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Facebooks 5,7-Milliarden-Dollar-Wette auf den indischen Internet-Markt

Instagram-Nutzer in Delhi. © Photo by Ravi Sharma on Unsplash
Instagram-Nutzer in Delhi. © Photo by Ravi Sharma on Unsplash

5,7 Milliarden Dollar für einen Anteil von zehn Prozent: Abgesehen von WhatsApp hat Facebook noch nie so viel Geld auf einmal ausgegeben wie für das neue Investment in die indische Jio Platforms Limited. Fast sechs Milliarden Dollar ist es dem US-Social Network wert, um sich in den mittlerweile hinter China zweit größten Internet-Markt der Welt einzukaufen. Mit Jio, einer Tochter des Industrieriesen Reliance Industries, hat man nun das größte indische Telekomunternehmen als Partner.

„Diese Investition unterstreicht unser Engagement für Indien und unsere Begeisterung für den dramatischen Wandel, den Jio in diesem Land angestoßen hat. In weniger als vier Jahren hat Jio mehr als 388 Millionen Menschen online gebracht, die Gründung innovativer neuer Unternehmen vorangetrieben und Menschen auf neue Weise miteinander verbunden“, heißt es seitens Facebook. Indien ist für das US-Unternehmen der wichtigste Wachstumsmarkt.

WhatsApp als Payment-Kanal

„Wir haben uns dazu verpflichtet, bei einigen großen Projekten zusammenzuarbeiten, die den Menschen in ganz Indien Handelschancen eröffnen werden“, so Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Eine erste Kooperation wurde im Rahmen des Deals bereits verkündet. So soll WhatsApp enger an die Handels-Plattform JioMart angeknüpft werden. Über die Plattform werden kleine, lokale Händler mit ihren Kunden vernetzt, um WhatsApp soll künftig als Kanal für Transaktionen verwendet werden. Damit will Facebook WhatsApp endlich ordentlich monetarisieren – und zwar über Finanzdienstleistungen und nicht über Werbung wie die anderen Produkte.

Der Fokus des Investments, heißt es auch seitens Reliance Industries, liegt auf den 60 Millionen Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben, 120 Millionen Bauern und 30 Millionen kleinen Händlern in Indien, für die man die Digitalisierung vorantreiben will. Jio hat als Mobilfunk- und Internet-Anbieter es innerhalb von nur vier Jahren geschafft, 400 Millionen Menschen online zu bringen. Mit schnellem 4G-Mobilfunk und Kampfpreisen ist Jio in wenigen Jahren zum führenden Mobilfunker Indiens geworden – und damit zum wichtigsten Einstiegspunkt für Indiens Bürger ins Internet.

Engere Bande zu Indiens reichstem Mann

Mit dem Investment in Jio hat Zuckerberg auch beim reichsten Mann Indiens, Mukesh Ambani, dem Chef von Reliance Industries, investiert. Ambani ist hinter Alibaba-Gründer Jack Ma der zweit reichste Mann Asiens, und die Telekommunkations-Tochter Jio ist der wichtigste Sektor des Industrie-Konglomerats, das auch im Ölgeschäft tätig ist. Ambani wiederum hat einen guten Draht zu Indiens Regierungschef Shri Narendra Modi.

Ambanis Jio Platforms hat durch den aggressiven Einstieg in den indischen Internet-Markt auch ordentlich Schulden aufgebaut – mit dem Milliarden-Investment steht das Unternehmen jetzt besser da und wird mit etwa 66 Milliarden Dollar bewertet. „Dies ist das größte Investment für eine Minderheitsbeteiligung durch ein Technologieunternehmen irgendwo in der Welt und die größte ausländische Direktinvestition im Technologiesektor in Indien“, jubelt man bei Jio.

Neuer Anlauf nach gescheiterten Projekten

Bisher hat Facebook vor allem für seine Töchter WhatsApp und Instagram ordentlich Nutzer in Indien sammeln können. Doch durch Werbung ließen sich diese nicht so stark monetarisieren wie in Europa oder den USA. Auch mit dem kostenlosen Internet-Angebot „Free Basics“scheiterte Facebook in Indien, weil es durch die Bevorzugung von eigenen und Partner-Diensten gegen die Netzneutralität verstieß und vom Staat verboten wurde. Als Anteilshaber von Jio hat man nun wieder den Fuß in der Tür, um die eigenen Dienste größer zu machen.

Und: Neben China ist Indien der wichtigste Internet-Wachstumsmarkt. In China ist Facebook und Co blockiert. Währenddessen kann gerade ByteDance aus China mit seiner App TikTok derzeit auch in Indien viele Millionen Nutzer einsammeln. Dem gilt es Paroli zu bieten.

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