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Gorillas: Das kritisierte Liefer-Unicorn will nach Österreich expandieren

Die Boten von Gorillas. © Gorillas Technologies GmbH
Die Boten von Gorillas. © Gorillas Technologies GmbH

In Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich liefern sie schon – und bald sollen sie auch in Österreich zustellen. Das ziemlich gehypte Berliner Liefer-Startup Gorillas, das Zustellungen von Lebensmitteln innerhalb von nur zehn Minuten verspricht, will nach Österreich expandieren. Gleichzeitig ist auch die Expansion in die Schweiz gestartet worden.

Dazu sucht das Startup, das es in Rekordzeit zum Unicorn-Status brachte, derzeit einen Head of Expansion für Österreich, der auch in der Alpenrepublik das Geschäft des Lieferdienstes ins Laufen bringen soll. In der Stellenausschreibung ist gar von einem SWAT-Team (so werden eigentlich taktische Spezialeinheiten innerhalb einer Polizei bezeichnet) die Rede, um zeitnah und schnell ausrollen zu können.

Die Aufgaben des künftigen Managers für Österreich mit Hauptsitz in Wien umfassen von Immobiliengeschäften über den Aufbau eines Teams von mehr als zehn Mitarbeitern bis hin zum Eingehen lokaler Partnerschaften vieles. In welchen Städten Gorillas in Österreich tätig sein will, ist nicht angeführt – jedenfalls dürfte die Hauptstadt Wien im Fokus stehen. In Berlin, Amsterdam, Paris und London ist die Firma, die erst im März 2020 von Kagan Sümer und Jörg Kattner (Ex-Rocket Internet) gegründet wurde, bereits vertreten.

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Kritik von Anrainern

Das Konzept von Gorillas beruht auf der Hyper-Lokalisierung von Warenlagern. Diese werden über ein Stadtgebiet verstreut, damit Fahrradboten es möglichst nah zu den bestellenden Kunden haben. Investoren, darunter große Namen wie Tencent, Coatue und DST Global, haben daran Gefallen gefunden. Ein Investment von satten 244 Millionen Euro für den Flash-Supermarkt hat die Bewertung von Gorillas auf mehr als eine Milliarde Euro gehoben.

Doch der rasante Aufstieg und die Expansion des „am schnellsten wachsenden Startups Europas“ (Eigendefinition) hat ihren Preis. Wie Trending Topics bereits berichtete, haben die Logistikzentren in bekannten Berliner Stadtteilen bereits für Kritik der Anrainer gesorgt. Diese klagen über Lärm, Stau und verstopfte Gehsteige, die die Liefer-LKWs und Fahrradboten in den Straßen bei den Warenlagern verursachen. Auch unter den Fahrradboten dürfte das Startup nicht immer beliebt sein – so gibt es offenbar eine Gruppe von Boten, die sich in „Reaktion auf Missstände und schlechtes Management als Interessenvertretung“ formiert haben.

Online-Supermärkte im Kommen

In Österreich ist definitiv noch Platz für Lieferdienste, die Supermarkt-Artikel zustellen. 2020 ist gurkerl.at, die Österreich-Tochter des tschechischen Online-Supermarktes Rohlik, in Wien gestartet, auch der Essenszusteller mjam hat mittlerweile auf den Bereich von Lebensmittellieferungen ausgeweitet. Weiters gibt es mit Alfie’s einen Zusteller im Lebensmittelbereich, in den Ende 2020 Coca-Cola investierte, und auch die großen Handelsketten REWE (Billa, Billa Plus) oder Spar haben Zustelldienste.

Da man bei manchen Lieferdiensten längere Zeit (manchmal sogar mehrere Tage) warten muss, könnte Gorillas mit dem Versprechen, in zehn Minuten zuliefern, bei vielen Konsumenten punkten. Da mit Fahrradboten geliefert wird, ist das Angebot und die Bestellmenge aber auch beschränkt. Versprochen werden Supermarktpreise.

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