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Forschungsbudget: Die EU investiert zu wenig in Artificial Intelligence

Roboter als Porträtmaler. © Trending Topics
Roboter als Porträtmaler. © Trending Topics

Die EU hat sich mit „Horizon Europe“ auf ein Forschungsbudget für 2021 bis 2027 geeinigt. Die Kommission schlägt 100 Milliarden Euro an Fördermitteln für Forschung und Innovation vor. Das sind 23 Milliarden Euro mehr als für das derzeit laufende Programm „Horizon 2020“ locker gemacht wurden. Von den derzeit budgetierten 77,2 Milliarden Euro ist bereits etwa die Hälfte geflossen, rund 925 Millionen davon gingen an österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

EU steckt bis 2020 1,5 Mrd. Euro in AI

Auch wenn das kommende Budget durchaus deutlich angehoben wurde, werden kritische Stimmen immer lauter. Von den 77,2 „Horizon“-Milliarden sind in den nächsten zwei Jahren gerade einmal 1,5 Milliarden Euro für Artificial Intelligence Projekte vorgesehen. Bei Schlüsseltechnologien investiere die EU zu wenig in Forschung und Entwicklung und falle im internationalen Vergleich immer weiter zurück, so Kritiker. Das gilt vor allem für den Vergleich mit Asien.

China hat sich vergangenes Jahr einen ambitionierten Plan gesteckt, bis 2030 Weltmarktführer im Bereich Artificial Intelligence zu werden. Wieviel Geld genau investiert wird, um dieser Realität näher zu kommen, ist zwar noch unklar, aber China greift in solchen Fällen meist recht tief in die Tasche. Vor wenigen Jahren hat die Regierung etwa angekündigt, alleine 150 Milliarden Dollar in die Halbleiter-Industrie zu stecken – ein Drittel davon ist bereits geflossen.

Einzelne chinesische Stadt investiert 2 Mrd. Dollar in AI

Für AI-Projekte wurden bisher nur Zahlen für einzelne lokale Projekte bekannt, aber schon die lassen vermuten, dass China seinen Plan ernst nimmt. Laut New York Times widmet sich alleine die Stadt Xiangtan mit zwei Milliarden Dollar Projekten rund um Robotik und Künstliche Intelligenz. In anderen Städten werden gar einzelne Firmen oder Projekte mit bis zu einer Million Dollar gefördert. Bis 2030 will China eine AI-Industrie aufgezogen haben, die 150 Milliarden Dollar schwer ist.

Auch andere asiatische Länder haben erkannt, dass AI die entscheidende Technologie der nächsten Jahre ist und investieren massiv. Südkorea hatte etwa bereits 2016 angekündigt eine Milliarde nur für die AI-Forschung bereitstellen zu wollen. Heuer hat die Regierung bekannt gegeben, bis 2020 noch einmal zwei Milliarden zu investieren.

Firmen und VCs investieren in USA und China mehr

In den USA sieht die Situation ein wenig anders aus. Die jüngsten Kürzungen im Forschungsbudget dürften auch die Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz empfindlich treffen. Allerdings sitzen in den USA auch die größten privatwirtschaftlichen AI-Finanzierer. Google, Apple, Facebook und Amazon haben laut CBInsights in den vergangenen Jahren die meisten AI-Startups gekauft.

In Europa mag es zwar laut einer Studie von Roland Berger und der Berliner VC-Firma Asgard im internationalen Vergleich viele AI-Startups geben (nur in den USA gibt es mehr, Trending Topics berichtete), sie ziehen aber weniger Risikokapital an. 2017 sammelten KI-Startups in einer durchschnittlichen Finanzierungsrunde in Frankreich 3 Millionen Dollar und in Deutschland 2 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: In den USA waren es 10 und in China sogar 36 Millionen Dollar.

Gleichzeitig stecken in Europa große Firmen deutlich weniger Geld in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Laut einer McKinsey-Studie haben europäische Unternehmen 2016 rund drei bis vier Milliarden Euro in die Entwicklung von Artificial Intelligence gesteckt. In Asien lagen die F&E-Ausgaben in diesem Bereich jedoch bei bis zu zwölf Milliarden Euro und in den USA sogar bei 15 bis 23 Milliarden Euro.

Vorschlag zur Verdopplung des EU-Budgets

Ein Grund mehr also für die EU, diese Unterfinanzierung europäischer AI-Projekte durch öffentliche Gelder auszugleichen. Dazu gibt es auch bereits konkrete Vorschläge. Eine Expertengruppe rund um den ehemaligen EU-Kommissar und WTO-Generaldirektor Pascal Lamy fordert eine Verdopplung des aktuellen „Horizon“-Budgets in der nächsten Periode auf insgesamt 160 Milliarden Euro.

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