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Crowdfunding

Fachkräftemangel

FH Technikum musste 1.000 potenzielle Studenten heimschicken. Jetzt soll Crowdfunding helfen.

Die FH Technikum bildet die Fachkräfte für Digitalisierung und Industrie 4.0 aus © Baumgartner/FH Technikum
Die FH Technikum bildet die Fachkräfte für Digitalisierung und Industrie 4.0 aus © Baumgartner/FH Technikum

Österreichs Unternehmen klagen über Fachkräftemangel – vor allem in technischen Berufen. Die Politik versucht aktiv gegenzusteuern und setzt verschiedenste Initiativen, um junge Menschen stärker für zukunftsorientierte, technische Ausbildungswege zu begeistern. Allein, die Motivation scheint nicht das Problem zu sein. „Wir mussten vergangenen Herbst mehr als 1.000 qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber aufgrund mangelnder, öffentlich finanzierter Studienplätze abweisen“, sagt Gabriele Költringer, Geschäftsführerin der FH Technikum. Das Wiener Technikum ist die einzige rein technische Fachhochschule in Österreich und bildet beispielsweise Programmierer, Mechatroniker oder Maschinenbauer aus.

Zehn zusätzliche Plätze dank Crowdfunding

Am Technikum studieren ohnehin schon mehr Menschen, als es offiziell Studienplätze gibt. 3.300 öffentlich finanzierte Plätze hat die FH, nimmt aber sicherheitshalber mehr als 4.000 auf, um Abgänge abzufedern.  Vergangenen Herbst hätten theoretisch rund 2.800 Bewerber den Aufnahmeprozess geschafft – Platz war jedoch nur für 1.500. Deshalb will das Technikum jetzt mit einer ungewöhnlichen Aktion ein Zeichen setzen. Von Mai bis August läuft eine Crowdfunding-Kampagne über die Plattform Conda, mit der zusätzliche Studienplätze finanziert werden sollen. Das Ziel, so Költringer, seien etwa zehn zusätzliche Plätze.

>> Hier geht es zum Studienplatz-Crowdfunding der FH Technikum

„Ich hoffe, dass die Politik umdenkt“

„Österreich soll ein Vorzeigeland in Sachen Digitalisierung werden – dafür brauchen wir aber auch entsprechend ausgebildete Menschen. Dass wir in dieser Situation 1.000 Leute abweisen müssen, die den Aufnahmetest geschafft haben, kann man nur als absurd bezeichnen. Ich hoffe, dass die Politik da umdenkt.“, sagt FH-Präsident Lothar Roitner, der auch Geschäftsführer des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie ist. Eigentlich hätten heuer rund 300 neue Studienplätze für die rund 30 FHs in Österreich geschaffen werden sollen – das Thema liegt derzeit auf Eis. Es wäre aber ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, Roitner wünscht sich alleine für das Technikum eine Steigerung der finanzierten Studienplätze um 30 Prozent, also rund 1.000 zusätzliche Plätze.

26.550 Euro für eine Mechatronikerin

Der Bedarf in der Industrie ist groß: „Wir suchen derzeit etwa 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Mechatronik und Robotik in Österreich“, sagt Kurt Hofstädter, Digital-Strategy-Direktor bei Siemens Österreich und Vize-Präsident des Technikums. Insgesamt suchen Unternehmen nach Schätzungen des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie 16.500 technisch oder naturwissenschaftlich ausgebildete Fachkräfte. Siemens übernimmt zum Start der Kampagne die Finanzierung eines Studienplatzes über die gesamte Studiendauer von drei Jahren im Wert von 26.550 Euro. Ganz konkret wird mit dem Geld eine zusätzlicher Mechatronikerin bzw. ein Robotik-Spezialist ausgebildet.

„Die Kampagne ist ein Statement und ein Hilferuf“

Hofstädter sieht die Finanzierung der Ausbildung dennoch primär als Aufgabe des Staates. Der „Business Case“ würde sich ohnehin binnen kürzester Zeit rechnen. Drei Jahre Studium kosten den Staat 26.550 Euro. Bei technischen Berufen eine gute Investition, die schnell zurückfließt: „Das sind Leute mit praktisch keiner Arbeitslosigkeit und hoher Steuerquote“, so Hofstädter. Auch Roitner sieht weiterhin den Staat in der Pflicht und appelliert an die Regierung: „Die Kampagne ist ein Statement und ein Hilferuf“.

Die Crowdfunding-Kampagne richtet sich in diesem Sinne nicht nur an Unternehmen, die einen akuten Mangel an Fachkräften haben. Auch die 11.000 Absolventen sind angesprochen – Spenden sind ab 10 Euro möglich und genauso wie Firmen, können auch Private ihren Beitrag als Spende vollständig von der Steuer absetzen.

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