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Fashion Fusion: “Bald drucken wir alle unsere Kleidung bequem zuhause aus”

"TranSwarm Entities" von Maartje Dijkstra, der Solarzellen-Rucksack "Yuma" und "Trainwear" von Gernot Bahle, Bo Zhou und Lorenzo Fürg. © Telekom Fashion Fusion
"TranSwarm Entities" von Maartje Dijkstra, der Solarzellen-Rucksack "Yuma" und "Trainwear" von Gernot Bahle, Bo Zhou und Lorenzo Fürg. © Telekom Fashion Fusion

Schuhe von Adidas, die aus dem 3D-Drucker kommen, eine Jeansjacke von Levi´s, die Berührungen erkennt und das Smartphone in der Tasche steuert, oder ein Trainingsanzug, der die Muskeln beim Workout mit Programmen unterstützt: “Die Digitalisierung macht auch nicht vor der Mode halt”, sagt Antje Hundhausen, die für das Kunst-Management der Telekom AG verantwortlich ist und mit „Fashion Fusion“ einen Accelerator leitet, der Mode und Tech-Startups zusammenbringt. Diese Woche zeigte das Programm bei der „Magenta Night“ von T-Mobile Austria im Wiener MAK, was diese Fusion hervorbringen kann und gab dabei auch gleich einen Ausblick, wie sich die Modeindustrie durch die Digitalisierung verändern wird.

An einem Wettbewerb nahmen 150 Designer aus 25 Ländern teil, die sich der Aufgabe stellten, Mode und Technologie miteinander zu verweben. Zwölf Projekte wurden letztlich ausgewählt und die Designer eingeladen, sich drei Monate intensiv mit der Umsetzung ihrer Entwürfe zu beschäftigen. “Wir machen das nicht als netten PR-Gag“, sagt Hundhausen, man wolle mit den Designern wirklich Produkte und Services auf den Markt bringen, die es in der Form noch nicht gab.

Die österreichische Designerin Julia Körner. © T-Mobile Austria
Die österreichische Designerin Julia Körner. © T-Mobile Austria

Ein Kleid per Mail

“Es wird normal sein, dass man seine Kleidung zu Hause ausdrucken wird können”, sagt die österreichische Designerin Julia Körner. Sie hat sich schon vor vielen Jahren auf 3D-Druck spezialisiert und führt heute vor, wie die Technologie mit Haute Couture verschmilzt. Kreationen wie „Hymenium Jacket“, „Kelp Necklace“ oder „Kelp Jacket“ aus ihrer „Sporophyte“-Kollektion leben von den Möglichkeiten neuer 3D-Drucker, flexible Materialien in Formen zu bringen, die mit herkömmlichen Stoffen nur schwer machbar wären. Noch sind solche 3D-Drucker nicht massentauglich, aber wenn die Preise wie auch bei anderen Technologien sinken, wäre vorstellbar, dass Maschinen zu Hause oder zumindest in der Nähe des Konsumenten maßgeschneiderte Kleidung „on demand“ fabrizieren – das Gegenteil von Stangenware.

Haute Couture aus dem 3D-Drucker. © T-Mobile Austria
Haute Couture aus dem 3D-Drucker. © T-Mobile Austria

“Alle meine Entwürfe sind Dateien, ich kann dir ein Kleid einfach per Mail schicken”, sagt die israelische Designerin Danit Peleg. Auch sie geht davon aus, dass die Digitalisierung die Modebranche ordentlich umkrempeln wird. Für Kreative wie sie bietet 3D-Druck die Möglichkeit, ihre Entwürfe direkt ohne Zwischenstationen zum Kunden zu bringen. “Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass wir in einer Science-Fiction-Welt leben werden”, sagt auch Andreas Bierwirth, CEO von T-Mobile Austria.

Lokal produzieren statt in Asien

„Ich verorte einen Trend zur Regionalisierung. Es ist heute technisch einfach nicht mehr nötig, Kleidung in Asien produzieren zu lassen. Es werden lokale Hubs entstehen, die das nahe Umfeld mit Kleidung versorgen“, sagt der Schweizer Investor Antonio Gatti Balsarri, Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Beteiligungsfirma Lemonblood. Für die Billionen Dollar schwere, globalisierte Modeindustrie würde das ordentliche Umwälzungen bedeuten. Anstatt in Billiglohnländern Massenware unter miserablen Arbeitsbedingungen zu produzieren und die Kleidung Container-weise unter erheblichen Treibstoffverbrauch um den Globus schippern zu müssen, könnte – wie vor der Industrialisierung – wieder lokal produziert werden.

Antonio Gatti Balsarri, Geschäftsführer der Lemonblood Group. © T-Mobile Austria
Antonio Gatti Balsarri, Geschäftsführer der Lemonblood Group. © T-Mobile Austria

“Ich glaube nicht, dass jeder einen 3D-Drucker zu Hause haben wird, aber es wird lokale Hubs geben, wo man hingeht und seine Wunschkleidung ausdrucken lässt”, sagt Balsarri. Die Personalisierung der Mode könnte so für die breite Masse verfügbar werden, ganz nach dem Motto: Jedem seinen eigenen digitalen Maßschneider zu erschwinglichen Preisen.

Funktionalität statt nur Look

Technologie kann aber nicht nur für Verschiebungen in Design, Produktion und Vertrieb sorgen, sondern Kleidung durch den Endkonsumenten auch wirklich nutzbar machen. heute trägt man Wearables in erster Linie als Smartwatch, doch durch weitere Miniaturisierung und smarte Fasern kann Kleidung selbst zu einer Art Computer werden. Der bei Fashion Fusion gezeigte YUMA-Anzug etwa ist mit Solarpanelen bestückt, damit der Träger unterwegs Sonnenlicht in Energie umwandeln kann, um seine Gadgets laden zu können, „Trainwear“ (siehe Bild oben) der Designer Gernot Bahle, Bo Zhou and Lorenzo Fürg überwacht beim Workout mit Sensoren die persönliche Trainingserfolge.

YUMA-Rucksack mit Solarpanelen. © T-Mobile Austria
YUMA-Rucksack mit Solarpanelen. © T-Mobile Austria

Auch Investor Balsarri glaubt daran, dass funktionale Kleidung künftig einen wichtigen Platz im Schrank von Konsumenten einnehmen wird – vor allem im Sportbereich. Lemonblood hat deswegen in das Nürnberger Startup Antelope investiert, das einen elektronischen Sportanzug entwickelt. Über Elektroden werden die darunter liegenden Muskeln mit Strom stimuliert, der Anzug selbst besteht aus atmungsaktiver flexibler Kompressionsfaser. Um aber für die breite Masse zugänglich zu werden, muss noch eines passieren: Der Preis muss hinuntergehen, immerhin kostet der Antelope-Anzug derzeit noch 1.400 Euro.

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