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Gründer der Woche: Von der Fräse zur Startup-Werkstätte

Die Happylab-Geschäftsführer Karim Jafarmadar und Roland Stelzer. © Happylab
Die Happylab-Geschäftsführer Karim Jafarmadar und Roland Stelzer. © Happylab

In der Schönngasse 15-17, 1020 Wien entsteht eine neue Anlaufstelle für alle, die einen Makerspace suchen: Die Happylab-Gründer eröffnen dort künftig eine neue Innovationswerkstatt. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 2006, es gibt also viel zu erzählen. Wir haben uns mit Karim Jafarmadar und Roland Stelzer, den Gründern des Happylabs und unseren Gründern der Woche, unterhalten.

Happylab: Gründung 2006

Satte 1,5 Millionen Euro kostet die neue Werkstätte im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Die Eröffnung ist für den Frühling 2021 geplant. Neben Maschinen in den Bereichen Metall- und Holzbearbeitung wird es auf den etwa 900 Quadratmetern auch einen integrierten Coworking Space geben. Als man 2006 gestartet ist, war alles noch ein wenig kleiner, erzählen die Gründer: „Die Idee für das Happylab ist im Zuge von Forschungsprojekten entstanden. Für unsere eigenen Projekte im Bereich der Robotik brauchten wir Maschinen, die wir uns allmählich angeschafft haben.“

Von der Fräse zur Werkstatt

Als erstes wurde dann in eine kleine Fräse investiert – und dann ging es Schritt für Schritt weiter: „So entstand das erste Happylab mit ein paar wenigen Maschinen und Handwerkzeugen im Jahr 2006 in einem kleinen Kellerlokal im 20. Bezirk.“ Und wie es halt oft so ist, gab es auch viele andere Menschen aus ganz anderen Tätigkeitsfeldern, die mit den angeschafften Maschinen Projekte umsetzen wollten.

„Lustigerweise war der erste Interessent ein Künstler, der ganz andere Dinge fabrizieren wollte“, erinnert sich Karim Jafarmadar zurück. Das habe aber schon von Beginn an gezeigt, dass die Maschinen sehr interdisziplinär genutzt werden konnten. So kam letztlich die Idee auf, die Werkstatt zu öffnen und auch anderen den Raum und die Infrastruktur für ihre eigenen Projekte zur Verfügung zu stellen. „Dabei war es uns immer schon wichtig, dass das Happylab keine freakige Roboterwerkstatt wird, sondern für eine sehr breite Zielgruppe zugänglich ist“, erklärt Roland Stelzer.

Über 2.000 Mitglieder

Aus der Idee ist eine Reihe von Werkstätten mit insgesamt über 2.000 Mitgliedern geworden, die für die Nutzung der Maschinen bezahlen. Kostenpunkt: zwischen 9 und 49 Euro pro Monat, je nach Umfang. Wer kommt da so? „Von Studierenden, die ihre Diplomprojekte bei uns umsetzen, über (Schmuck-)DesignerInnen bis hin zu Hardware-Startups, die ihre Prototypen bei uns entwickeln, ist alles dabei. Es kommen auch viele Privatpersonen, die in ihrer Freizeit hobbymäßig bei uns an Projekten arbeiten. Gerade aus solchen Hobby-Projekten entwickeln sich oft die innovativsten Ideen“, erzählt Jafarmadar. 

„Lokale Innovations- und Produktionswerkstätte“

2021 kommt der erwähnte neue Standort dazu. Die Hoffnungen sind groß, erzählen die beiden Gründer: „Das neue Happylab im Stuwerviertel soll ein Ort werden, an dem Prototyping, Produktentwicklung und Kleinserienfertigung an einem einzigen Ort mitten in Wien stattfinden kann. Durch die Erweiterung unseres Maschinenparks mit professionellem Equipment und neuen Schulungsangeboten und Consulting soll Startups und KMU, die vor der Unternehmensgründung oder an neuen Produktideen arbeiten, unter die Arme gegriffen werden.“

Der Aufbau einer eigenen Prototyping-Werkstatt ist für Startups und KMU sei in dieser frühen Unternehmensphase oft nicht machbar oder ressourcentechnisch nicht sinnvoll. Berger: „Wir sehen das Happylab daher auch als lokale Innovations- und Produktionswerkstätte, die einer Auslagerung der Produktentwicklung und Produktion nach Asien entgegenwirkt. Wir erhoffen uns daher, möglichst vielen Ideen zur Umsetzung verhelfen zu können.“

Mit Masken durch Corona

Bis dahin ist hoffentlich auch wieder ein zumindest halbwegs regulärer Betrieb möglich. Mit dem ersten Lockdown Mitte März mussten die Werkstatt für mehrere Wochen schließen.  „Da Däumchen drehen keine Option für uns war, haben wir uns zu dem Zeitpunkt überlegt, welchen Beitrag die Maker-Szene in so einer herausfordernden Zeit für die Gesellschaft leisten kann.“

So hat man sich damals entschieden, das Open Source Face Shield Design des tschechischen 3D-Drucker-Herstellers PRUSA im eigenen Lab zu produzieren und an ÄrztInnen, Pflegepersonal und Krankenhäuser zu verteilen. 2.000 Face Shields konnte man in wenigen Tagen produzieren. Demnächst sollen Atemschutzmasken für medizinisches Personal folgen, die mit dem 3D-Drucker hergestellt werden können. Die ersten Prototypen gebe es bereits.

Und die langfristigen Wünsche, neben einem möglichst normalen Betrieb? Die Gründer: „Dass möglichst viele – durchaus auch verrückte – Ideen im Happylab Wirklichkeit werden. Dass jeder in Wien das Happylab kennt und mit Kreativität und Innovation in Verbindung bringt. Und dass Leute hier eine neue Leidenschaft finden, in dem sie ihre Ideen einfach umsetzen können.“

+++Gründer der Woche: Die Carsharer, die Teslas tokenisieren+++

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