Inside Runtastic: Florian Gschwandtner über seine und Europas Zukunft

"So läuft Start-up": Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner veröffentlicht heute sein erstes Buch. Wir haben mit ihm über das Buch, seine Zukunftspläne nach Runtastic und über Europas Herausforderungen zwschen den Tech-Großmächten China und USA gesprochen. Hier geht´s zum Text-Interview: https://www.trendingtopics.at/florian-gschwandtner-runtastic-adidas-interview

Gepostet von TrendingTopics.at am Sonntag, 23. September 2018
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Florian Gschwandtner: „Wir müssen aufpassen, dass wir in der EU die Grenzen nicht zumachen“

Es ist ein großes helles Büro, unaufdringlich, aber doch repräsentativ – wie es sich für eine Millionen schwere Firma und Tochter eines der größten Sportkonzerne der Welt eben gehört. Motivationssprüche an der Wand gibt es hier ebenso zu sehen wie einige Apple-Gadgets und ein Spartanerhelm – ein Geschenk des Business-Angel-Netzwerks startup300 an Florian Gschwandtner.

Noch bis Ende 2018 wird der 35-Jährige als CEO von Runtastic fungieren. Wer sich danach als neuer Chef der Adidas-Tochter in dem Büro im Paschinger Hauptquartier der Sport-App-Firma ausbreiten wird, steht noch nicht fest. Seinen Abgang hat Gschwandtner vor kurzem in einem Facebook-Posting bekannt gegeben und ihm auch ein ganzes Kapitel in seinem neuen Buch „So läuft Start-up“ (Ecowin-Verlag, 240 Seiten, 18 Euro) gewidmet. Außerdem wird Gschwandtner Anfang 2019 in der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ als neuer Investor auftreten und Michael Altrichter ablösen.

Trending Topics hat Gschwandtner in seinem Büro besucht, um über das neue Buch, seine mögliche Zukunft als Business Angel und Unternehmer und über die Herausforderungen, die auf Österreich und Europa zukommen, zu sprechen.

Trending Topics: Vielen Dank für die Einladung zum Interview, Florian. Du hast ein Buch geschrieben. Es heißt “So läuft Start-up”. Was steht da drinnen?

Florian Gschwandtner: Danke fürs Kommen, Jakob. Schön, dass du bei uns vorbeikommst.

Ja, was steht da drinnen? Es ist eine Mischung aus einer Autobiografie, kombiniert mit Dingen, die ich in den letzten zehn Jahren gelernt habe. Es ist in verschiedene Bereiche, von meinem Leben am Bauernhof, bis hin zu den Leadership-Themen, auf die ich etwa an der Harvard Business School fokussiert habe, gegliedert. Ich habe versucht, diese Dinge sehr authentisch in einem Buch zu verpacken.

Was konntest du von deinem Aufwachsen am Bauernhof fürs Unternehmertum lernen?

Prinzipiell ist jeder Landwirt Unternehmer. Du musst dich ums Bestellen der Äcker kümmern. Du musst aber auch den Traktor herrichten können, wenn er kaputt ist. Du musst flexibel sein – egal, ob das Wetter schön ist oder nicht. Bauern passieren wie Unternehmern viele Dinge, die nicht im Kalender stehen. Man muss reagieren, oftmals in der Früh, am Abend oder am Wochenende. Das andere ist der generalistische Ansatz. Du musst Mechanik verstehen, Buchhaltung, du musst dich da und dort auskennen.

Ich würde meinen, dass ich durch meine Ausbildung von der Landwirtschaftsschule über die technische Fachhochschule bis zur eher wirtschaftlichen Fachhochschule ein Generalist geworden bin, der seine Fähigkeiten sehr gut kombinieren kann.

Das Buch dient sicher auch dazu, junge Leute zum Gründen zu motivieren. Was gibts du denen mit auf den Weg?

