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GovTech: Die Digitalisierung staatlicher Behörden bietet Startups eine 400-Milliarden-Dollar-Chance

Die Digitalisierung der staatlichen Behörden – Ein Markt, der 400 Milliarden Dollar schwer ist. © flickr_cc2.0_rhalfpaap
Die Digitalisierung der staatlichen Behörden – Ein Markt, der 400 Milliarden Dollar schwer ist. © flickr_cc2.0_rhalfpaap

Trending Topics war als einziges Medium zu einem Pioneers-Pannel eingeladen, bei dem eines der gewaltigsten Themen der kommenden Jahre diskutiert wurde: die Verschmelzung des öffentlichen Sektors mit der Technologie. Durch Blockchain und Smart Data bietet die Digitalisierung ein großes Einsparungspotenzial für das Staatsbudget und Entwirrung der überbürokratisierten Förderungs-, Sozial- und Verwaltungsstrukturen.

Expertenschätzungen zufolge ist der Markt weltweit 400 Milliarden Dollar schwer, wobei rund ein Viertel auf die USA entfallen soll. Bei der Zusammenarbeit zwischen Startups und den lokalen Regierungen steht die Effizienz im Vordergrund, vor allem die Vision einer Government-as-a-Platform. Pioneers-Gründer Andreas Tschas will sich in Zukunft verstärkt diesem Thema widmen, unter anderem mit einem GovTech-Event im kommenden Jahr. 

 Eine Plattform für viele Leistungen

“Die Bürger erwarten sich, die Behörden in der Tasche, also auf dem Smartphone, zu haben“, sagt etwa Max Schnödl, COO bei Accela, einem Unternehmen, das die Digitalisierung der Behörden seit 15 Jahren begleitet. Aktuell sind Behörden wie große, graue Konstrukte, die von oben herab über das Wohl und Wehe der Bürger bestimmen. Durch Apps und digitale Zugänge erleichtern wir den Menschen den Zugang zu den Behörden“, sagt Schnödl. Es gibt schon Beispiele wie in Denver. Dort kann ein Bürger auf der selben Plattform seine Wohnung über Airbnb vermieten als auch seine Steuererklärung abgeben. Auch in Estland, dem laut eigenen Angaben führenden Land bei der Implementierung der Blockchain-Technologie in behördliche Vorgänge, wurden erstmals Notariatsakte über die Technologie überprüft und versendet. Singapur geht noch einen Schritt weiter: Seit Anfang des Jahres agiert mit Dr Janil Puthucheary der erste GovTech-Minister im kleinsten Staat Südostasiens.

Doch derartige Bestrebungen sind durchaus zweischneidig: Die extrem wertvollen kumulierten Daten könnten in falsche Hände geraten oder gar von den Unternehmen missbraucht werden. Bekanntestes Beispiel ist Palantir. Das Big Data-Unternehmen aus dem Silicon Valley arbeitet mit Fokus auf Anti-Terror, Betrugsermittlung und HR-Agenden eng mit staatlichen und lokalen Behörden in den USA zusammen. Allerdings verlief die Zusammenarbeit nicht ohne Probleme. Die US-Regierung verklagte Palantir 2016 in Folge einer Überprüfung durch das US-Arbeitsministerium. Grund: Das Ministerium war der Ansicht, das Unternehmen diskriminiere systematisch asiatische Bewerber. Laut der Anklage ließ Palantir im Lauf des Bewerbungsprozesses „routinemäßig ausscheiden“, selbst wenn diese über gleiche „Voraussetzungen wie weiße Bewerber“ verfügten. Allerdings können durch die erhöhte Messbarkeit auch die Leistungen der Behörden transparenter werden.

Viele Behörden-Jobs werden obsolet

Stefan Ebner, CEO des österreichischen Software-Unternehmens Braintribe, sieht die Gefahr, dass die Software zahlreiche Jobs innerhalb der Behörden obsolet machen könnte. Die aktuell angebotenen Tools seinen wenig praktikabel und würden mehr Verlierer als Gewinner erzeugen. Die Eigenverantwortung der Bürger, welche Daten an Behörden weitergegeben werden und welche nicht, sei eines der Kernthemen der Zukunft. “Der Bürger muss entscheiden können, welche Daten er an die Behörden gibt und welche nicht. Jeder hat eine andere Vorstellung von Privatsphäre“, so Ebner.

Braintribe, das bisher anderen Unternehmen Software angeboten hat, will sich künftig auch den Staat und seine Behörden als Auftraggeber vorknöpfen. Auf einer Software-Plattform sollen Applikationen aufgebaut werden können, die dann beim Bürger als Smartphone-Apps oder Web-Dienste zur Verfügung stehen.

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