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Girls‘ Day: Warum die Politik Mädchen technische Berufe schmackhaft machen will

© Robo Wunderkind
© Robo Wunderkind

Begonnen hat 1993 alles mit dem „Take our daughters to work“-Tag in New Orleans. Fast 30 Jahre später ist daraus der internationale Girls‘ Day mit Aktionstagen in vielen Ländern gewachsen, doch im Kern ist das Problem immer noch das selbe: Frauen sind in vielen Berufsgruppen, insbesondere im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ist der weibliche Anteil immer noch verhältnismäßig gering. Das drückt sich später etwa in einer männerdominierten Entwickler-Branche aus.

Am heutigen Girls‘ Day geht es deswegen darum, Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Frauenministerin Susanne Raab und Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck rufen gemeinsam mit der Industriellenvereinigung zur „MINT-Girls Challenge“ aus. Von Kindergarten bis Oberstufe können Mädchen bzw. junge Frauen ihre Ideen und Projekte einreichen. Als Preise winken ihnen Praktika oder Schnuppertage in technischen Unternehmen, MINT-Workshops und ein Meet & Greet mit den Ministerinnen.

Nur 18 Prozent Frauenanteil bei MINT-Lehrgängen

„Bei der MINT-Girls Challenge suchen wir kreative Mädchen, die sich Gedanken darüber machen, wie wir unsere Gesellschaft zukunftsfit machen können, und selbst ihre Ideen einbringen möchten“, heißt es seitens Frauenministerin Raab. Und Wirtschaftsministerin Schramböck sagt: „Technik und Digitalisierung sind keinesfalls Bereiche, die wir ausschließlich den Burschen und Männern überlassen sollten. Schließlich war schon die erste Programmiererin eine Frau.“ Gemeint ist die Mathematikerin Ada Lovelace, die im 19. Jahrhundert lebte.

Für die Ministerien und die Industriellenvereinigung (IV) ist die MINT-Girls Challenge ein Puzzle-Teil in den Bestrebungen, mehr Frauen in MINT-Berufe zu bringen. Der Fachkräftemangel ist omnipräsent, Anfang 2021 gab es in Österreich 24.000 offene IKT-Stellen, und in höheren MINT-Lehrgängen liegt der Frauenanteil bei nur 18 Prozent. 3,8 Milliarden Euro ist der Wertschöpfungsverlust groß, zeigt eine IWI-Studie zu den IT-Qualifikationen für die österreichische Wirtschaft. „Die Unternehmen suchen immer stärker nach gut ausgebildeten Talenten im MINT-Bereich. Doch gerade hier sind Mädchen und Frauen deutlich unterrepräsentiert. Das muss sich ändern“, so IV-Vizepräsidentin Sabine Herlitschka.

Auch in Wien gibt es am heutigen 22. April, wenn auch nur virtuell wegen den Corona-Lockdowns, einen eigenen Wiener Töchtertag. Mädchen zwischen 11 und 16 Jahren, die in Wien, Niederösterreich oder im Burgenland zur Schule gehen, sind eingeladen, an Online-Workshops und -Unternehmenspräsentationen teilzunehmen. Der Schwerpunkt liegt auf Technik, Digitalisierung, Handwerk und Naturwissenschaften. Auch in anderen Bundesländern gibt es Aktionstage.

Es gibt auch den Boys‘ Day

Auch außerhalb von Österreich wird der Aktionstag abgehalten. Der Girls‘ Day oder ähnliche Aktionen finden in über 25 Ländern statt: Neben Österreich in Belgien, Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kosovo, Luxemburg, Liechtenstein, Niederlande, Norwegen, Deutschland, Polen, Schweiz, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn. In Asien gibt es den Girls‘ Day in Kirgisistan, Japan, Südkorea, dem Libanon und der Mongolei. In Afrika gibt es den Aktionstag seit 2014 in Äthiopien, Ägypten und seit 2018 in Benin.

Auch wenn der Fokus am 22. April auf Mädchen und jungen Frauen liegt, so wird auf das männliche Geschlecht nicht vergessen. Deswegen wurde vor mehreren Jahren auch der Boys’ Day als Aktionstag eingeführt, an dem Jungen Berufe kennenlernen können, in denen überwiegend Frauen arbeiten. In Deutschland werden Girls‘ Day und Boys’ Day am gleichen Tag abgehalten – unter der Schirmherrschaft der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel werden in virtuellen Events 65.000 Teilnehmer:innen erwartet. In Österreich wird der Boys’ Day am 11. November stattfinden – dann hoffentlich bereits wieder mit analogen Events.

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