Das eine ist immer die Idee, die macht vielleicht fünf bis zehn Prozent aus. Das andere sind aber immer das Team und die Execution. Was ich im Buch aber ganz gut beschreibe: Ich hätte, wie ich 15, 20 Jahre alt war, gerne jemanden gehabt, der ein Mentor ist und einem die Angst und den Respekt davor nimmt, etwas eigenes zu probieren. In der schulischen Ausbildung habe ich mich oft fehl am Platz gefühlt. Vor allem in der Landwirtschaftsschule, das war nicht mein Metier. Das bot auch mit der Familie, die sich wünschte, dass ich den Bauernhof übernehme, Konfliktpotenzial in der Pubertät.

Ich meine: Du brauchst jemanden der dir die Angst nimmt und sagt: “Hey, das passt auch so, und musst nicht nur Einser in den Noten drinstehen haben.” Meine Gründerkollegen waren im Programmieren tausendmal besser, drum haben sie auch den Programmierteil übernommen. Aber sie haben auch meine Stärken gekannt. Es ist nicht immer nur das Leistungsprinzip, es sind auch die allgemeinen Fähigkeiten, wie man mit Menschen umgeht, Kommunikation, wie man Produkte baut, wie man die Welt da draußen versteht. Die Zukunft gehört den jungen Menschen, und wir müssen sie motivieren. Ich glaube schon, dass in Österreich sehr viel Potenzial da ist, aber sehr viel auf der Strecke liegen bleibt.

Du bist einer der bekanntesten Digitalunternehmer des Landes. Warum hast du dich dafür entschieden, ein Papierprodukt auf den Markt zu bringen?

Gute Frage! Ein Buch ist zum Angreifen, zum Anfassen, und ich bin selber einer, der gerne Bücher kauft. ich kaufe mir zu 50 Prozent eBooks und zu 50 Prozent Hardcover. Und ich würde meinen, dass die Verlagswelt immer noch so tickt, dass sie nicht wollte, dass ich nur ein rein digitale Produkt bringe.

Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics
Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics

Du bist noch bis Jahresende als CEO von Runtastic tätig und trittst dann zurück. Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?

Es gibt ein zwei Gründe. Ich bin seit fast zehn Jahren für die Firma tätig. Runtastic hat laufen gelernt. Das Unternehmen funktioniert sehr gut, wir haben eine sehr gute First Line, die einen supertollen Job im Leadership machen. Das Team ist gut aufgestellt, der Partner Adidas passt perfekt hinein, und wir werden da und dort noch etwas enger zusammenwachsen. Ich habe, wie wir gegründet haben, immer gesagt: Ich möchte mich nicht selbstständig machen, damit ich dann ein ganzes Leben nur mehr arbeite.

In den letzten Jahren haben wir schon sehr viel gearbeitet, auch weil es so viel Spaß macht. Aber natürlich ist einiges auf der Strecke geblieben. Ich habe mit vielen leuten auf der Welt gesprochen, und viele sagten: “Sabbatical ist cool”. Ich habe mir gedacht: Das Unternehmen steht auf guten beinen, wir haben eine gute Strategie, wir haben einen Plan. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, ab dem es ohne mich funktioniert.

Ich selber habe auch gemerkt, da und dort ein wenig müde geworden zu sein. Ich kann nicht jeden Tag 120 Prozent geben, doch solange ich diese Rolle habe, will ich das aber. Ich bin so gepolt, ich kann nicht einfach sagen, am Abend check ich meine Mails nicht mehr. Dementsprechend habe ich den Entschluss sehr schnell getroffen.

Du bist demnächst als neuer Investor bei der Startup-Show “2 Minuten 2 Millionen” im TV zu sehen. Siehst du deine Rolle zukünftig vermehrt als Business Angel, der bei startups einsteigt und ihnen so wie dir dein Mentor Hansi Hansmann geholfen hat, hilft?

Das ist eine gute Frage, die ich noch gar nicht so beantworten kann. Ich und meine drei Gründerkollegen haben ja bereits einige Investments in Startups. Das macht uns Spaß, aber es ist wirklich schwierig und wir müssen da noch einen besseren Job machen. Es braucht einfach mehr Zeit, um sich mit den Startups zu beschäftigen. Ich sollte nächstes Jahr theoretisch mehr Zeit haben.

