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Fincredible: Neues Wiener Fintech checkt deine Bonität – und achtet dabei auf deinen Datenschutz

Das Fincredible-Team (von links in der Mitte im Uhrzeigersinn): Christian Ochs, Alexander Eisl, Karl Weinmayer, Valentina Gasser, Stephan Gasser und und Yon Sebal (nicht abgebildet). © Fincredible
Das Fincredible-Team (von links in der Mitte im Uhrzeigersinn): Christian Ochs, Alexander Eisl, Karl Weinmayer, Valentina Gasser, Stephan Gasser und und Yon Sebal (nicht abgebildet). © Fincredible

Du willst in eine neue Wohnung einziehen, musst dem Vermieter aber erst per Kontoauszug oder Lohnzettel beweisen, ob du dir die Miete eh leisten kannst? Das läuft heute noch über die Zusendung von Unterlagen per Fax oder Brief. Für das neue Wiener Startup Fincredible rund um die vier Gründer Karl Weinmayer, Christian Ochs, Stephan Gasser und Alexander Eisl ist das zu umständlich. Denn da gibt es dank einer neuen EU-Richtlinie namens PSD2 (kurz für „Payment Services Directive 2“), die seit Jänner 2018 gilt, eine einfachere Methode.

Denn PSD2 verlangt von Banken, dass sie Drittanbietern den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden über APIs ermöglichen müssen, wenn der Bankkunde das ausdrücklich erwünscht. Und da kommt jetzt Fincredible ins Spiel. Als Mittelsmann zwischen Mieter und Vermieter kann Fincredible über den virtuellen Zugriff auf ein Bankkonto die Bonität eines künftigen Mieters für den Vermieter, Makler oder Hausverwalter checken, ohne dass analoge Dokumente durch die Gegend geschickt werden müssen.

„Für Mieter immer kostenlos“

“Bei uns erfährt der Vermieter nicht, was der Mieter genau verdient, sondern bekommt nur die Information, ob die Kriterien erfüllt wurden”, sagt Mitgründer Stephan Gasser im Gespräch mit Trending Topics. Erlaubt der Mieter den Zugriff auf sein Bankkonto, dann wird neben anderen Dingen etwa gecheckt, ob er die Mietbelastungsquote erfüllt – also ob der Mietpreis maximal 40 Prozent seines Einkommens beträgt. Der Vermieter, der die digitale Bonitätsprüfung in Auftrag gegeben hat, erhält so nicht direkte Einsicht in die Kontodaten des Mieters, sondern lediglich die Auskunft durch Fincredible, ob der Mieter die Bonitätsprüfung bestanden hat.

Beim Mietcheck von Fincredible ist der Dienst bereits verfügbar, künftig soll der Service etwa auch in Immobilien-Portale oder in Makler-Software integriert werden können. “Wir monetarisieren auf Seiten der Vermieter, für den Mieter wird das immer kostenlos bleiben”, sagt Gasser. Ein Mietcheck kostet derzeit rund 15 Euro, wer größere Pakete bucht, bekommt Spezialpreise bei dem Startup.

„Sind froh über die DSGVO“

Eine große Hürde bei der Akzeptanz von Konsumenten muss Fincredible noch meistern. Das Startup muss am Ende immer das Vertrauen des Nutzers gewinnen, damit er Zugriff auf sein Bankkonto erlaubt. Gasser versichert: “Wir speichern niemals Zugangsdaten und können auch keine Überweisungen auslösen.” Die Bonitätsprüfung würde einmalig durchgeführt, es würde kein Profiling stattfinden, und danach würden wieder alle notwendigen Daten entsprechend der DSGVO gelöscht.

“Wir sind sehr froh über die harten Bestimmungen der DSGVO, weil wir ja die vertrauenswürdige Vermittlerposition einnehmen wollen”, sagt Gasser. Die PSD2-Richtlinie hätte dafür gesorgt, dass neue Geschäftsmodelle wie jenes seiner Jungfirma entstehen können. Damit ist Fincredible eines der ersten Jungunternehmen, die daraus ein Geschäft machen wollen.

Damit das Service bereits funktioniert, muss Fincredible zwischenzeitlich mit dem deutschen Software-Anbieter Fintech Systems zusammenarbeiten. “In Österreich warten wir darauf, bis die Richtlinie komplett in österreichisches Recht übersetzt ist”, so Gasser. Erst dann könne man über die von der EU geforderten APIs der Banken direkt auf die Bankkonten von Mietern zugreifen – natürlich immer nur dann, wenn diese das explizit erlauben.

„Nicht irgendwas mit Blockchain“

Im Team von Fincredible arbeiten aktuell sechs Personen, außerdem hat das Startup mit der Vienna Mentoring Group (das sind Philipp Kinsky, Daniel Cronin, Vlad Gozman, Jürgen Jelly, Hannes Harborth und David Dietrich) einen ersten Investor bekommen. Ausbaupläne gibt es viele. Laut Gasser könne man das System auch in vielen anderen Bereichen einsetzen, die Bonitätsprüfungen benötigen – etwa im Mobilfunkmarkt, bei Leasing-Verträgen oder Versicherungen oder in der Glückspielbranche. “Das Ziel ist es, nach der Etablierung in einem Markt das Service in Europa und auch in anderen Bereichen auszurollen”, sagt Gasser.

Auch wenn sich einige Team-Mitglieder rund um Gasser an der WU Wien bereits vor einigen Jahren wissenschaftlich mit Bitcoin auseinandersetzten – mit der dahinter stehenden Blockchain-Technologie wollen sie nicht arbeiten. Gasser: “Wir haben uns absichtlich dagegen entschieden, irgendwas mit Blockchain zu machen.”

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