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Fishcon: Das Linzer Startup, das Fischen hilft und dabei Ökostrom erzeugt

Bernhard Mayrhofer vor der Fishcon-Pilotanlage © Fishcon
Bernhard Mayrhofer vor der Fishcon-Pilotanlage © Fishcon

Die Wasserrahmenrichtlinie der EU stellt Betreiber von zigtausenden Wasserkraftwerken und Hochwasserschutzbauten in Europa vor ein Problem: Sie müssen eine Überquerungsmöglichkeit für Fische schaffen, um die Wasserdurchgängigkeit zu garantieren.

„Es gibt aber kaum zufriedenstellende Lösungen“, sagt Bernhard Mayrhofer. Der Techniker hat mit Fishcon eine innovative Schleuse für Fische erfunden, denn: „Herkömmliche Wanderhilfen brauchen sehr viel Fläche und sind teuer“. Seine Lösung hingegen sei nicht nur „deutlich einfacher, schonender und kostengünstiger“, sondern erzeuge auch noch ohne Mehraufwand Oköstrom. Etwa 25 Haushalte können mit der Turbine einer durchschnittlichen Fishcon-Schleuse versorgt werden.

130.000 Hindernisse für Fische in der EU

„Stellen Sie sich vor, sie stehen in der Früh auf, haben Hunger, aber der Weg zur Küche ist versperrt“, erklärt der Gründer den Nutzen einer Aufstiegshilfe. „Fischen geht es jeden Tag so“. Im Schnitt befindet sich in Österreich laut Bundesamt für Wasserwirtschaft pro Flusskilometer ein Querbauwerk. In Österreich sind das rund 33.000 Wanderhindernisse für Fische und andere Organismen. In der gesamten EU ist der Bedarf groß: Alleine in Deutschland müssen noch bei rund 100.000 Querbauwerken Lösungen für Fische gefunden werden.

Die meisten dieser Hindernisse erzeugen allerdings wertvollen Ökostrom aus Wasserkraft. Sie einfach zu beseitigen wäre also keine Lösung – um Fischen zu helfen werden Wanderhilfen benötigt. Nach Mayrhofers Berechnungen ergibt das ein Marktvolumen von 13 Milliarden Euro, von dem er sich mit seinem Startup einen Teil sichern will.

Testanlage an der Lippenannerlwehr in Oberösterreich

Die patentierte Fishcon-Schleuse besteht aus einem Zweikammern-System mit hydraulischer Verschaltung. Eine Kammer ist im Oberwasser geöffnet, die andere im Unterwasser – die Fische schwimmen ein und die Kammern öffnen am anderen Ende. Im Verbindungsrohr sitzt die Turbine, die die Fließgeschwindigkeit drosselt und Strom erzeugen kann – ein feiner Rechen verhindert eine Verschmutzung und das Einschwimmen von Fischen. Vergangenes Jahr konnte nach einem Forschungsprojekt mit der Universität für Bodenkultur in Wien eine erste Pilotanlage eingerichtet werden – in Oberösterreich an der Alm, an der sogenannten Lippenannerlwehr. Heuer soll die zweite Testschleuse errichtet werden und für 2020 ist der Marktstart geplant. Der Bedarf an solchen Wanderhilfen ist so groß, dass Fishcon bereits jetzt sehr dringende Anfragen habe, so Mayrhofer.

Die Versuchsanlage von Fishcon © Fishcon
Die Versuchsanlage von Fishcon © Fishcon

„Herkömmliche Wanderhilfen kosten im Schnitt 185.000 Euro“, erklärt er. Seine Schleuse liege weit darunter – der genaue Preis richtet sich nach Größe und der optionalen Integration der Turbine für die Stromerzeugung. Fishcon ist für Höhen von etwa 1,5 bis 8 Meter geeignet – größere Fallhöhen können durch eine Kombination mehrerer Schleusen überwunden werden.

Produktionspartner und Investor aus Oberösterreich

Produziert wird die Zweikammer-Wanderhilfe von einer Partnerfirma in Oberösterreich. Das Unternehmen KFD der Familie Drack betreibt schon seit rund einem Jahrhundert unter anderem Kleinwasserkraftwerke und ist kurz nach der Firmengründung 2018 mit 25 Prozent bei Fishcon eingestiegen.

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