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„Perverse Anreize für Menschen, die uns schaden“: Warum Elon Musk Tesla von der Börse nehmen will

Elon Musk. © Tesla Owners Club Belgium (Flickr, CC BY 2.0)
Elon Musk. © Tesla Owners Club Belgium (Flickr, CC BY 2.0)

Ein IPO, ein Exit an der Börse, das ist das erklärte Ziel vieler Startup-Gründer (u.a. auch der von Bitmovin aus Kärnten). Doch dass eine Börsennotierung für den weiteren Aufbau eines Unternehmens doch nicht so toll ist, das spürt derzeit niemand geringerer als Tesla-Chef Elon Musk. In einem Mail an seine Mitarbeiter und in Tweets hat er nun offenbart, dass er gedenkt, den Elektroauto-Hersteller von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung von Tesla als Privatunternehmen sei gesichert. Die finale Entscheidung ist aus finanziellen Gründen aber noch nicht getroffen

Den ungewöhnlichen Schritt, Tesla wieder zu einem Privatunternehmen zu machen, erklärt Musk so: Er sieht den Aktienmarkt und das ständige Auf und Ab des Kurses als eine unnötige Ablenkung vom Fokus auf das Hauptgeschäft. Auch ständig Quartalsberichte abliefern und sich vor den Investoren zu den Zahlen rechtfertigen zu müssen, sieht Musk als störend an. Derzeit sieht es aber gut für Tesla aus, gemessen am Börsenwert ist der Hersteller der beliebten Elektroautos mehr wert als Ford, Chrysler oder General Motors.

„Schließlich bedeutet an der Börse gelistet zu sein, dass es eine große Anzahl von Menschen gibt, die einen Anreiz haben, das Unternehmen anzugreifen“, so Musk mit Hinweis auf die Strategie von Anlegern, eine Aktie zu „shorten“. Dabei spekulieren diese auf sinkende Kurse und profitieren von Verlusten des Wertpapiers. „Ich glaube grundsätzlich, dass wir am besten performen können, wenn wir uns auf unsere langfristige Mission konzentrieren können und wenn es keine perversen Anreize für Menschen gibt, zu versuchen, dem zu schaden, was wir alle erreichen wollen.“

Musk gehören rund 20 Prozent von Tesla

Mit seiner Botschaft will Musk die Belegschaft (rund 37.000 Mitarbeiter) auf eine möglicherweise harte Zeit einstimmen. Er hofft nämlich nicht nur darauf, das die aktuellen Teilhaber allesamt mit an Bord bleiben sondern auch darauf, dass ein Großinvestor grünes Licht gibt. Schätzungen von Experten zufolge braucht Tesla dutzende Milliarden Dollar, es muss also ein gewichtiger Finanzgeber oder ein großer Player am Automobilmarkt sein, der einsteigt. So soll Gerüchten zufolge Saudi-Arabien mit seinem Staatsfonds PIF eingestiegen sein und nun zu den acht größten Anteilseignern von Tesla zählen.

Ob Musk Tesla so einfach von der Börse nehmen kann, ist die andere Frage. Er bräuchte dafür jedenfalls die Zustimmung der Aktionäre. Eine Zusammenlegung mit seiner anderen Firma, SpaceX, schließt Musk aus, allerdings würde er Tesla ähnlich operieren lassen wollen wie das Raumfahrtunternehmen.

Schwieriges Verhältnis mit der Wall Street und Medien

Musk hat außerdem seine persönlichen Probleme mit der Öffentlichkeit, die eine Börsennotierung eines Unternehmens mit sich bringt. Er legte sich mit Journalisten genauso an wie mit Analysten, die die Quartalszahlen von Tesla hinterfragen. Ihm scheint es nicht zu passen, dass Medien etwa über die schleppende Produktion des neuen Models „3“ berichtet haben. Er befand einmal, dass Medien keine Glaubwürdigkeit mehr hätten und schlug vor, den Wahrheitsgehalt von Artikeln im Netz bewerten zu lassen.

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