeit im Innenministerium habe aber nichts mit seinem Security-Unternehmen zu tun: „Da lege ich höchsten Wert darauf, das ist ganz glasklar voneinander getrennt ist.“

Dass Venionaire jetzt bei Philippeit einsteigt, begründet Baurek-Karlic folgendermaßen: „Wir sehen als Risikokapitalgeber einen Trend weg von Passwörtern, es fließt immer mehr Kapital in den Bereich von Security-Lösungen. Ich glaube, dass wir in fünf Jahren keine Passwörter mehr verwenden, und alle großen Tech-Firmen arbeiten an Ersatzlösungen. Da wird es einfach darum gehen, wer die sicherste, praktikabelste und schnellste Lösung haben wird.“ So sicher der Handvenen-Scan auch sein mag, 100-prozentige Sicherheit will niemand garantieren, schließlich geht es bei den Lösungen auch um Convenience. Baurek-Karlic: „Das Einzige, das sicherer wäre, wäre eine DNA-Probe, aber wer wartet schon gerne eine Woche, bis die Tür aufgeht.“

Alle Details zur laufenden Crowdinvesting-Kampagne des Start-ups finden sich auf conda.eu.

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