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guh: Millioneninvestment für Wiener Startup, das ein Betriebssystem für IoT-Geräte entwickelt

Die Gründer von guh: Simon Stürz, Simon Hönegger, Lukas Mayerhofer und Bernhard Trinnes. © guh GmbH
Die Gründer von guh: Simon Stürz, Simon Hönegger, Lukas Mayerhofer und Bernhard Trinnes. © guh GmbH

Das Wiener Start-Up guh wirft sich mit seinem Internet Of Things-Betriebssystem nymea in einen Sharktank. Gegen Google, Apple und Amazon kämpft es um jene KMUs, die ihre Geräte Internet-fähig machen wollen. Und das intelligenter, sicherer und einfacher in der Anwendung: So positioniert CEO und Co-Founder Simon Hönegger seine IoT-Lösung und sammelt dafür eine siebenstellige Eurosumme.

„Heute werden für unzählige Produkte endlos viele Konnektivitätslösungen gebaut. Oft ist es gar nicht klar, wozu die Geräte internetfähig gemacht werden.“ Simon Hönegger möchte mit seinem Betriebssystem nymea aus klassischen Produkten sinnvolle IoT-Devices ermöglichen.

Vor zwei Jahren wurde guh von Bernhard Trinnes, Simon Hönegger, Lukas Mayerhofer und Simon Stürz ins Leben gerufen, zahlreiche Projekte wurden bereits erfolgreich abgewickelt. Nun steht die Internationalisierung auf dem Plan. Dafür bekam guh jetzt ein siebenstelliges Investment von einem Investorenkonsortium unter Mitwirkung von AWS Double Equity. Konkrete Summen und Investoren werden derzeit nicht genannt. Es soll sich jedenfalls um ein „niedriges siebenstelliges Investment“ handeln, dass „zu einem großen Teil von einem erfolgreichen, deutschen, mittelständischen Unternehmen“ kommt, lässt das Startup wissen.

Wer bei Null anfängt, macht Fehler

Erfolgreiche Hacker-Angriffe auf IoT-Devices bescheren Unternehmen Alpträume und füttern die IoT-Halls of Shame mit teilweise absurden Fails. Der Grund: Eigenentwicklungen, gerade bei mittelgroßen Unternehmen, sind oft zu wenig ausgereift. „Heute fangen viele Unternehmen bei Null an. IoT-Lösungen werden selbst entwickelt – das ist ein immenser Aufwand, bei dem unter Zeitdruck der Schutz vor Hackern und Ausfallsicherheit auf der Strecke bleiben können“, sagt Hönegger.

Dem soll nymea als Betriebssystem entgegenwirken. Es dient als Basis für IoT-Funktionen, die für das oder gemeinsam mit dem Unternehmen entwickelt werden. Sind die Geräte dann auf dem Markt, werden sie laufend mit Updates bespielt, Sicherheitslücken geschlossen und neue Funktionen implementiert. nymea soll für Unternehmen so etwas wie das Android für IoT-Geräte werden – inklusive Apps aus dem eigenen Store.

Wenn die Cloud ausfällt, werden die Geräte dumm

Die Standardlösung für viele Unternehmen heute: IoT-Clouds, welche die Funktionen der vernetzten Geräte zur Verfügung stellen. Fällt die aber Cloud aus, werden die Geräte dumm. Auch hier will man mit nymea bewusst einen anderen Weg gehen: „Wenn wir möglichst viele Prozesse am Gerät selber ausführen, laufen die IoT-Geräte deutlich verlässlicher. Weiters kommunizieren die Devices vor Ort direkt miteinander und nicht über die Cloud. Die Ausfallsicherheit steigt signifikant“, erklärt Hönegger und fügt hinzu: „Deshalb empfehlen wir relativ starke Hardware, damit für zukünftige Funktions-Updates genug CPU-Power bereit steht, um die Geräte über einen langen Zeitraum auf dem aktuellsten Stand zu halten.“ Eine Strategie, die etwa auch Tesla fährt.

Die Zukunft von IoT: Baukasten und Open Source

„Es wird sich in den nächsten Jahren grob ändern, wie man Produkte baut. Wenn ein chinesisches Smartphone-Unternehmen heute ein Handy baut, verwendet es Android. Das Betriebssystem selbst zu entwickeln wäre ein Wahnsinn. Und das wird auch bei IoT passieren“, ist sich Hönegger sicher und sieht dabei einer gravierenden Umkehr in der Produktentwicklung entgegen: „Es kann gut sein, dass wir dann bald nicht mehr Geräte IoT-fähig machen, sondern sie um die Anforderungen des Internet of Things herum entwickeln. Jedes Produkt wird ein App Store mit viel mehr Einsatzmöglichkeiten im Vergleich zu heute sein.“

Entgegen der drei Großen – Apple, Amazon oder Google – hat das Wiener Startup den Kern seiner Software als Open Source freigegeben. „Unsere Hoffnung ist, dass in Zukunft 90 Prozent der weltweiten IoT-Geräte auf Open Source laufen.“ So möchte Gründer Hönegger auch der Marktmacht der großen amerikanischen Konzerne entgegenwirken und eine rasche, globale und Community-basierte Weiterentwicklung fördern.

Bei guh arbeiten heute 15 Menschen aus vier Ländern am IoT-Betriebssystem nymea, welches in Österreich, Deutschland und Frankreich zur Anwendung kommt. Das Unternehmen wurde 2016 gegründet, wurde im selben Jahr Gewinner der „I.E.C.T. Challenge 2016“ und hat heute seinen Sitz in Wien. Einige Projekte wurden in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt. Das nächste: Garagentor-Motoren werden mit nymea-Technologie intelligent gemacht. Das Tor kann dann etwa bei einer Paketzustellung  einen Spalt geöffnet, überwacht und wieder geschlossen werden.

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