Jetzt werden wir im Oktober mal die “2 Minuten 2 Millionen” drehen, da bin ich schon sehr gespannt. Ich glaube auch, dass ich da meine Rolle im Digitalbereich ganz gut wahrnehmen kann. Schauen wir, was rauskommt und wie viele Investments es werden. Ob das in Zukunft mehr wird, ist eine gute Frage, die ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten kann, weil ich selber noch nicht wirklich weiß, wo die Reise hingeht. Und das ist gut so.

Du warst und bist das Gesicht von Runtastic. Das ist eine sehr öffentliche Position mit viel Medieninteresse, du wirst sicher auch auf der Straße erkannt. Wie bist du mit diesem Fame umgegangen?

Erstens hat es bei uns vier immer gut gepasst, weil die anderen das nicht so wollten, und ich kann das nicht so schlecht, auch der Bühne zu sein, öffentlich zu sein. Das macht mir auch Spaß. Mit dem Vorteil, sich ein gutes Netzwerk aufbauen zu können, Einladungen zu bekommen, kommt aber auch der andere Teil: Viele Leute kommen, und mit ihnen kommt auch Kritik und Neid. Ich kann damit sehr gut umgehen. Schauen wir mal, wie das weitergeht, ich weiß noch nicht, ob mir das abgehen wird. Jetzt ist viel Medien-Trara nach dem Warum, so Fragen wie du ja auch stellst. Viele wollen wissen, wo die Reise hingeht, viele glauben mir nicht, dass ich mal ein paar Monate nix tue. Ich hoffe, ich werde sie eines Besseren belehren.

Ich versuche ja auch, mein Wissen weiterzugeben. Man ist ja auch ein bisschen Vorbild, und man kann jungen Menschen zeigen: Hey, ich hab vorher Landwirtschaftsschule gemacht, es waren nie die perfekten Grundvoraussetzungen, um ein Unternehmen zu gründen. Es kann ja nicht jeder Unternehmer werden, nicht jeder ist Unternehmertyp, aber man kann dabei helfen, dass sich viele für junge Unternehmen interessieren und ein Teil davon werden wollen. Wenn ich es schaffe, ein paar Leute mehr zu motivieren, dann habe mit dem Projekt Buch schon gewonnen.

Im digitalen Zeitalter ist die Unterscheidung zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit eine immer wichtigere. Wenn du dich als CEO zurückziehst, suchst du so wieder mehr Privatsphäre?

Durchaus würde ich meinen, vor allem in den Monaten ab Jänner. Es ist einmal der Plan, keinen Plan zu haben. Ich möchte mir auch mal ein wenig Mental Health, Meditation, Yoga anschauen. Ich würde diverse Dinge gerne mal probieren, aber um die wirklich zu probieren, fehlte die Zeit, es war immer Business ongoing. Das macht mir auch wirklich Spaß, so viel Spaß, dass ich das nicht wirklich abdrehen kann. Und jetzt habe ich es bewusst abgedreht, ein “Hard Cut” sozusagen. Jetzt muss man schauen was passiert.

Das schreibe ich auch im Buch: Ich habe großen Respekt vorm Jänner und vor dem was kommt. Also wirklich großen Respekt. Viele meine: “Super, du hast es geschafft, und jetzt Halligalli!” Man muss aber immer realistisch bleiben, ich kann jetzt nicht 12 Stunden Kitesurfen am Tag, das geht ja nicht. Und: Meine ganzen Freunde haben ja jetzt auch nicht sechs Monate frei und fliegen da und dorthin. Das wäre sicher lustig.

Ist die Freizeit eine neue Art von Challenge, die auf dich zukommt?

Definitiv.

Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics
Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics

Du bist trotzdem ein Unternehmertyp, wie er im Buche steht. Du wirst sicher wieder etwas angehen.

Das meinen viele Leute, und ich kann es auch nicht ausschließen. Ich habe viele Ideen, aber Ideen sind nur ein Teil des Ganzen. Per se bin ich Unternehmertyp, aber es gibt auch andere spannende Sachen. Bei einem Unternehmen mithelfen aus einer beratenden Rolle oder Investoren-Rolle kann auch interessant sein. Das Wichtige jetzt ist, mich nicht schon jetzt in irgendetwas reinzudrängen und wieder den Druck zu haben, wieder Unternehmer zu sein und das nächste Runtastic zu bauen.

