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Global Entrepreneurship Monitor: Österreich bei unternehmerischer Ausbildung EU-weit auf letztem Platz

Vorm Bildschirm verbringen Studenten sowieso viel Zeit. © Fotolia/casto
Vorm Bildschirm verbringen Studenten sowieso viel Zeit. © Fotolia/casto

„Österreichische Start-up-Szene unverändert auf hohem Niveau“ – so wird heute die Veröffentlichung des neuen Global Entrepreneurship Monitors (GEM) in einer Aussendung getitelt. Die Studie, die in 63 Ländern (in Österreich befragte Joanneum Research 5.000 Personen) durchgeführt wurde, sah 2016 rund 540.000 Österreicher (9,6% der Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren) aktiv mit einer Unternehmensgründung beschäftigt oder als Inhaber und Geschäftsführer eines neuen Unternehmens tätig.

Neuen Technologien kommen dabei eine bedeutende Rolle zu: Bei den Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer (Firmen, die jünger als drei Jahre) sind 56,1% in einem technologiebasierten Unternehmen tätig – also Firmen, die man teilweise auch der engeren Definition eines Startups zurechnen kann (laut KMU Forschung gibt es in Österreich jährlich rund 500 bis 1.000 Startups).

„Potenzial wird ausgeschöpft“

Das angesprochene „hohe Niveau“ lässt sich auch anders formulieren. „Die Studienergebnisse zeigen, dass das unternehmerische Potential in Österreich zunehmend ausgeschöpft wird“, sagt Doris Kiendl, als Leiterin des Instituts für Internationales Management der FH Joanneum hauptverantwortlich für die Studie. Erfreulich sei, dass Jungunternehmen vermehrt auf Forschung, Technologie und Innovation setzen würden. Der Wermutstropfen: Bei FTI-basierten Unternehmen (das sind forschungs-, technologie- oder innovationsbasierte Unternehmen) beträgt der Frauenanteil nur 33,9%.

Im internationalen Vergleich der 63 Ländern rangiert Österreich im Mittelfeld: Das Land liegt mit 9,6% JungunternehmerInnen an zehnter Stelle der innovationsbasierten Länder und an fünfter Stelle innerhalb der teilnehmenden EU-Länder.

© GEM-Studie 2017
© GEM-Studie 2017

Problematische Ausbildungssituation

Überhaupt nicht mithalten kann Österreich mit anderen EU-Ländern aber im Bereich der Bildung. „Im Bereich der unternehmerischen Aus- und Weiterbildung liegt Österreichs Schwachpunkt nach wie vor in der Primär- und Sekundarstufe. Problematisch ist, dass hier die Bewertungen noch niedriger als in den Vorjahren ausfallen und somit ein Abwärtstrend festzustellen ist“, heißt es in der Studie. (Anm. 2012: 1,7 Punkte, 2016 nur mehr 1,4 Punkte, bei einem möglichen Höchstwert von 5).

Damit nimmt Österreich den letzten Platz im europäischen Vergleich ein. Bedeutet auch: Es werden nur wenige Talente nachkommen, die die Skills haben, ein Unternehmen zu gründen. Deswegen fordert etwa Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, „unternehmerisches Denken schon im Schulbereich zu fördern.“

Kampf dem Bürokratie-Monster

Worauf sich auch alle einigen können: Die Bürokratie muss im Sinne des Unternehmertums abgebaut werden. Wie Rabmer-Koller fordert das auch der ehemalige Finanzminister Hannes Androsch (SPÖ): „Eine hohe Steuerlast, langwierige bürokratische Abläufe und veraltete Bestimmungen lassen viele UnternehmerInnen schon früh straucheln und sogar scheitern. Wir brauchen nicht immer mehr kleinteilige Förderprogramme, sondern einen großen Wurf an unternehmerfreundlichen Rahmenbedingungen.“

Ums Geld geht es dann auch dem neuen Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP), der vor rund eineinhalb Jahren die Gründerland-Strategie ausgerufen hat: „Trotz der Ergebnisse von GEM hinsichtlich ausreichender Förderungsmöglichkeiten, müssen wir den Fokus noch stärker auf leichteren Finanzierungszugang in der Wachstumsphase legen.“ Allerdings: Die Pläne von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), einen 300 Millionen Euro schweren, staatlich-privaten Fonds für solche Anschlussfinanzierungen aufzulegen, sind vorerst geplatzt (Trending Topics berichtete).

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