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Fund of Excellence: „Wir investieren in Menschen, nicht in Geschäftsmodelle“

Carmencita Nader und Natalia Corrales-Diez vom Fund of Excellence. © Jakob Steischaden
Carmencita Nader und Natalia Corrales-Diez vom Fund of Excellence. © Jakob Steischaden

„Wir investieren in Menschen, das machen Banken derzeit nicht und andere Fonds investieren ja lieber in Aktien und Anleihen“, erklärt Natalia Corrales-Diez, die 2014 den „Fund of Excellence“ aus der Wiege gehoben hat. Seither hat der Fonds bereits mehr als eine Million Euro in Personen investiert, die beruflich vorankommen wollen. Der Fonds wird im Wesentlichen von der Erste Group gespeist, zu einem kleinen Teil von der Wiener Städtischen Versicherung und vergibt bis zu 100.000 Euro an Studierende, Gründer oder Eltern. Im Gegenzug beteiligt sich der Fonds über einen gewissen Zeitraum am Einkommen.

Der reale Betrag wird in der Regel deutlich unter 100.000 Euro liegen. So bezahlt der Fonds Gründern beispielsweise Lebenserhaltungskosten in der Höhe von bis zu 1.500 Euro monatlich und übernimmt einmalige Ausgaben von bis zu 5.000 Euro. Kinderbetreuungskosten werden bis maximal 500 Euro im Monat finanziert. Studiengebühren überweist die Organisation direkt an die jeweilige Uni.

„Eltern sind meist ambitionierter“

Um von dem Fund of Excellence aufgenommen zu werden, muss man sich zunächst über ein Online-Formular bewerben. Dann wird in einem „Pre-Screening“ vorselektiert, erklärt Corrales-Diez. Der Fokus liegt dabei auf einem guten Branchenmix: „Wie jeder Investmentfonds müssen wir unser Risiko diversifizieren. Das heißt, wir investieren in fast jede Branche. Nicht nur in Investmentbanker. Im Gegenteil: Es kann sogar sein, dass wir einen künftigen Investmentbanker ablehnen, weil unsere Konzentration in dem Sektor bereits zu hoch ist.”

Bei Studierenden achtet das Team auch auf das Alter. „Die Altersobergrenze ist mein eigenes Alter, also eine Zielgrösse die sich jährlich nach oben bewegt“, sagt die Fonds-Chefin. Besonders gerne sieht die zweifache Mutter, wenn ein Bewerber Kinder hat: „Wir haben einen Kinderbonus, das heißt wir investieren mehr in Mütter und Väter. Warum? Sie sind viel fokussierter.“

Die meisten Bewerber sind Studenten

Dann interessiert den „Fund of Excellence“ wofür das Geld genau gebraucht wird. Bei Eltern – in der Regel alleinerziehende Mütter – geht es meistens um eine Fortbildung und um Kinderbetreuung. „Eine Mutter kann einfach nicht so leicht Überstunden machen““, meint Corrales-Diez. „Flexibilität ist total wichtig, wenn frau versucht Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Alleinerziehende Mütter haben keine „Fall-back Option“, wenn irgendetwas nicht nach Plan verläuft. Wir können da zwar keinen emotionalen Halt bieten, aber geben mehr finanziellen Spielraum“. Die meisten Bewerber sind allerdings Studenten und sie haben auch die Chance auf das meiste Geld, zumindest wenn sie auf einer der 100 besten Unis weltweit studieren wollen.

Ein wichtiger Unterschied zu klassischen Startup-Investments

Für Gründer ist der Fonds vor allem in der Pre-Seed-Phase interessant. „Gründer müssen noch keinen Businessplan oder einen Prototypen haben, eine gute Idee genügt“, erklärt Corrales-Diez. Zu einem klassischen Equity-Investment gibt es einen entscheidenden Unterschied: „Wir investieren nicht in die Geschäftsidee, sondern in die Person. Gründer identifizieren sich aber so sehr mit der eigenen Idee, da müssen wir ihnen immer klar machen, dass wir das trennen. Uns interessiert der Mensch und seine Zukunft. Ein Business Angel kam kürzlich zu mir und meinte er investiert auch in die Person, wollte aber das ich die Lebenshaltungskosten übernehme. Diese Leute glauben echt, dass Gründer werden essen noch schlafen“.

Scheitert der Gründer mit seiner Idee, kann ein klassischer Business Angel sein Geld abschreiben. Der Vertrag des „Fund of Excellence“ sieht aber eine davon unabhängige Beteiligung am Einkommen vor. Funktioniert die ursprüngliche Idee des Gründers nicht, er aber auf anderem Wege erfolgreich ist, profitiert der Fonds trotzdem.

Die Beteiligung am Einkommen wird über einen konkreten Zeitraum geschlossen – üblicherweise im Rahmen von drei bis zehn Jahren. In diesem Zeitraum wird der Fonds mit bis zu zehn Prozent am Gesamteinkommen (ohne Sozialleistungen) beteiligt. Gibt es in dem Zeitraum kein Einkommen, muss auch kein Geld bezahlt werden. Das gilt auch, wenn es nur einige Monate kein Einkommen gibt. Dann wird die Beteiligung erst wieder bezahlt, wenn es wieder ein Einkommen gibt, wobei sich der vereinbarte Zeitraum dadurch nicht verlängert.

Ausführlicher Persönlichkeitstest

Weil der „Fund of Excellence“ mit seinen Investments ein hohes Risiko eingeht, müssen sich Bewerber einem ausführlichen Persönlichkeitstest unterziehen. Dieses „Online Assessment“ bewertet anhand von etwa 750 Kriterien, wie gut eine Person zu dem Modell des Fonds passt. Dabei wird beispielsweise überprüft, wo die Stärken einer Person liegen, wie sie sich in Stresssituationen verhält und was sie motiviert oder antreibt. „Bei Eltern ist zum Beispiel der Umgang mit dem schlechten Gewissen den Kindern gegenüber ein wichtiger Punkt. Bei Gründern interessiert uns besonders, wie sie mit Niederlagen umgehen“, erklärt Corrales-Diez.

Der Fonds will noch heuer nach Tschechien expandieren, das Ziel ist aber ganz Europa, wo es derzeit noch keine direkten Mitbewerber gibt. Corrales-Diez: „Das größte Asset, das wir in Österreich haben, sind die Menschen. Unsere Vision ist es, den größten Talente-Pool aufzubauen. Das bedeutet, wir investieren im wahrsten Sinne des Wortes in die Zukunft der Menschen.“

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