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Verhütung über die Atemluft: Grazer Startup Carbomed entwickelt ungewöhnlichen Fruchtbarkeitstest

Evi Jesacher und Bastian Rüther von Carbomed. © Carbomed

Unter dem Schlagwort „natürliche Familienplanung“ haben sich einige Methoden zur Ermittlung der fruchtbaren Tage einer Frau etabliert, die einen ganz unterschiedlichen Ruf genießen. Am bekanntesten ist die Messung der Körpertemperatur. Das Problem: die Temperatur kann durch Einflüsse wie Sport oder Krankheit schwanken, die Methode ist ungenau. Ein Grazer Startup hat ein Gerät entwickelt, das nicht die Körpertemperatur, sondern den CO2-Gehalt in der Atemluft misst. Der Indikator ist laut den Gründern viel zuverlässiger: „Die Atemluft ist nicht so anfällig auf Einflüsse wie die Temperatur“, sagt Bastian Rüther, der gemeinsam mit Evi Jesacher die Geschäftsführung von Carbomed übernommen hat.

Offiziell nicht zur Verhütung gedacht

„Wir definieren den Zeitraum, in dem eine Frau fruchtbar ist, mit sechs Tagen“, erklärt Jesacher die Genauigkeit, „und durchschnittlich erkennt unser Gerät fünf Tage davon“. Das Gerät heißt ILO und ist in der ersten Version hauptsächlich zur Ermittlung der fruchtbaren Tage bei Kinderwunsch gedacht. Nach weiterer Forschung kann sich das Startup aber auch eine Zulassung als Medizinprodukt vorstellen – dann wäre ILO auch für die Verhütung geeignet. Das handliche Gerät hat ein Mundstück, in das die Nutzerin 60 Sekunden lange hineinatmet. Das Gerät ermittelt den CO2-Gehalt und überträgt die Daten an eine Smartphone-App. Dort kann dann abgelesen, werden, ob es sich wahrscheinlich um einen fruchtbaren Tag handelt oder nicht.

Derzeit gibt es von ILO einige, mit zahlreichen Frauen getestete, Prototypen, aber schon Ende des Jahres soll eine erste Serie produziert werden. „In etwa einem Jahr wollen wir am Markt sein“, sagt Jesacher. Das Gerät wird dann um etwa 350 Euro im Online-Shop von Carbomed erhältlich sein.

Auch für Leistungstests und Unverträglichkeiten

Entwickelt wurde die Methode ursprünglich von Ludwig Wildt, dem Leiter der Gynäkologie an der Universität Innsbruck, der Carbomed 2013 auch mitbegründet hat. Wildt hat schon in den 1990er-Jahren entdeckt, dass sich aus dem CO2 in der Atemluft zahlreiche Rückschlüsse ziehen lassen. Dementsprechend will das Team von Carbomed die Funktionen von iLo in Zukunft auch ausbauen. Das Gerät tauge nach einer Weiterentwicklung etwa auch für Leistungstests oder zur Ermittlung von Unverträglichkeiten.

Das Kernteam von Carbomed ist mittlerweile auf sieben Personen angewachsen. Noch sitzt das Startup im ZWT in Graz, dem Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin. Dort hat das Team einen guten Zugang zu den Medizinern und zur Infrastruktur der Medizinischen Universität Graz.

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