Channel

People

Moritz Putzhammer

Gründer der Woche: Der Founder, der Algorithmen traden lässt

Moritz Putzhammer (CEO) und Christopher Helf (CTO) von Trality. © Trality
Moritz Putzhammer (CEO) und Christopher Helf (CTO) von Trality. © Trality

„Wir wollen automatisiertes Trading von der Wall Street in den privaten Bereich bringen“, sagte Trality-Mitgründer Moritz Putzhammer Anfang des Jahres zu Trending Topics. Der Weg dürfte stimmen: Diese Woche konnte sein Startup Trality 1,5 Millionen Euro einsammeln.

„Trality ist die Plattform für jeden, der automatisierte Trading-Bots entwickeln und mit ihnen traden möchte“, erklärte der Gründer im Gespräch mit Trending Topics. Er selbst habe beim privaten Trading gemerkt, dass langfristig Schlafzeiten oder Finanzmittel darunter leiden würden. Aus privater Erfahrung wisse Putzhammer, dass es als Privatperson „sehr sehr schwierig ist“, Wertpapiere und Kryptos zu handeln. Mit seinem Co-Founder Christopher Helf habe er dann „die ersten kleinen Automatisierungsversuche gewagt“.  Einer der Hauptgründe für diese Problematik: „Wir sind als Menschen einfach unglaublich ‚gebiased‘, also unglaublich voreingenommen“. Darum würden Probleme entstehen, den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen oder Verkaufen zu finden.

Automatisierte Trades bei den Profis

Im professionellen Trading-Bereich würde hingegen 90 Prozent bereits automatisiert vonstatten gehen. Der Algorithmus entscheidet gewissermaßen, nicht mehr der Mensch. „Das sehen wir im privaten Bereich nicht“, erklärt Putzhammer. Das liege vor allem an den teuren, oft sehr komplexen Tools und dem Zeitaufwand, der für das Erlernen der Tools hergenommen werden muss. Trality soll darum „über 50 Millionen privaten Tradern“ die Möglichkeit geben, mit automatisiertem Trading Profit zu machen.

Zwei Kundengruppen

In der Praxis bietet Trality eine Marktplatzlösung, die zwei Kundengruppen ansprechen soll. Putzhammer: „Auf der einen Seite haben wir unsere Creator, die von uns Tools und Daten bekommen, um die bestmöglichen Trading-Bots zu erschaffen. Die Creator können dann entweder mit ihren Bots bei uns handeln oder die Bots eben auf den Marktplatz stellen, um sich so auch noch eine potenzielle Nebeneinkunft zu schaffen“. Der Code muss dafür nicht offengelegt werden.

Die zweite Kundengruppe ist die klassische Nutzer-Community. „Über die Trality-App können sich Nutzer mit wenigen Klicks den perfekten Bot aussuchen, diesem Folgen – das ist kuratiert und kontrolliert -, und jeder Trade vom Creator wird dann auch das Konto des Nutzers gespiegelt“. Vereinfacht: Der Bot weiß über den Creator, was zu tun ist – und der Nutzer verlässt sich auf den Algorithmus.

Millionen-Investment in der Krise

Die Idee ist bei einigen Investoren gut angekommen. 1,5 Millionen Euro konnte Trality diese Woche einsammeln. Was macht man mit so viel Geld? „Wir investieren das Geld vor allen Dingen in Research & Development, damit wir unseren USP noch weiter ausbauen können. Da geht viel auch in Richtung Machine Learning“, erklärt der Gründer. Der zweite Fokus liege auf dem Marketing. Und: Das Team soll aufstockt werden, „bis Ende des Jahres wollen wir auf zehn Personen kommen“, ergänzt Putzhammer. Das Geld kommt aus verschiedenen Bereichen: Rund 400.000 Euro kommen von Wiener Angel-Investoren aus dem Trading-Bereich, dem deutschen Blockchain-Accelerator Blockrocket sowie dem deutschen Fintech VC tokentus. Dieser Betrag wurde mit dem COVID-Startup-Hilfsfonds auf etwa 800.000 Euro verdoppelt, und der Rest auf die 1,5 Millionen Euro kommen von der FFG – darum auch der oben erwähnte Fokus auf Research und Development.

„Es geht schon um Spannung“

Trality selbst deklariert Putzhammer als Software-Unternehmen. „Das heißt, wir bieten den Cloudspace an, wo die Bots drauf laufen“. Kunden können sich automatisiert über eine API zum jeweiligen Exchange oder Broker verbinden. Als künftige Zielgruppe hofft Putzhammer auf die Millenials: „Natürlich sprechen wir nicht die Leute an, die sagen, sie wollen mit ihren Investments gar nichts zu tun haben. Es geht schon um diese Spannung“. Begeisterung für „innovative Arten des Handelns“ müsse aber vorhanden sein. Mittelfristig möchte er die nächsten Schritte gehen – und das Konzept von Trality auch auf „klassische“ Assets umlegen. Putzhammer: „Wenn die Leute in ein paar Jahren überall in ihrem Leben von Bots umgeben sind und das Gespräch dann in Richtung automatisiertes Investment geht – dann ist Trality der Name, der einem in den Kopf kommen sollte“.

+++Trality: Wiener Startup baut einen App Store für Krypto-Bots+++

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise