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Flaterio: Wie drei Wiener Gründer die Wohnungssuche revolutionieren wollen

Symbolbild. © mastersenaiper / Pixabay
Symbolbild. © mastersenaiper / Pixabay

Wer schon jemals eine Wohnung gesucht hat, weiß, wie schwierig – und lästig – das mitunter sein kann. „Vermieter und Immobilienmakler könnten eigentlich viel effizienter arbeiten“, behauptet darum Stefan Zangerle, CEO & Co-Founder des Wiener Startups Flaterio. Er will darum die Digitalisierung in der Immobilienbranche vorantreiben.

Flaterio: Effizienz bei der Wohnungssuche

Während Zangerle vergangenes Jahr selbst auf Wohnungssuche war, sei ihm die Idee für Flaterio gekommen. Derzeit ortet der Gründer nämlich noch viel Ineffizienz auf dem Markt: „Der Ablauf aktuell ist so, dass Vermieter und Makler eine Wohnung inserieren, dann Anfragen erhalten und diese alle bearbeiten müssen. Sie laden viele Interessenten zur Besichtigung ein und fordern erst im Anschluss persönliche Dokumente wie die letzten drei Gehaltszettel, Selbstauskunft etc. an.

Diese werden händisch überprüft und so wird ermittelt, wer am besten zur Wohnung passt. Dieser ganze Aufwand ist also sowohl für Vermieter und Makler zeitraubend und aufwendig, aber auch die Interessenten haben dadurch viel Arbeit. Sie müssen immer wieder zu Besichtigungen, immer wieder die selben Unterlagen aufs Neue übermitteln und so nimmt auch für Interessenten die Wohnungssuche viel Zeit in Anspruch“.

Flaterio: Matching-Algorithmus für Wohnungssuchende

Diese Probleme soll Flaterio lösen, indem das Tool die Mieterunterlagen automatisiert überprüft und verifiziert. „Bei uns kann man als Vermieter und Immobilienmakler Kriterien für Mieter festlegen“, erklärt Zangerle. So lasse sich beispielsweise das Mindesteinkommen einstellen oder angeben, ob Haustiere erlaubt sind oder ob eher Singles oder Paare beziehungsweise Familien einziehen sollen. „Mit unserem Produkt sammeln wir dann die Interessenten von allen Immobilienplattformen. Wir überprüfen und verifizieren automatisiert die Unterlagen der Mieter und unser Matching-Algorithmus ermittelt, wer am ehesten zur Wohnung passt“, erklärt Zangerle die Idee.

Die drei Gründer von Flaterio: Hauer, Chlebecek, Zangerle. © Flaterio / Montage Trending Topics
Die drei Gründer von Flaterio: Hauer, Chlebecek, Zangerle. © Flaterio / Montage Trending Topics

Angebot & Nachfrage

MieterInnen und Vermietende verbindet Flaterio auf zwei Arten: Einerseits können sich Wohnungssuchende mit den eigenen Unterlagen und Vorlieben direkt auf der Flaterio-Plattform anmelden. „Er oder sie sieht sofort, für welche Wohnung  die Anforderungskriterien erfüllt werden und kann sich dann mit einer 1-Klick-Bewerbung einfach für eine Wohnung bewerben“, erklärt Zangerle. Spätestens nach fünf Tagen erhalte der Mieter eine Rückmeldung, ob der Vermieter beziehungsweise Makler ihn oder sie gerne zur Besichtigung einladen würde.

Alternativ kann eine suchende Person auch direkt vom Vermieter einen Flaterio-Bewerbungslink erhalten, auch wenn die Wohnung auf einer alternativen Immobilien-Plattform entdeckt wurde. Die potenziellen Mieter laden ihre Unterlagen dann einfach auf der Plattform hoch. Zangerle: „Sollte es zu einer Absage kommen, schlägt Flaterio den Interessenten weitere, auf ihre Anforderungen passende, Wohnungen vor, bei denen sie sich wiederum mit nur einem Klick bewerben können“.