Falco hat damals, als er Top 1 der Billboard-Charts in den USA wurde, gesagt: Ab jetzt wird er nur mehr daran gemessen. Ich möchte in Zukunft nicht mehr nur an Runtastic gemessen werden. Ich möchte mich auch selber nicht an Runtastic messen müssen. Denn wenn ich etwas Neues probiere, dann weiß auch jeder in der Szene, dass Hinfallen etwas ganz Normales ist.

Du hättest jedenfalls genug Startkapital, um etwas Neues hochzuziehen, würde ich meinen. Würdest du auch etwas machen, das wirtschaftlich keinen Sinn macht, aber sozial wichtig ist und vielleicht nicht die Millionen-Company wird?

Das ist eine gute Frage, die ich mir noch nie überlegt habe. Ich will eher etwas machen, das mir Spaß macht. Prinzipiell macht mir Business Spaß, das bei Ausgaben, die ich habe, möchte ich mehr Einnahmen haben. So hat mein Hirn immer funktioniert. Ich habe nie sehr viel gehabt, und da musste ich immer schauen, dass die Einnahmen mehr sind. Rein etwas Soziales? Kann auch sein. Das Thema Bildung interessiert mich schon, und ich gebe gerne Wissen weiter. Meine Buchpräsentation ist ausverkauft, da scheint etwas gut zu funktionieren.

Ich weiß nicht, was ich in diesen Monaten to come erleben werde. Vielleicht kippe ich total in ein Thema hinein, sehe irgendwo Armut, die ich vorher noch nie gesehen habe oder etwas, das mein Herz sehr berührt. Das wird sich alles weisen.

Wenn es vielleicht nicht unternehmerisch ist, ist es vielleicht politisch? Du hast ja die aktuelle Regierung in Digitalisierungsfragen beraten, und Andreas Tschas leitet die neue Digitalisierungsagentur. Wäre der Schritt in die Politik denkbar für dich?

Nein, ich glaube nicht. Da bin ich der Falsche. Es gibt Leute, die das besser können. Was ich gut kann, ist den Blick von außen von der Wirtschaft reinzubringen und mit der Politik zusammenzuarbeiten. Das macht mir Spaß, da sind die Grenzen gesetzt, da können die Leute, die das Politische gut können, ihren operativen Teil leisten und wir unseren. Der Andi Tschas hat immer Bezug zur Politik und jahrelange Erfahrung, und der passt da perfekt rein. Ich gratuliere ihm an dieser Stelle auch zu seiner Position, ich freue mich, dass wir solche Menschen auch in der Politik sehen. Ich bleibe eher auf der unternehmerischen Seite, bin aber gewillt, meinen Input und Beitrag zu leisten. Ich sehe das als Verantwortung und Verpflichtung, weil wir müssen die Weichen für die Zukunft von Österreich stellen.

Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics
Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics

Stichwort Weichenstellung: 5G-Ausbau, mehr Förderung für AI-Forschung, bessere Bildung, es gibt viele Forderungen und Initiativen. Was ist aus deiner Sicht in Österreich besonders wichtig?

In 5G würde ich auf alle Fälle investieren, und das passiert zum Glück auch. Auf der anderen Seite: Eines der wichtigsten Güter ist die Bildung, und dort kann man schon noch viel machen. Nicht nur die Art und Weise, wie wir unterrichten, sondern auch, was wir unterrichten. Das Bildungssystem ist etwas veraltet, und wir müssen Digital schneller reinbringen. Da gehts um Programmieren als dritte Fremdsprache, ich würde viel mehr Englisch fördern. wenn man jetzt etwas tut, dann dauert es eh zehn bis fünfzehn Jahre, bis man die Ergebnisse sieht.

Man muss auch bei den Eltern und Lehrern mithelfen. wenn die ältere Generation besser digital ausgebildet ist, werden die das automatisch an die jüngere Generation weitergeben. Wenn man jetzt in eine HTL schaut, ist der Anteil an Mädels verschwindend gering. In Zukunft basiert sehr viel auf Software und Technologie. Da gibt es einige Initiativen, aber man müsste viel mehr reingeben in diesen Bereich.

