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Grapevine: ELGA-Macher will Patienten Daten gegen Krypto-Coins tauschen lassen

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Das Wiener Startup Grapevine World will seine Nutzer mit einem eigenen Krypto-Token Gesundheitsdaten handeln lassen. Dazu startet die Firma im Juni einen ICO, bei dem der Token GRAPE ausgegeben wird. Eigentümer der 2017 gegründeten Grapevine World GmbH ist Martin Tiani, dessen Softwarefirma Tiani Spirit auch für ELGA verantwortlich zeichnet. ELGA ist die österreichische elektronische Gesundheitsakte, über die Krankenhäuser und Ärzte Gesundheitsdaten austauschen können. Für die ELGA-Entwicklung hat der Bund insgesamt 2,4 Mio. Euro locker gemacht.

Bei dem Grapevine-ICO sollen ab Juni 30 Prozent der insgesamt rund 3,7 Mrd. GRAPE-Token vergeben werden. Ein Token wird im ICO 0,10 Dollar kosten. Noch bis 21. Februar läuft dazu ein Pre-Sale, bei dem GRAPEs günstiger zu haben sind. Insgesamt will Grapevine bei dem ICO 100 Mio. Dollar einnehmen. Umgesetzt wird der ICO auf der Ethereum-Blockchain. Gegen Ende des Jahres sollen die Token auch an Börsen gehandelt werden können.

Plattform für normierte Gesundheitsdaten

Grapevine will eine Plattform für die Verwaltung von Gesundheitsdaten durch Patienten entwickeln. Das System sorgt dafür, dass Gesundheitsdaten aus verschiedenen Quellen normiert werden. Dazu setzt das Startup auf den IHE-Standard, der weltweit bereits in 200 medizinischen IT-Produkten zum Einsatz kommt.  Patienten will Grapevine mit der Möglichkeit locken, bestimmte Daten aktiv Ärzten freigeben zu können. Co-Founder Walter Schleschitz: „Etwa, um eine zweite Meinung einzuholen“.

Das System funktioniert folglich ähnlich wie die staatliche Gesundheitsakte ELGA. Die Daten kommen allerdings nicht nur von Ärzten und Krankenhäusern, sondern von den Patienten selbst. Medizinische Befunde oder Röntgenbilder werden über Schnittstellen abgerufen. Andere Gesundheitsdaten wie etwa von Activity Trackern können von Nutzern hochgeladen werden.

Dickes Geschäft mit Gesundheitsdaten

Das Geschäftsmodell von Grapevine beruht aber nicht nur auf der Zielgruppe Patient. Unternehmen oder wissenschaftliche Einrichtungen sollen die Patientendaten kaufen können, um Studien durchführen zu können. „Unseren Berechnungen zufolge wird der Gesundheitsdaten-Markt bis 2023 auf 153 Mrd. Dollar ansteigen“, heißt es dazu im Whitepaper zum ICO. Damit die Weitergabe der Daten datenschutzrechtlich einwandfrei bleibt, sollen die Nutzer der Plattform ihre anonymisierten Daten selbst verkaufen – und zwar im Tausch gegen den GRAPE-Token.

GRAPEs können dann wiederum für den Erwerb von medizinischen Leistungen oder Produkten über die Plattform eingesetzt werden. Kann man über Grapevine also seine Gesundheitsdaten für eine Schönheits-OP verkaufen? „Ja, zum Beispiel“, sagt Schleschitz.

Sensible Daten bleiben getrennt von der Blockchain-Lösung

Die Gesundheitsdaten an sich bleiben übrigens physisch immer an ihrem Herkunftsort gespeichert – Grapevine ermögliche nur den Zugang, erklärt Schleschitz. Auch die Blockchain-basierte Lösung soll völlig unabhängig von den medizinischen Daten funktionieren. Schleschitz: „Blockchains sind ja öffentlich einsehbar – die Patientendaten werden dort sicher nicht gespeichert“.

Die eigentlichen Gesundheitsdaten sind bei Partnern gespeichert und werden über eine Schnittstelle von Grapevine abgerufen. Da liegt auch die größte Herausforderung für die junge Plattform, denn noch sind nicht viele Partnerschaften abgeschlossen. Derzeit arbeitet die Plattform in Österreich mit dem Medizintourismus-Zentrum Austrian Health zusammen. Bei Austrian Health können Patienten internationale Befunde und andere medizinische Dokumente hochladen und sich dann zu medizinischen Angeboten in Österreich informieren lassen. Weitere Partnerschaften seien geplant, so Schleschitz.

Austrian Health: Daten für Studien? Bei uns nicht geplant

Austrian-Health-CEO David Gabriel freut sich auf den Einsatz des Grapevine-Systems. „Die Idee ist ja ähnlich wie bei ELGA, nur dass Patienten die Daten selbst managen können“, so Gabriel im Gespräch mit Trending Topics. Für Austrian Health stehe die Möglichkeit im Vordergrund, Patientenakten grenzüberschreitend und datenschutzrechtlich einwandfrei verwenden zu können.

„Wenn einer unserer Kunden aus Moskau zu einem konkreten medizinischen Fall die Meinung von österreichischen Experten einholen wollte, war das bisher bei der Übermittlung der Daten oft ein Problem“, sagt Gabriel. Patientendaten auf Kundenwunsch für Studien freizugeben sei für Austrian Health derzeit aber kein Thema, versichert Gabriel. „Wenn wir merken, dass die Nutzer das wollen, schalten wir dieses Modul vielleicht frei“.

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