Präferenzen für Suchende und Vermietende

Der USP liege für Vermieter und Makler in der Effizienz, erklärt der Gründer: „Die vielversprechendsten Interessenten werden durch die Automatisierung vorab ermittelt und Flaterio erstellt einen Mietervorschlag. Durch uns sparen sich Makler und Vermieter extrem viel Zeit, sie haben viel weniger Aufwand, weniger Besichtigungen, sie bekommen nur qualifizierte Mieter und können so die Wohnung auch schneller vergeben. Insbesondere Makler haben dadurch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil“. Da Flaterio einfach in Inserate zu integrieren sei, würden auch keine Schnittstellen benötigt und es sei sehr schnell einsatzfähig.

Mieter wiederum hätten den Vorteil, dass ein einmaliger Upload der Unterlagen ausreichen würde. „Zudem macht Flaterio Wohnungsvorschläge basierend auf den Präferenzen der Mieter. Die Mieter erhalten außerdem nach fünf Tagen eine garantierte Rückmeldung. Durch uns sparen sich die Mieter also Zeit, besichtigen nur noch Wohnungen, auf die sie eine realistische Chance haben und verschwenden keine Zeit mehr im Suchprozess“, sagt Zangerle. Und: Auch in Österreich wird das Bestsellerprinzip wieder stärker diskutiert. Einfach ausgedrückt: Wer den Makler beauftragt, soll ihn auch bezahlen. Bislang blieben diese Kosten immer am künftigen Mieter hängen. Auch hier würde Flaterio Vorteile für Vermieter und Makler bieten.

Flaterio: Kostenlos für MieterInnen

Dafür sollen Vermieter und Makler entweder 49 Euro pro Wohnung in der Basis-Version direkt beim Erstellen der Anforderungskriterien zahlen oder 79 Euro pro Wohnung in der Safety-Version. In dieser Varianten zahlen Vermieter beziehungsweise Makler nur im Erfolgsfall. Für Mieter soll die Verwendung von Flaterio hingegen komplett kostenlos sein. Derzeit besteht das Team aus den drei Gründern. Neben Zangerle sind auch noch Matteo Chlebecek (verantwortlich für den Vertrieb) und Christoph Hauer dabei. Letzterer hat sich als Co-Founder von refugeeswork und Alltagshelden bereits einen Namen in der Branche gemacht.

Start Anfang November

Flaterio soll am 1. November 2020 in einer Beta-Version an den Start gehen. Corona habe den Start ein wenig verzögert, Kapazitätsbeschränkungen der europäischen Server von Microsoft Azure hätten einen Start unmöglich gemacht. Stefan Zangerle sieht aber auch die positiven Seiten: „Dadurch hat sich die Entwicklung unserer Software zwar leider nochmals um ein paar Monate verzögert. Wir hatten schon erste Zusagen von Kunden und haben daher leider ein paar Monate an potentiellen Umsatz verloren. Nichtsdestotrotz sehen wir hier die Corona-Krise aber als klare Chance, weil die Awareness für digitale Produkte bei unseren Kunden deutlich vergrößert wurde“.

„Wollen Immobilienbranche nachhaltig revolutionieren“

Das Selbstvertrauen jedenfalls scheint zu stimmen: „Wir wollen nach dem Launch ein 300k-Seed-Investment raisen, bevorzugt von Investoren mit Bezug zur Immobranche oder mit Fokus auf Tech-Startups, erklärt Zangerle. Das soll sich dann auch langfristig auszahlen: „In fünf Jahren möchten wir einen neuen Standard in der Wohnungsvermittlung geschafft haben. Die automatisierte digitale Mieterüberprüfung soll die händische Mieterüberprüfung abgelöst haben und wir möchten die Immobilienbranche dadurch nachhaltig revolutionieren“.

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