Kommen wir auf die globale Ebene. Wenn es um Zukunftsthemen wie AI oder autonomes Fahren geht, hört man immer: Das Match machen sich die USA und China aus. Du als Europäer: Wie müssen wir unsere Strategien legen, um in diesem globalen Wettrennen eine Rolle zu spielen?

Das ist eine gute Frage, ob wir in diesem globalen Wettrennen in der Digitalisierung überhaupt die Chance noch haben, eine relevante Rolle zu tragen. Im letzten Kleiner-Perkins-Internet-Report wird Europa zwischen China und USA überhaupt nicht mehr erwähnt. Das ist schon ein bisschen erschreckend. In der EU kämpfen wir mit ganz anderen Themen. Die Frage ist eher: Gibt es diese EU in X Jahren noch oder schließen wir alle Grenzen?

Nimm`das autonome Fahren. Der nächsten Generation ist es vielleicht nicht mehr wie mir wichtig, in einen Audi zu steigen, sondern sie wollen von A nach B fahren. Beim autonomen Fahren sind die USA und China sehr stark. China hat sehr wenige regulative Themen auch im Startup-Bereich. Innovation wird dort total gefördert, dafür nimmt der Staat viele Daten in sich auf. Die USA ist ein Markt mit einer Kultur, einer Sprache. Dort kann man super schnell skalieren. In Europa haben wir halt die Hürden, sprachliche, kulturelle und geografische.

Aber in Europa haben wir enormes Potenzial durch diese Diversität. Wir müssen aufpassen, dass wir die Grenzen nicht zumachen. Wir sollten jeden Software-Ingenieur, der zu uns kommen möchte, mit offenen Armen empfangen. Die Amis haben auch nichts anderes gemacht: Sie haben Leute, die gut sind, reingelassen, ausgebildet, und die haben dort gute Unternehmen gebaut. Da müssen wir offener werden in der EU.

Und: Wir dürfen uns in Europa nicht ausruhen. In China hört man jetzt sehr oft 996. Also zwölf Stunden sechs Tage die Woche arbeiten. Mit 72 Stunden bringt man halt mehr weiter als mit 38,5 Stunden. Fakt, Punkt, Aus. Das ist meine Meinung.

Du bist bekennender Auto-Fan und bekommst bald dein erstes Elektroauto, ein deutsches Modell. Was ist deine Erwartung an die Elektromobilität?

Es ist gut, dass die Reise dorthin geht. Was aber noch fehlt ist, dass auch wirklich der CO2-Footprint rundherum dazu passt. Es bringt nicht viel, wenn ich mir mein Auto mit Kohlekraftwerk-Strom auflade. Beim Elektroauto hat man viel weniger Verschleißteile, der Wirkungsgrad des Elektromotors ist höher, das heißt, ein Elektroauto sollte viel länger halten. Ich freue mich, dass ich einer der ersten bin, der ein solches Auto fahren darf.

Parallel gibt es ein Henne-Ei-Problem. Wir müssen auch die Infrastruktur dazu aufbauen. Das iPhone ist auch irgendwann einmal gekommen, ohne 3G, ohne GPS, ohne Apps. Ähnlich ist es bei der Elektrifizierung der Autos. Es wird schneller gehen als wir alle erwarten. Ich freu mich drauf und finde es gut.

Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics
Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. © Trending Topics

Steigst du komplett auf Elektro um?

Nein. Ich bin am Bauernhof aufgewachsen. Ich habe so viel an Motoren geschraubt, dass ich immer einen Benzinmotor haben will. Das wird auch in Kombination mit autonomen Fahren spannend. Ich fahre viel Öffis, und beim Autofahren gibt es den Nachteil, dass man nebenbei nichts machen kann, und die Zeit könnte man da anders gut nutzen.

Du hast es immer sehr öffentlich gemacht, wenn du dir teure Sportwägen gekauft hat. Gab es viele kritischer Neider?

