Philantropie

Q: Spendet Facebook-Gründer Mark Zuckerberg jetzt wirklich 45 Milliarden US-Dollar? A: Nicht wirklich.

Glückliche Eltern und Philantropen: Mark Zuckerberg und Priscilla Chan mit Tochter Max. © Facebook
Glückliche Eltern und Philantropen: Mark Zuckerberg und Priscilla Chan mit Tochter Max. © Facebook

In der Nacht auf Mittwoch sind Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seine Lebenspartnerin Priscilla Chan nicht nur Eltern geworden, sondern haben in einem öffentlichkeitswirksamen Brief an ihre Tochter Maxima auch verkündet, 99 Prozent ihres Vermögens (= vor allem Facebook-Aktien) im Laufe ihres Lebens spenden zu wollen. Sie wollen damit einen Beitrag dazu leisten, um die Chancen der Menschen zu verbessern und für Gleichbehandlung zu sorgen, wie es sehr allgemein formuliert wird.

Kurz nach der Veröffentlichung des Statements waren die Medien voll mit Schlagzeilen darüber, dass Zuckerberg jetzt 45 Mrd. US-Dollar spendet. Doch Vorsicht, so einfach ist die Sache nicht. Hier die Antworten zu den drängendsten Fragen.

Kommt der Schritt überraschend?

Nicht für Insider. Bereits 2010 ist Zuckerberg der Giving Pledge-Initiative von Microsoft-Gründer Bill Gates (den er als großes Vorbild achtet) beigetreten. Dabei verpflichten sich Reiche, den Großteil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen. Das Zuckerberg in so jungen Jahren mitmacht und gleich 99 Prozent seines Vermögens hergeben will, ist dann aber doch überraschend. Beobachter erwarten sich, dass Zuckerbergs Schritt viele andere reiche Menschen dazu inspirieren wird, mehr ihres Vermögens für wohltätige Zwecke herzugeben.

Spendet Zuckerberg wirklich?

Nein, von Spenden ist nicht zwingend die Rede. Das wichtigste Vehikel des Silicon-Valley-Pärchens ist die Chan Zuckerberg Initiative LLC. LLC steht für „Limited Liability Company“ und kann z.B. in Deutschland als Kapitalgesellschaft behandelt werden. Zuckerberg behält sich also vor, sein Vermögen nicht einfach nur zu spenden, sondern auch in andere Firmen investieren oder damit Lobby-Organisationen finanzieren zu können. Immerhin merkt er an, dass die Gewinne, die man über solche Firmeninvestments machen wird, in den Fonds rückfließen würden, um damit die Mission voranzutreiben.

Ist Zuckerberg jetzt nicht mehr reich?

Doch, Zuckerberg ist die nächsten Jahre und Jahrzehnte weiterhin steinreich. Sein Vermögen ist aktuell 45 Mrd. US-Dollar schwer. Gibt er theoretisch 99 Prozent her, bleiben ihm immer noch 450 Millionen US-Dollar übrig. Da sein Vermögen vor allem an den Aktienkurs von Facebook gebunden ist, kann das mehr, aber auch weniger werden.

Bleibt Zuckerberg Facebook-Chef?

Ja. Mark Zuckerberg hält etwa ein Drittel aller Facebook-Aktien, hat aber aufgrund von der Teilung in Class-A- und Class-B-Aktien etwa 60 Prozent der Stimmrechte im Unternehmen (der 31-jährige besitzt etwa vier Millionen Stimmrechtsaktien und etwa 419 Millionen Superaktien mit überproportionalen Stimmrechten). Da Zuckerberg nicht alle Aktien auf einmal für wohltätige Zwecke hergibt, sondern scheibchenweise über die nächsten Jahre und Jahrzehnte, wird er bis auf weiteres die volle Kontrolle über seine Firma behalten. Der US-Börsenaufsicht SEC teilte Facebook mit, dass Zuckerberg in den nächsten drei Jahren Aktien im Gegenwert von maximal einer Milliarde US-Dollar pro Jahr verkaufen werde. Damit bleiben Zuckerberg locker bei mehr als 50 Prozent der Stimmrechte in seiner Firma.

Wofür hat Zuckerberg bisher Geld hergegeben?

Bis dato hat sich Mark Zuckerberg bereits einige Male als Philanthrop bewiesen. 2010 etwa hat er 100 Millionen US-Dollar in das marode Schulsystem von Newark in New Jersey gesteckt. Die Aktion wurde damals vor allem deswegen kritisiert, weil viel von dem Geld bei Beratern landete anstatt bei den Schulen. 2013 hat Zuckerberg eine weitere Milliarde an zwei Stiftungen, und zwar die Silicon Valley Community Foundation sowie an seine eigene The Breakthrough Prize In Life Science gesteckt. Deren Gelder kommen vor allem Bürgern in den USA zugute. Auch ein Blick auf die bisherigen Aktionen der Chan Zuckerberg Initiative zeigt, dass in erster Linie US-Projekte Geld bekommen (v.a. medizinische Einrichtungen und Schulen).

Woher kommt Zuckerbergs Vermögen?

Natürlich von Facebook. Facebook macht etwa 90 Prozent seines Umsatzes mit dem Verkauf von Nutzerdaten an werbetreibende Unternehmen. Etwa jeder siebte Weltbürger loggt sich täglich bei Facebook ein, für die Herausgabe der eigenen Daten dürfen sie Facebook und andere Diensten kostenlos benutzen. Außerdem nutzt Facebook verschiedenste Schlupflöcher, um in der EU möglichst wenig Steuern zahlen zu müssen. In Großbritannien etwa, Europas wichtigstem Markt für digitale Werbung, zahlte Facebook im Jahr 2014 lediglich 4,372 Pfund an Steuern, bei einem Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. Pfund.

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