Channel

Fintech

#beyondwirecard

Fintech-Startups fischen bereits nach Wirecard-Mitarbeitern

© Photo by stephen momot on Unsplash
© Photo by stephen momot on Unsplash

Man könnte es Hilfestellung nennen oder auch Leichenfledderei: Bereits einen Tag nach dem Insolvenzantrag der Wirecard AG sind Vertreter der Fintech-Branche auf Social Media ausgeschwärmt, um Wirecard-Mitarbeiter für andere Firmen zu gewinnen. Denn der Fortbestand des bayrischen Unternehmens ist nach dem 1,9-Milliarden-Euro-Skandal höchst fragwürdig, und die Firma zählt eigenen Angaben zufolge immerhin mehr als 5.800 Mitarbeiter.

Via Linkedin wird derzeit eine Liste verbreitet, die auf den Namen #BeyondWirecard hört und in der sich Wirecard-Mitarbeiter eintragen können, um dort von den Personalabteilungen oder Gründern von Fintech-Unternehmen gefunden werden zu können – quasi eine spontane Jobbörse auf halbinformellen Weg mit simplen Mitteln.

Liste wächst stündlich

Initiiert wurde die Liste vom Österreicher Claudio Wilhelmer, der unter anderem für die Fintechs Bluecode und Revolut tätig war. Er wolle den „Tausenden von hart arbeitenden und hochqualifizierten ehrlichen Menschen bei Wirecard auf der ganzen Welt“ Hilfe bieten: „Gestern war ein harter Tag, heute ist ein neuer Tag – wenn Sie nach Möglichkeiten innerhalb und außerhalb der Fintech-Welt suchen, hier ist eine öffentliche Liste, wo Sie mit anderen in Kontakt treten können, um Ihren Karriereweg fortzusetzen“, so Wilhelmer in Richtung Wirecard-Mitarbeiter. Und betont im Nachsatz: „Diese Initiative ist nicht kommerziell. Bitte verstehen Sie dies als eine Chance für Ihre Zukunft.“

In kurzer Zeit haben sich fast 100 Personen in die Liste eingetragen und geben dort unter anderem auch an, in welchem Land sie einen Job suchen. Die meisten Personen, die sich eingetragen haben, suchen Jobs in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland. Klare Sache: Neben München ist Dubai der der wichtigste Standort für Wirecard.

Folgen auch in Österreich

Auch in Österreich könnte der Wirecard-Skandal Folgen haben. So hat die Tochter Wirecard Central Eastern Europe mit Sitz in Graz der Kleinen Zeitung zufolge 130 Mitarbeiter, die jetzt um ihre Jobs bangen müssen. Außerdem setzen auch die Online-Shops von Billa und Bipa (beides REWE) auf Payment-Lösungen von Wirecard. In einer Stellungnahme gegenüber Trending Topics heißt es dazu:

Die Firma Wirecard leitet als Provider die Zahlungen für unsere Online Shops bei BILLA und BIPA durch und fungiert bei den unterschiedlichen Bezahlmöglichkeiten unserer Online Shops als Schnittstelle zwischen Kunde und Zahlungsanbieter. Die Zusammenarbeit mit Wirecard besteht seit 2009 und wir sind mit der technischen Abwicklung zufrieden. Für uns ist es wichtig, dass unsere Kundinnen und Kunden zu jeder Zeit störungsfrei in unseren Online Shops einkaufen können, daher sind wir grundsätzlich auf alle Eventualitäten gut vorbereitet.
Betroffen von dem Milliarden-Skandal sind auch österreichische Banken. Einem Bericht von Bloomberg zufolge hat Wirecard Kredite bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (60 Mio. Euro) und der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (45 Mio. Euro).

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise