Foto-Marktplatz

„F*ck Stock Photos!“: Wie das Linzer Start-up Pixxers für bessere Bilder im Netz sorgen will

Provokantes und plakatives Marketing. © Pixxers
Provokantes und plakatives Marketing. © Pixxers

Schöne Menschen, die in die Kamera lachen, mit dem Finger ganz eindeutig auf ein Ding zeigen, schwer konzentriert auf irgendein Display starren – solche Bilder kennt man zur Genüge. Weil immer mehr Content online veröffentlicht wird, braucht es auch immer mehr Bildmaterial. Stock-Foto-Portale, auf denen man billig und schnell eine halbwegs passende Bebilderung findet, florieren und fluten das Web mit weichgezeichneten Aufnahmen. Eine Story über Fotografie wie diese könnte man zum Beispiel so bebildern:

Typisches Stock-Foto zum Thema Fotografie. © Fotolia/Rido
Typisches Stock-Foto zum Thema Fotografie. © Fotolia/Rido

Charlie Frauscher, der Gründer des Linzer Foto-Netzwerks Pixxers, will da nicht länger zusehen. 700.000 Euro haben er und ein Business Angel in das Start-up investiert, das als Vermittler zwischen Fotografen und Auftraggebern (Agenturen, Medien, etc.) auftritt. „Suche nach dem richtigen Foto in Bilddatenbanken wie Getty Images, iStock oder Fotolia ist mühsam, zeitaufwändig und kostenintensiv. Wir haben recherchiert, dass es im Schnitt zwischen zwei und vier Stunden dauert, das richtige Foto zu finden“, sagt Frauscher. „Bei einem Foto um 20 Euro bedeutet das versteckte Kosten von 200 – 300 Euro. Das ist das 10- bis 15-fache des eigentlichen Fotopreises, unterm Strich ein sehr schlechter Deal.“

Vermittler zwischen Auftraggeber und Fotograf

Mit Pixxers gedenkt er das zu ändern. „F*ck Stock Photos!“ steht auf dem Promomaterial, mit dem der Linzer seine Jungfirma bewirbt. Das Konzept: Auf der Plattform können sich Auftraggeber ein Foto bestimmten Inhalts (z.B. bestimmter Ort, Person, Qualität, etc.) wünschen, und Fotografen auf der ganzen Welt sollen diesen Auftrag annehmen können und anschließend bezahlt werden.

„Das ist im Grund absolut keine neue Idee. Als ich in der Werbung begonnen habe, hat das Fotobriefing geheißen“, sagt Frauscher, der lange Zeit in der Werbebranche tätig war. „Man hat zwei oder drei Fotografen zum Briefing eingeladen und hat mit ihnen den Job besprochen. Der Fotograf hat seine Ideen dazu eingebracht und sein Angebot geschickt. Man hat noch ein bisserl gehandelt, und dann war der Deal perfekt. Keine Lizenzprobleme, keine Nutzungsdiskussionen – alles war allen klar.“

Das Pixxers-Team rund um Gründer Charlie Frauscher (r.u.). © Pixxers
Das Pixxers-Team rund um Gründer Charlie Frauscher (r.u.). © Pixxers

In Zeiten der großen Bilddatenbanken sei diese Auftragsarbeit leider völlig aus dem Blickfeld geraten – dabei biete das Internet ja eine tolle Möglichkeit, beide Seiten miteinander zu vernetzen. „Mit Pixxers kann ich ein Briefing in die ganze Welt hinaus schicken und Fotografen – egal wo auf unserer schönen Welt, egal ob sie das Foto schon in ihrem Archiv haben oder erst machen müssen – können den Fotowunsch erfüllen“, sagt Frauscher. „Und damit wieder faires Geld verdienen.“ Beispielfotos finden sich etwa hier, hier und hier.

Pixxers verdient 20 bis 30 Prozent Servicegebühr

Wie viel die Fotografen letztendlich für ein verkauftes Bild bekommen, hängt davon ab, was sie selbst als Mindestpreis definieren bzw. wie viel die Auftraggeber als Meximalpreis festlegen. Frauscher verspricht aber, dass man bei Pixxers mehr verdienen könne als als bei den gängigen Stock-Foto-Portalen. Aktuell sind etwas mehr als 3700 Nutzer auf der Plattform registriert, wobei viele sowohl Fotografen als auch Auftraggeber sind.

Egal, wie viel die verkauften Bilder letztendlich kosten – Pixxers verdient zwischen 20 und 30 Prozent des Verkaufspreises als Servicegebühr. Weiters gibt es Fotowettbewerbe, die man über die Plattform abwickeln kann, für diese zahlen Veranstalter je nach Umfang zwischen 50 und 200 Euro pro Monat. Auch an Analogliebhaber hat Frauscher gedacht: Kann man Nutzer an die Partnerfirma Peecho vermitteln, die Fotobücher fertigt, kassiert man ebenfalls eine Provision.

Pixxers hat es bis dato geschafft, die gesamte Technik samt einem global verfügbaren Bezahlsystem auf die Beine zu stellen – jetzt muss Frauscher dafür sorgen, dass der internationale Rollout klappt. Nur mit der richtigen Masse an Fotografen und Auftraggebern kann er dafür sorgen, dass sein Foto-Marktplatz in die Gänge kommt – und vielleicht einmal in einer Liga mit Fotolia und Co  mitspielt.

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