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Grape: Wiener Start-up bringt seinem Business-Chat bei, geschriebene Sprache zu verstehen

© Grape

Nein, „Artificial Intelligence“ (AI) sei das nicht, ist man beim österreichischen Start-up Grape bemüht zu betonen, man arbeite vielmehr an so genannter IA: „Intelligence Amplification“ versucht anders als AI nicht, am Nutzer vorbei autonome Arbeiten zu verrichten, sondern den Anwender in seinen Handlungen zu verstärken“, so Grape-Gründer Felix Häusler. Diese „Intelligence Amplification“ kommt ab sofort in dem Firmen-Chat-Software zum Einsatz, die das Start-up um 5 Euro pro Monat und Nutzer an Unternehmen verkauft, damit dort Mitarbeiter einen schnellen und einfachen E-Mail-Ersatz zur internen Kommunikation nutzen können – quasi ein WhatsApp für Firmen, das nicht zufällig an das gehypte Silicon-Valley-Start-up Slack erinnert. „Grape schlägt automatisiert Arbeitsabläufe zu Nachrichten vor, um Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern“, so Häusler. „So können beim Besprechen von Terminen direkt aus Grape heraus Kalendereinträge bei Outlook oder anderen Programmen gesetzt werden.“

Per NLP (Natural Language Processing)­ hat man es bei Grape nun geschafft, dass die Software die Chats der Nutzer in Echtzeit analysieren und verstehen kann. Schreiben zwei Nutzer etwa über einen Termin, erkennt Grape das und lässt sie den besprochenen Termin mit einem Klick in den Kalender eintragen. Außerdem kann Grape Teilinhalte (z.B. E-Mail-Adressen oder Telefonnummern) erkennen und Nutzer direkt aus den Apps heraus Aktionen (z.B. Eintrag in die To-Do-Liste, dass man dem Chat-Partner ein Dokument schicken muss) ausführen. Ziel der Technologie sei einerseits das intelligente Protokollieren von Firmenkommunikation (z.B. Wiederfinden der erfüllten und unerfüllten Aufgaben der letzten Woche) und andererseits das Automatisieren von Abläufen (z.B. Kalendereinträge managen, Tasks im firmeneigenen Projektmanagement-System erstellen etc.), so Häusler. „Das Einführen von Kommunikations-Guidelines ist enorm schwierig, schon bei mittelgroßen Unternehmen. Wenn wir automatisiert dort Ordnung reinbringen können, hat dies enormen Wert.“

Wie die NLP-Technologie bei Grape funktioniert, zeigt das Start-up in diesen GIFs:

Grape calendar action

Grape data labeling

 

Grape Search

„Rein europäischer Chat“

Als Grape-Nutzer muss man sich also darauf einstellen, dass alles, was man in die Apps hineintippt, in Echtzeit analysiert wird. „Wir stellen als einziger rein europäischer Chat sicher, dass die Kommunikation so gut wie möglich gegen äußere Eingriffe abgesichert ist. Die Software selbst klassifiziert die Sprache, so wie es ein Mensch auch tun würde, das aber in absoluter Client-to-Server-Verschlüsselung“, so Häusler. „Das man uns vertrauen kann, garantieren Kooperationen mit Security-Firmen wie SBA-Research und die ständige langsame Open-Source-Bereitstellung unserer Software.“

Den Meilenstein bei der Spracherkennung (künftig wäre auch möglich, gesprochene Sprache zu erkennen, so Häusler) hat Grape durch eine Zusammenarbeit mit dem Austrian Research Center for Artificial Intelligence (OFAI) sowie mit Hilfe einer Förderung durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) erreicht.

Grape und seine beiden Gründer Leo Fasbender und Felix Häusler hat bereits einige Jahre am Buckel. Mit Newsgrape versuchten die beiden 2011, eine Blogging-Plattform hochzuziehen, wollten danach Ubergrape zu einem Reddit für Medienunternehmen machen und hoben schließlich Chatgrape als eine Art WhatsApp für Firmen aus der Taufe. Für das nunmehr auf Grape hörende Start-up konnten sie als Investoren u.a. Betaworks (Twitter, Pinterest, etc.), Josh Miller (Product Manager der Obama-Administration) und Mark Pincus (Zynga) gewinnen. Business Angel Michael Ströck, der sein Start-up KochAbo Ende 2015 nach Deutschland verkaufte, ist bei Grape investiert und mittlerweile als Sales-Chef an Bord. Laut Angellist hat Grape bis dato mehr als 2 Millionen US-Dollar Investment erhalten und wird mit 5,5 Millionen US-Dollar bewertet.

Leo Fasbender und Felix Häusler mit Schutzpatron. © Jakob Steinschaden
Leo Fasbender und Felix Häusler mit Schutzpatron. © Jakob Steinschaden

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