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Julian und Paul Zehetmayr

Gründer der Woche: Wiener Brüder als Könige der Programmierschnittstellen

Julian und Paul Zehetmayr haben apilayer gegründet. © apilayer
Julian und Paul Zehetmayr haben apilayer gegründet. © apilayer

Anfang der Woche vermeldete das Wiener Startup apilayer den Exit. Die texanische Software-Firma Idera hat sich apilayer unter den Nagel gerissen. Das Unternehmen gehörte Julian und Paul Zehetmayr, für ersteren war es bereits der zweite Unternehmensverkauf nach Mobfox. Wir wollten von unseren Gründern der Woche wissen, wie es nach dem Exit nun weitergeht.

„Wichtiger Schritt für uns“

„Es geht uns sehr gut mit dem Verkauf, wir haben einen sehr guten Käufer gefunden“, erzählt Paul Zehetmayr. Rechtlich gesehen ist apilayer nun eine 100-Prozent-Tochter von Embarcadero Technologies, die wiederum eine Tochter von Idera ist. Idera würde apilayer „gut weiterbringen“ können, „die Texaner wollen sich mit apilayer noch weiter in der Developer Tools-Sparte etablieren“, weiß Zehetmayr. „Das ist ein wichtiger Schritt für uns, wir können jetzt alle Kräfte auf unser anderes Unternehmen Stack Holdings konzentrieren“, freuen sich die Brüder auf die Zukunft.

apilayer: Exit nicht geplant

Ganz absehbar sei der Exit nicht gewesen. Paul Zehetmayr: „Unser Ziel war von Anfang an, apilayer so breit wie möglich aufzustellen und mit jedem weiteren Jahr das Wachstum des Vorjahres in den Schatten zu stellen. Und das mit größtmöglicher Effizienz. Wir haben nie konkret auf einen Exit hingearbeitet. Hätten wir das gemacht, hätten wir uns auf die falschen Dinge konzentriert, davon bin ich überzeugt. Die ersten Gedanken in diese Richtung hatten wir erst Mitte 2019, als wir von einem großen Silicon Valley-Unternehmen auf einen möglichen Verkauf angesprochen wurden. Aus unserer Sicht war der Zeitpunkt damals allerdings noch etwas zu früh. Im Dezember 2020 hat es dann aber gepasst.“

apilayer: Gründung 2015

Davor stand jahrelange Arbeit. „Wir hatten Anfang 2015 die Idee einer automatisierten Schnittstelle zur Währungskonvertierung. Das gab es damals nur von großen Anbietern, die für komplizierte Lösungen sehr viel Geld verlangt haben“, erinnert sich Paul Zehetmayr zurück. „Man musste damals dafür mehrere hundert Dollar im Monat ablegen und die Integration war schwierig. Wir waren überzeugt, dass das einfacher und günstiger gehen muss und haben zuerst für uns intern eine solche Schnittstelle programmiert. Im Februar 2015 haben wir dann entschieden, unser Währungsprodukt unter der Marke apilayer auf den Markt zu bringen.“

Ausschlaggebend für den Erfolg der API-Produkte sei neben einem professionellen Marktauftritt auch die Einführung eines „Free Plan“ gewesen, sozusagen einer kostenlosen Version, die Entwicklern die Entscheidung leicht machte, das Produkt testweise zu integrieren, um später auf ein Premium-Abo ab 9,99 US-Dollar im Monat umzusteigen. „Wir hatten schnell ein paar zahlende Kunden“, erzählt der Co-Founder. Man habe auf Blogs und Technologie-Foren für Entwickler sehr stark versucht, die eigenen Produkte an den Mann zu bringen. „Das ergab dann relativ bald einen starken und stabilen Nutzerzufluss“.

Profitabel nach drei Monaten

Dazu habe es einen weiteren Vorteil gegeben. Die beiden Brüder hätten kaum Startkapital gebraucht, erzählen sie, nach nur drei Monaten sei man profitabel gewesen. „Wir waren extrem effizient unterwegs“, erzählt Paul Zehetmayr. „Das war eines unserer größten Assets. Wir sind keine Profi-Programmierer, haben uns aber genau die Dinge beigebracht, die wir gebraucht haben. Wir haben unsere Produkte auch vergleichsweise schnell auf den Markt gebracht. Wofür andere Firmen teilweise Jahre gebraucht haben, haben wir nur vier Monate gebraucht. Das ist auch heute noch so“. Der erste Mitarbeiter sei dann Ende 2016 gekommen, „der musste hinter uns erstmal aufräumen und optimieren“, lacht Zehetmayr. Mittlerweile sei man weltweiter Marktführer in 20 verschiedenen API-Nischenmärkten.

Fokus auf andere Firma und Produkte

Und wie geht es jetzt weiter? Paul Zehetmayr: „Wir stehen apilayer jedenfalls noch zumindest ein Jahr als Berater zur Verfügung und stellen sicher, dass einem weiteren Wachstum nichts im Wege steht. Wir konzentrieren uns außerdem auf Stack Holdings (das zweite Unternehmen der Brüder). Dort sehen wir langfristig sehr viel Potenzial, beispielsweise bei eversign, unserer Plattform für elektronische Signaturen, die mittlerweile eine der am stärksten wachsenden Plattformen europaweit ist. Mit invoicely sind wir bereits weltweiter Marktführer für Online Rechnungsstellung und werden das Produkt noch weiter ausbauen.“ Außerdem liege großer Fokus auf dem dritten Produkt der Brüder: „Mit ZeroSSL bieten wir eine innovative Lösung für SSL Zertifikate, die Konkurrenz ist da eher altbacken. Wir sind sehr froh, dass wir uns da jetzt voll reinsteigern können“, erzählt Paul Zehetmayr.

Ist es also nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Exit? Paul Zehetmayr schmunzelt: „Über die nächsten Jahre wird unser Fokus hauptsächlich auf Wachstum und Kundenzufriedenheit liegen, an einen weiteren Exit denken wir derzeit nicht. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt.“

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