Witzigerweise nicht. Als ich mir mit einem Porsche einen Kindheitstraum erfüllt habe, habe ich das auf Facebook gepostet. Die Rückmeldungen waren zu 99 Prozent positiv. Und was sehr überraschend war: Mir haben viele Leute geschrieben und gemeint: “Flo, ich hab auch einen Porsche, aber das weiß eigentlich keiner”. Ich habe gesagt: Das ist doch superschade, du wirst ihn dir verdient haben, und selbst wenn du ihn geerbt hast, genieße ihn doch!

Das habe ich aus den USA mitgenommen. Ich sehe hier die Neidkultur und spüre sie da und dort ein bisschen. Ich denke, dass es Neid in meiner und der nächsten Generation immer weniger gibt. Neid ist etwas Dummes. Meistens ist Neid ein Vorurteil: Man sitzt im Auto, und ein Junger fahrt mit einem Porsche vorbei, und man sagt typisch österreichisch: Der ist sicher vom Papa. Das finde ich sehr sehr falsch, und das müssen wir ändern. Wenn wir diesen Neid zur Seite stellen, gehts uns doch allen besser.

Kommen wir auf die fast zehnjährige Runtastic-Geschichte zu sprechen: Was hat sich durch die Übernahme durch Adidas geändert?

Wir haben am Anfang bewusst eine Firewall aufgestellt. Es haben nur Florian Gschwandtner und Adidas-CMO Eric Liedtke miteinander geredet, damit nicht der Konzern kommt und das Unternehmen träge und langsam macht. Das haben wir sehr gut gemacht. Jetzt haben wir einen neuen Head of Digital bei Adidas, der Digital super versteht, selbst Startup-Erfahrung hat und in einem Konzern gearbeitet hat. Mit ihm bauen wir gerade eine gute Strategie, welche Teile wir etwas näher an Adidas bringen, um gemeinsam mehr zu machen. Man könnte Runtastic besser in den Adidas-Stores platzieren, in den E-Mails, in der User Journey, in den Schuhboxen, um das Wachstum voranzutreiben.

Wir sind gerade mitten in dem Prozess. Wir können diesen Leverage eines der größten Sportunternehmen der Welt gut nutzen und diesen Erfolg bei Runtastic mehr mitnehmen. Da muss man sehr selektiv schauen was man macht. Es gibt eine Million Möglichkeiten, und man muss sich für drei entscheiden und aufs richtige Pferd setzen. Da bin ich dieses Jahr noch sehr involviert, wie ich möchte, dass wir einen klaren Plan, eine klare Strategie haben.

Bei der Übernahme durch Runtastic war die Rede von vernetzten Turnschuhen, vernetzten Fußbällen, vernetzter Kleidung. Was ist aus diesen angekündigten Produkten geworden?

Den Fußball gibt es ja tatsächlich, aber es ist ein Randprodukt, das nicht etwa in der Champions League eingesetzt wird. Das projekt gibt es noch, wurde aber komplett restrukturiert. Man muss das Ganze viel globaler sehen. Wir schauen uns schon an, was es bringen kann, das T-Shirt zu vernetzen. Es gab kurz den Hype, per NFC alles zu connecten, aber da gibt es schon mal die Challenge, dass am iPhone NFC per se nicht aktiviert ist. Dort bricht es für den Endkonsumenten.

Dementsprechend haben auch wir bei Runtastic und bei Adidas uns von einigen Hardware-Produkten verabschiedet – etwa von Uhren. Dort sagen, wir dass wir Kooperationen mit “Best in Class” machen. Und wir schauen uns einige neue Produkte an, aber da darf ich noch keine Insights geben.

Meine letzte Frage: Verrate unseren Lesern doch – wo geht deine erste Reise hin?

Im Jänner werde ich wahrscheinlich viel Zeit am Berg verbringen und viel in Tirol machen. Die erste große Reise wird im Februar nach Hawaii gehen. Dort ist ein Freund von mir einige Monate, der hat Platz in seinem Haus. Ein Punkt auf meiner Liste ist Kitesurfen. Das sollte in Hawaii ganz gut funktionieren. Und auf das freue ich mich sehr. Das ist der erste große Meilenstein, den ich angehe, und alles weitere werden wir sehen.

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