goStudent: Wiener EduTech holt 8,3 Millionen Euro

Mit einer Nachhilfe-App setzt das Startup GoStudent Nachhilfe rund um CEO Felix Ohswald zum großen Sprung an. Internationale Investoren sorgen für das nötige Kapital, um einen großen europäischen Player im sehr schwierigen Bildungsbereich zu bauen.

Gepostet von TrendingTopics.at am Montag, 22. Juni 2020
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goStudent: 8,3 Millionen Euro für das Wiener EduTech-Startup

Nach den großen Finanzierungsrunden von PlanRadar (30 Mio. Euro), Refurbed (15,6 Mio. Euro) und Anyline (10,8 Mio. Euro) kommt nun das nächste große Investment für ein österreichisches Startup: Das Wiener EduTech goStudent, das Nachhilfestunden per App an Schüler vermittelt, hat sich in der Series A ein Investment von 8,3 Millionen Euro geholt.

Die Finanzierungsrunde wird von Left Lane Capital aus New York angeführt, außerdem kommt DN Capital aus London (u.a. Shazam, Tourlane) sowie mit NFQ ein Investmentvehikel der Gründer von Swoodoo und HomeToGo an Bord. Auch die bestehenden Investoren nehmen an der Finanzierungsrunde teil, dazu zählt Speedinvest aus Wien.

„Entstanden ist das Ganze nach unserer Seed-Runde 2018. Wir haben seitdem bis Mitte 2020 wirklich herausgefunden, wie das Geschäftsmodell funktionieren muss“, sagt Felix Ohswald, der goStudent gemeinsam mit Gregor Müller und seinem Bruder Moritz 2016 gegründet hat. „In den nächsten zwölf Monaten ist alles auf Vollgas.“ Zu den aktuell 70 Mitarbeitern am Standort Wien sollen weitere 100 dazu kommen.

Das Team von goStudent. © goStudent
Das Team von goStudent. © goStudent

Monetarisierung über die Eltern

Begonnen als Hausaufgaben-Chat für Schüler via WhatsApp, hat sich goStudent stark gewandelt. „Das Problem dabei war die Monetarisierung“, so Ohswald. Man hätte Schüler davon überzeugen müssen, Geld für ein Bildungsangebot ausgeben zu müssen. Nun sind die Kunden (klarerweise) die Eltern. „Wir haben mit Mitte, Ende 2018 den Fokus auf die Eltern geshiftet und die Dienstleistung direkt an die Eltern zu verkaufen.

Nun funktioniert das Geschäftsmodell von goStudent folgendermaßen: Eltern kaufen für ihre Schüler Mitgliedschaften von 6, 12 oder 24 Monaten, die eine bestimmte Anzahl an Lerneinheiten beinhalten. Eine Lerneinheit kostet zwischen 18 und 27 Euro, pro Monat werden mehr als 60.000 Einheiten verkauft. Im deutschsprachigen Raum sei goStudent bei mehr als 3.000 Familien im Einsatz, außerdem gibt es derzeit etwa 1.100 aktive Tutoren.

Expansion nach Spanien und Frankreich

„Wir wollen einen globalen Champion aufbauen, und dazu muss man neue Länder angehen. In den nächsten Monaten wollen wir in Frankreich und Spanien starten“, sagt Ohswald. In Europa würden jedes Jahr 900 Milliarden Euro für Bildung (ca. 4% des GDP), ein Fünftel davon kommt von Privathaushalten. „Europäische Haushalte geben im Jahr zwischen 150 und 200 Milliarden Euro für die Bildung der Kinder aus. Das ist ein gigantischer Markt“, sagt Ohswald. „Wir haben den klaren Fokus auf diesen Privatmarkt. Der ist riesig, da können wir schnell wachsen.“

Die zweite wichtige Zielgruppe neben den Eltern sind die Tutoren, die in den Video-Chats Nachhilfestunden geben. „Das größte Problem, das Bildungssysteme auf der ganzen Welt haben ist, die Qualität der Lehrkräfte sicher zu stellen“, sagt Ohswald. Deswegen würde man die Tutoren in einem Bewerbungsprozess sorgsam auswählen, nur 8 Prozent der Bewerber würden auch ins Programm aufgenommen werden.

Corona ist kein Faktor

Der Millionen-Deal ist übrigens kein Ergebnis der Corona-Krise, die wegen der Schulschließungen als Katalysator für digitale Bildungs-Tools gilt. „So ein Deal hat eine längere Vorlaufzeit. Das Ausschlaggebende war das Wachstum in den letzten eineinhalb Jahren, wir hatten zuletzt 30 Prozent Wachstum von Monat zu Monat“, sagt Ohswald. „Das hat schon vor der Corona-Zeit begonnen.“

Natürlich würde die Krise dafür sorgen, dass nun EduTech gefragter ist als zuvor. „Corona ist sicher ein Brandbeschleuniger für manche digitalen Bildungsangebote“, so der goStudent-CEO. „Edutech ist mit Abstand einer der herausfordernsten Bereiche. Ich glaube, dass die meisten trotzdem extrem Schwierigkeiten haben werden. Wenn es vor Corona kein Geschäftsmodell gab, dann gibt es während und nach Corona auch kein Geschäftsmodell.“

Disclaimer: Speedinvest ist auch Investor von Trending Topics.

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