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Das Ende von Gratis: Google glaubt, dass 2020 nicht Werbung sein Hauptgeschäft ist – sondern die Cloud

Neues Logo, neue Ausrichtung. © Jakob Steinschaden
Neues Logo, neue Ausrichtung. © Jakob Steinschaden

Urs Hölzle, als Senior Vice President bei Google für die technische Infrastruktur zuständig, hat im Rahmen der Konferenz “Structure” einen spannenden Einblick in die geschäftliche Zukunft von Google, dem nach wie vor führenden Werbekonzern im Internet gegeben: Ab 2020 will man mehr Geld mit Cloud-Diensten verdienen als mit Online-Ads. Parallel dazu bringt man immer mehr Bezahl-Dienste auf den Markt. Ist das der Anfang vom Ende des Gratis-Internet, das keine andere Firma so wie Google vorangetrieben hat?

Unser Ziel ist es, dass wir von einer Cloud-Firma reden, wenn wir 2020 über Google sprechen”, sagt Hölzle, der als achter Mitarbeiter sehr früh bei Google angefangen hat und heute die Cloud-Dienste über hat. In fünf Jahren, glaubt Hölzle, könnte Google mehr Geld mit der Google Cloud Platform verdienen als mit AdWords und Co. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen simplen Online-Speicher, in dem Nutzer ihre Fotos ablegen. Vielmehr ist die Google Cloud eine Möglichkeit, ganze Internetfirmen zu betreiben, weil sie dort Rechenpower, Speicherplatz, Big-Data-Dienste und API-Services buchen können. Auf den Google-Servern laufen etwa Snapchat, Khan Academy oder die Games von Rovio.

Immer mehr Bezahldienste

Wenn Hölzles Vorhersagen stimmen, dann wäre die Cloud für Google ein riesiges Geschäft. 2014 hat der Internetkonzern etwa 66 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht, etwa 90 Prozent davon stammen aus dem Werbegeschäft (v.a. AdWords-Anzeigen in den Suchergebnissen). 2015 wird es noch mehr Geld sein, dass Google mit digitaler Werbung verdient, doch ob dieser Trend anhalten wird, ist ungewiss. Auf mobilen Geräten, wo bereits mehr als 50 Prozent der Suchanfragen stattfinden, verdient der Internetkonzern aus Mountain View nicht so viel wie auf Desktop-Computern, zudem erstarken Konkurrenten, allen voran Facebook, bei der mobilen Werbung und machen Google die Werbebudgets streitig. Das hat bereits einen kleinen Switch in der Strategie ausgelöst: Schon heute bietet Google, das hauptverantwortlich fürs Gratis-Internet ist, bereits zahlreiche Dienste an, die dem Nutzer etwas kosten – etwa YouTube Red, Google Play Music oder Google Drive.

Im Cloud-Geschäft steckt für Google, das dort überraschenderweise eine eher kleine Nummer ist, viel Wachstum. Der Synergy Research Group zufolge waren die Amazon Web Services (AWS) im 2. Quartal 2015 mit 29 Prozent mit Abstand Marktführer, gefolgt von Microsoft (12 Prozent), IBM (7 Prozent) und Google (6 Prozent). Vor allem der Google-Rivale Amazon ist eine Macht, auf Basis seiner AWS laufen unzählige Internet-Dienste wie Spotify, Netflix, Slack, Airbnb, Foursquare, Shazam, Soundcloud oder Yelp. Kein Wunder, liefern sich Amazon und Google doch ständig einen Preiskampf, um mehr Businesskunden auf ihre Server zu holen.

Produktportfolio ausweiten

Dass Google sich in den nächsten Jahren nicht aufs Werbegeschäft verlassen will, zeigt auch die Gründung der übergeordneten Holding Alphabet im Sommer (TrendingTopics.at berichtete). Seit Mitte August ist Google (und seinerseits die Tochter YouTube) “nur” mehr eine Tochter von Alphabet – allerdings eine, die mit ihren Werbe-Dollars bis auf weiteres das Kronjuwel in der Alphabet-Sammlung bleiben wird. Daneben allerdings versuchen Larry Page und Sergey Brin Geschäftsmodelle abseits der Online-Werbung aufzubauen – etwa Smart-Home-Geräte mit Nest, Medizinprodukte in den Life Sciences, selbstfahrende Autos oder Internetangebote mit Fiber. Gilt Google heute vor allem als Werberiese, könnten die Cloud-Dienste und die neuen Produkte aus der Alphabet-Holding ein ganz anderes Bild des Konzerns zeichnen. Eines wird aber wohl immer gleich bleiben: die Datensammelei.

Und das ist dann auch schon die große Hürde für Googles Cloud-Geschäft. Kein anderer Konzern steht seit Jahren so sehr in der Kritik wegen der umfangreichen Sammlung von Daten wie Google. In Europa wird sich das Business mit der Cloud nach dem Aussetzen des Safe-Harbor-Abkommens nicht mehr wie bisher fortsetzen lassen. Microsoft hat darauf bereits reagiert und eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom geschlossen – künftig werde man Azure, Office 365 und Dynamics CRM Online aus zwei deutschen Rechenzentren heraus anbieten anstatt in den eigenen Server-Farmen zu speichern. Google, das seine eigene Infrastruktur aufgebaut hat, wird wohl in den Verlegenheit kommen, diese in Europa nicht nutzen zu können und sich einen europäischen Partner suchen zu müssen.

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