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Flash-Geddon: Bricht heute mit der Chrome-Blockade ein Gewitter über die Online-Werbung herein?

"Flash" heißt Blitz. Deswegen. © stnazkul/Fotolia
"Flash" heißt Blitz. Deswegen. © stnazkul/Fotolia

Für Online-Publisher ist das Jahr 2015 kein leichtes. Im Herbst wird es wie berichtet neue Werbeblocker auf dem iPhone geben, und ab heute (1. September) geht es der Flash-Werbung im Desktop-Web an den Kragen. Denn ab heute, das hat Google kürzlich in einem Blogpost angekündigt, wird der Browser Chrome standardmäßig animierte Inhalte auf Webseiten blocken, die nicht “zentral” für die Website sind. Heißt im Klartext: Flash-Animationen und insbesondere Werbung, die mit Adobes Software für interaktive und multimediale Webinhalte erstellt wurden, werden ab 1. September nur mehr dann angezeigt, wenn die Nutzer die Voreinstellungen von Chrome rückgängig machen.

Google verspricht seinen Nutzern davon, dass sie so schneller surfen können und ihre Geräte weniger Akku verbrauchen. Chrome hat es seit dem Start 2008 zum führenden Browser weltweit geschafft und erreicht global mit mehr als einer Milliarde Nutzer einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Im deutschsprachigen Raum ist seine Dominanz nicht so groß: Chrome hat in Österreich laut ÖWA einen Marktanteil von 26,5 Prozent, in Deutschland laut Statista.com 27 Prozent.

Problem für die Online-Werber

Flash-Werbung ist in Österreich noch weit verbreitet, bei großen Online-Vermarktern liegt der Anteil von Flash an allen Online-Anzeigen bei 60 bis 80 Prozent. Das bedeutet, das ab heute relevante Prozentsätze von Online-Kampagnen nicht auf den Bildschirmen von Nutzern ausgeleifert werden. „Das ist absolut marktrelevant, wurde von Google aber viel zu kurzfristig kommuniziert“, sagt Maurizio Berlini, Managing Director der Goldbach Austria. Die Vermarktungsgemeinschaft Goldbach Audience verkauft Werbeplätze auf so reichweitenstarken Webseiten wie orf.at, kronehit.at oder XING und ist laut ÖWA Plus der reichweitenstärkste Online-Vermarkter in Österreich, der rund 63 Prozent der österreichischen Internetnutzer erreicht. „Das ist ein großer Appell an alle Agenturen und Kunden, möglichst bald das Thema HMTL 5 zu forcieren. Und auch die Medienbetreiber müssen schnell entsprechende Flexibilität bei den Werbeformen zeigen“, sagt Eugen Schmidt von About Media, die unter anderem das Herold.at-Network vermarktet.

Google selbst sieht HTML5 als die beste Alternative zu Flash an und rechnet ab heute bei AdWords-Kampagnen etwaige Flash-Werbung automatisch in HTML5-Werbemittel um. Alexis Johann, Geschäftsführer bei Österreichs zweitgrößtem Online-Vermarkter styria digital one, sieht kein großes Problem: „Wir rechnen eigentlich nicht damit, dass die Werbung unserer Kunden nun nicht ausgespielt werden kann, wir werden aber ab Dienstag verstärkt die Kampagnen im Chrome monitoren.“ Mittlerweile bekäme man überwiegend Buchungen mit HTML5-Fallback (wenn Flash nicht ausgespielt werden kann, wird es durch eine HTML5-Werbung ersetzt), allerdings hätten noch einige Agenturen Schwierigkeiten in der Umsetzung von HTML5-Formaten. Johann: „Die Zukunft liegt bei HTML5, das ist nun einmal mehr eindeutig klar. Wir bieten das allen unseren Kunden an, dass wir die Werbemittel für HTML5 optimieren, und haben dafür unsere eigene Inhouse-Agentur.“

Flash geht seinem Ende zu

Neben Google sind auch andere große US-Internetunternehmen an einem Ende von Flash interessiert. Amazon etwa, das auch eine große Werbe-Plattform betreibt, wird ab morgen keine Flash-Ads mehr annehmen. Der Internetkonzern aus Seattle begründet die neue Regel mit den neuen Chrome-Voreinstellungen als auch Einstellungen bei Firefox und Safari, die Flash-Inhalte auf Webseiten limitieren. Alex Stamos, Sicherheitschef bei Facebook, hat auf Twitter bereits das Ende von Flash gefordert. Auch der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs war immer ein erklärter Gegner von Flash und ließ nicht zu, dass die Technologie aufs iPhone kommt.

Dass es nicht gut um Flash steht, hat auch der Angriff auf die italienische Firma Hacking Team im Juli gezeigt. In geleakten Dokumenten wurden mindestens drei Sicherheitslücken bei Flash entdeckt, die Hacking Team für die Verbreitung von Spionage-Software nutzte – etwa, um die Computer von Zielen überwachen zu können. Mozilla, Macher des beliebten Firefox-Browsers, reagierte darauf mit einer zeitweisen automatischen Sperre von Flash – mit dem Effekt, dass auf vielen Webseiten auch in Deutschland und Österreich Flash-Werbung nicht mehr angezeigt wurde.

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